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27. November 2007, 15:24 Uhr

Ebay-Spam am Auto

Werbung, ans Autofenster gepappt von halbseidenen Gebrauchtwagenhändlern - das kennt man inzwischen. Doch das aufdringliche Warndreieck, das gerade an Kfz-Scheiben herumklebt, entpuppt sich als Spam einer großen, bekannten Internetfirma. Von Dirk Liedtke

Schreck am Morgen: ein aufdringliches Warndreick: "Kein Geschenk an Bord?"© Dirk Liedtke

Unerwünschte Werbe-E-Mails oder betrügerische Phishing-Mails landen meistens automatisch im Spam-Ordner. Da gammelt der digitale Mist vor sich hin und löscht sich bestenfalls irgendwann automatisch. Der Internetriese Ebay hat jetzt einen Weg gefunden, Menschen auch in sicherer Entfernung von ihrem Computer mit unerwünschter Werbung zu nerven - nicht in der TV-Werbepause, an der Bushaltestelle oder mit einer Plakatwand. Da könnte man ja einfach wegschauen. Nein, es ist viel schlimmer. Ebay hat sich direkt am Allerheiligsten vieler Menschen vergangen - dem Auto!

Einmal umdrehen und feststellen... das Schild kommt von Ebay© Dirk Liedtke

An allen in meiner Straße geparkten Wagen prangte vor einigen Tagen ein dreieckiges rotes Warnschild. Von weitem habe ich mich erschreckt: Kündigt die Polizei ihre Knöllchen jetzt gehässigerweise mit einem Hinweis an? Hatte ich eine mobile Halteverbotszone übersehen, weil mal wieder jemand umzieht? War der Abschleppwagen schon längst unterwegs, um den Wagen in den Autoknast zu entführen? Mein Stress verwandelte sich sofort in Ärger, als ich näher kam und das Schild entziffern konnte: "Kein Geschenk an Bord?" stand dort. Ich drehte das mit einem Saugnapf befestigte Plastikdreieck um und erkannte ein typisches Werbemotiv von Ebay, wo sich ein blondes Mädchen offenbar ganz doll über einen gelben aufblasbaren Tintenfisch freut, der in Wahrheit ziemlich hässlich ist. "Schau mal auf Ebay!" stand daneben. Einen Teufel werde ich tun!

Spam auf dem PC lässt sich einfach löschen, die Ebay-Werbung wird häufig eher im Herbstlaub landen© Dirk Liedtke

26 Cent plus MwSt

Stattdessen schaute ich auf der kleingedruckten Adresse des Herstellers dieser Werbekarte nach. Und das war viel interessanter: So erfuhr ich, dass Ebay sich jede der Plastikdreiecke mindestens 26 Cent plus Mehrwertsteuer hat kosten lassen. Die Firma Supercards mit dem verwirrenden Werbespruch "Das einzige Werbemedium mit 100% Saugkraft" sieht sich im Recht: "Auf öffentlich-rechtlichem Raum ist keine Genehmigung vonnöten." Das leuchtet ein: Ich kann ja auch keine Politesse wegen Sachbeschädigung verklagen, wenn sie mir einen Strafzettel unter den Scheibenwischer klemmt.

Besonders wetterfest sind die Plastikwimpel übrigens nicht. An manchen, offenbar unbewegten Autos wellten sie sich nach einigen Regentagen unschön an dem standhaften Saugnapf. Viele Autofahrer haben den Werbemüll offenbar einfach auf die Straße gepfeffert. Das sorgt zumindest für einige bunte Farbtupfer in den muffigen, glitschigen Laubhaufen, die sich Ende November überall angesammelt haben. Eine Sprecherin des Unternehmens verwies am Telefon folglich auch auf die Straßenreinigung, die natürlich auch weggeworfene Supercards aufsammle. Eigentlich wollte sie mir auch etwas über die Ökobilanz der Supercards verraten, meldete sich dann vor Schreck aber nicht mehr. In die umweltbewegte Zeit passt es so oder so nicht, Werbemittel aus Plastik und "cellophaniertem" Papier wehrlosen Autofahrern aufzudrängen, die womöglich noch ein schlechtes Gewissen plagt, weil sie den unerwünschten Reklamemüll in Eile auf der Straße entsorgen.

Opfer dieser aufdringlichen Art von Werbung wurden laut Ebay auch Autofahrer in "Shoppinggegenden" von Köln, München und Berlin. Und die Kundenliste von Supercards ist erschreckend lang. Vielleicht sollte ich auf mein Auto den gleichen Aufkleber pappen wie auf meinem Briefkasten: "Stopp! Keine Werbung!"

Von Dirk Liedtke
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Steinkuchen (28.11.2007, 19:05 Uhr)
Wenn ich ein ...........
Werbeplakat irgendwo öffentlich aufhängen will brauche ich auch eine Genehmigung und muss die Fläche Mieten. Also warum soll Ebay das nicht müssen? Ich würde einfach mal dreist denen eine Rechnung schicken wenn ich so eine dämliche Werbung am meinem Auto finden würde. Frechheit siegt. ;)
Frabi (28.11.2007, 10:26 Uhr)
Bei Ebay beschweren ...
es sollte sich einfach jeder bei Ebay beschweren damit die sehen, das solche Art von Werbung das Gegenteil vom gewünschten Effekt hat.
Eine 2. Möglichkeit ist das Einsenden des Flyers an Ebay. Kostet zwar etwas aber die Postabteilung wird ganz schön stöhnen.
atride (28.11.2007, 09:53 Uhr)
@Pixelschubser
theoretisch hast du recht, klar! (auch wenn es dem dem gerade abstürzenden kommerz-monster ebay, das es mit der abzocke und penetranz einfach klar überrissen hat, nichts mehr nützen wird). aber im großen stil werbeaufkleber aufs auto zu kleben, ist m.e. eine grenzübertretung, die es evtl. zu untersagen gilt. deshalb ist hier Öffentlichkeit vielleicht gar nicht so schlecht. dass ebay seit fett wegkriegt, bezweifele ich wirklich nicht - kennst du jemanden, der ebay noch gut findet? also ich nicht!
Pixelschubser (28.11.2007, 09:24 Uhr)
@ RomanTicker
Hallo RomanTicker,
ich fürchte, Dir ist nicht so ganz klar, wie die Werbemaschinerie wirklich funktioniert. Hier also die Aufklärung:
EBAY wird sicher nicht glauben, dass nur aufgrund dieses Kärtchens jemand hin geht, und sein Weihnachtsgeschenk bei EBAY kauft. Das ist aber auch nicht wirklich nötig.
Aber: EBAY ist mal wieder im Gespräch. Auch negative Publicity wie diese ist nun mal Publicity. Der begriff EBAY ist wieder in den Köpfen der Menschen, und da bleibt er auch wieder für eine gewisse Zeit. Das bedeutet mittelfristig dann doch wieder einen verstärkten Run auf das Portal, und somit ist der Zweck erfüllt.
Schau Dir mal andere Werbeformen an, wie zum Beispiel die neue Kampagne von Mediamarkt mit Olli Dittrich. Meinst Du allen Ernstes, Mediamarkt sei besonders stolz auf die Qualität dieser Kampagne? Identifizieren die sich damit oder glauben die, die Kunden würden sich damit identifizieren? Nein, sicher nicht! Aber das läuft eben wie auf dem Wochenmarkt mit den Marktschreiern: Wer am lautesten brüllt, wird eher gehört und dann gesehen. Und damit ist das wichtigste Ziel erreicht, nämlich Aufmerksamkeit.
Und diese Aufmerksamkeit hat EBAY jetzt auch. Alle, die sich hier lautstark über diese Kampagne aufregen, sind genau auf den aufgeschmierten Honig getappt, denn bei denen ist die Aufmerksamkeit erregt. Hätte der STERN diesen Artikel nicht hier rein gesetzt, würde sich kein Mensch dafür interessieren, denn 98% aller Autofahrer werden nie so ein dusseliges Saugnapfschildchen an der Scheibe haben.
Also: was soll die Aufregung?
R1k3r (28.11.2007, 09:17 Uhr)
@michianso
Na, wenn du im Leben nichts wichtigeres zu tun hast... :-)
michianso (28.11.2007, 09:01 Uhr)
Hilft nix
Ein Anti-Werbung-Aufkleber am Auto? So weit kommt's noch. Und falls doch, das hilft sowieso nichts. Mein Briefkasten wird trotz mehr als deutlich lesbaren Werbeverbot mit Zeitungen und Werbungen vollgestopft. Da hilft nur eins: Werbung einpacken und per Post auf Empfängerkosten zurückschicken.
Samson40 (28.11.2007, 08:59 Uhr)
Sollte ich...
jemanden dabei erwischen der mir so ein Ding ans Auto pappt, so kann er sich sofort über einen Satz heisse Ohren freuen! Das gilt auch für die Typen mit den "Ich möchte ihr Auto kaufen" Kärtchen. Leider hatte ich noch nicht das Glück einen in flagranti zu erwischen...
RomanTicker (28.11.2007, 08:29 Uhr)
Das geht zu weit
Diese Werbemaßnahme geht entschieden zu weit. Ich kann Firmen nicht verstehen, die ihre Werbung an Autoscheiben anbringen lassen. Die Autofahrer reagieren darauf sowieso nur genervt. Von einer positiven Wirkung dieser Aktionen kann man also nicht ausgehen.
hanvas (28.11.2007, 06:38 Uhr)
@salz63
Ich mag diese Art der Werbung auch nicht. Aber die Öffentlichkeit bezahlt für die Reinigung nicht. Im Allgemeinen werden solche Aktionen genehmigt, und mit der Genehmigung werden auch gleich Gebühren für die Reinigung kassiert. Was dennoch bleibt ist die Tatsache das so viel Müll aus Verbund.- und Plastikstoffen alles andere als Umweltfreundlich ist.
DasBertl (28.11.2007, 02:25 Uhr)
Korrektur
es muss natürlich heissen: "nach 'berauschend' muss..." (Jaja, das Glashaus^^)
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