Während im Gaza-Streifen Menschen sterben, schwappt der Krieg zwischen Israel und der Hamas ins Internet. Besonders Nutzer von Community-Portalen wie Twitter, Flickr und Youtube tauschen sich über die Vorfälle im Nahen Osten aus. Ein Blick auf die Beiträge zeigt, dass auch im Netz hart gekämpft wird. Von Gerd Blank

Der Screenshot von Flickr zeigt Einträge, die erscheinen, wenn man nach dem Begriff Israel sucht© flickr.com
Wer bei Flickr nach Bildern aus dem Gazastreifen sucht, die nach dem 25. Dezember hochgeladen wurden, findet weit über tausend Fotos. Das Suchwort Israel bringt sogar rund 3600 Bilder zum Vorschein. Es sind Abbildungen des Schreckens. Tote Menschen und zerstörte Häuser, Soldaten mit Waffen im Anschlag. Die Fotografen stellen ihre Bilder ins Netz, um auf das Drama hinzuweisen, bei dem bis Sonntag mindestens 280 Menschen starben. Sie wollen, dass die Welt einen Blick auf das Grauen wirft.
Flickr ist eines der Angebote, die exemplarisch für den inzwischen abgedroschenen Begriff "Web 2.0" stehen, das so genannte "Mitmachweb". Die Bilder in diesem Angebot stammen nicht unbedingt von professionellen Fotografen, sondern auch von Laien, die ihre Fotos, aufgenommen mit Handys, Kompakt- und Spiegelreflexkameras, auch anderen Nutzern zur Verfügung stellen. So erhält man einen subjektiven, aber unverstellten Blick auf die Welt. Und auf den Schrecken, der sich gerade im Gazastreifen abzeichnet. Zu jedem Bild können Kommentare abgegeben werden. Eigentlich ist diese Funktion dazu da, um über Perspektive und Belichtungszeit zu diskutieren. Doch bei aktuellen Ereignissen wird hier eher die politische Meinung kundgetan.
Unter einem Bild mit vielen blutigen Leichen, aufgenommen am 27. Dezember, kurz nach der ersten Angriffswelle, schreibt idf.rules: "Wow, sie sind sooooo glücklich, jetzt ist jeder von ihnen mit 72 Jungfrauen im Himmel." Der Nutzer AnomalouosNYC hält dagegen, dass die Angriffe auf den Gazastreifen maßlos sind. "Für Israelis", sagt er "ist die Chance größer, im eigenen Whirlpool umzukommen, als von einer palästinensischen Rakete getroffen zu werden."
Unter einem anderen Bild streiten sich die Nutzer schindlerisme und mohammad atiea über die Begriffe Holocaust und Zionismus. Doch meistens spricht aus den Zeilen Hilflosigkeit und große Trauer. Viele schreiben Gebete unter die Bilder, um ihr Entsetzen in Worte zu fassen. Sucht man bei Flickr nach dem Begriff Israel, darf man sich neben Abbildungen von verwundeten Menschen über Werbeanzeigen freuen, die einem eine Reise ins Heilige Land nahe legen.