Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Google züchtet angeblich Facebook-Klon

US-Blogs berichten, dass der Suchmaschinenriese an einem sozialen Netzwerk namens "Google Me" arbeitet. Es soll sich am Erfolgsmodell von Facebook orientieren.

Von Ralf Sander

Hochbetrieb in der Gerüchteküche: Google soll an einem eigenen sozialen Netzwerk arbeiten, das sich stark am Marktführer Facebook orientiert. Diese Gerüchte, an sich nicht neu, sind in US-Blogs wieder hochgekocht. Den Anfang machte am Wochenende ein Twitterbeitrag von Kevin Rose, dem Gründer des beliebten Webportals Digg: Ein Insider habe ihm gesteckt, der Suchmaschinenriese bastele an einem Produkt, das "Google Me" heißen und soziale Profile à la Facebook bieten soll.

Detaillierter als Roses Tweet, der inzwischen aus unbekannten Gründen gelöscht wurde, ist ein am Montag veröffentlichter Beitrag von Adam D'Angelo, einem früheren Technikvorstand von Facebook. Er schrieb auf dem von ihm selbst gegründeten Frage-und-Antwort-Portal Quora vier Erkenntnisse, die er abgeblich aus "verlässlichen Quellen" zusammengesammelt hat:

  • Es handele sich nicht um ein Gerücht, sondern um ein echtes Projekt, an dem viele Menschen arbeiteten.
  • Google habe verstanden, dass ein erstklassiges und vollständiges soziales Netzwerk benötigt werde. Facebook sei das Vorbild.
  • Das Projekt, schreibt D'Angelo weiter, genieße oberste Priorität innerhalb von Google.
  • Google habe erwartet, dass sich Facebooks Wachstum irgendwann verlangsamt. Das Gegenteil ist aber der Fall, und deshalb hätten die Leute bei Google "jetzt wirklich Angst".

Warum ein Facebook-Klon Sinn ergibt

Der Suchmaschinengigant hat sich bisher nicht zu den Spekulationen um "Google Me" geäußert. Ein soziales Netzwerk, das sich stark am Marktführer Facebook orientiert, ergibt allerdings Sinn für Google. Denn die bisherigen Versuche, im sozialen Web Fuß zu fassen, sind gefloppt: Der Dienst Buzz, der Google Mail um eine Art Mischung aus Twitter-Kurznachrichten und Statusupdates nach Facebook-Manier erweitert, wurde von Kritikern wegen Datenschutzmängeln gerügt. Googles gehypte Kommunikationsplattform Wave hat bis heute kaum jemand so richtig verstanden. Und die Community Orkut, die Google seit 2004 betreibt, ist nur in Brasilien und Indien ein echter Erfolg, der Rest der Welt kennt sie kaum. Drei Flops, die zeigen, dass Firma aus Mountain View das Social Web bisher nicht im Griff hat.

Der anhaltende Erfolg von Facebook setzt Google unter Druck. Das größte soziale Netzwerk der Welt wird wahrscheinlich im Juli die Grenze von 500 Millionen Mitgliedern überschreiten und hat im vergangenen Jahr geschätzte 500 bis 800 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht. Das ist wenig im Vergleich zu den 24 Milliarden Dollar von Google. In anderen Bereichen hat Facebook Google aber bereits überflügelt, wie Michael Arrington vom bekannten IT-Blog "Techcrunch" vorrechnet: Facebook habe viel mehr Seitenabrufe als Google (250 Milliarden versus 165 Milliarden pro Monat). Und die Verweildauer auf Facebook sei mehr als doppelt so hoch als bei Google. Das sind Daten, die für Werbeerlöse relevant sind. Ein Thema, bei dem Google niemanden neben sich duldet.

Die Technik ist längst da

Die drei Flops - ein Kurznachrichtendienst, eine Kommunikationszentrale und eine Community - zeigen aber auch: Die nötige Technik für ein soziales Netzwerk ist längst da. Es würde nicht zu Google passen, wenn aus den bestehenden Komponenten nicht etwas Neues gebastelt würde. Etwas Neues, das vielleicht verblüffend an Facebook erinnert.

"Techcrunch"-Blogger Arrington kann der Vorstellung von "Google Me" einiges Positives abgewinnen: "Was Facebook dringend braucht, ist etwas Wettbewerb." Das gilt für Google allerdings auch.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools