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15. Mai 2009, 15:14 Uhr

Eine Lektion in Abhängigkeit

Der einstündige Ausfall von Google hat den Betroffenen gezeigt: Der Einfluss des Suchmaschinenriesen reicht weit in unseren Alltag hinein. Wir sind abhängiger von Google, als uns bewusst ist. Was lernen wir daraus? Ein Kommentar von Dirk Liedtke

Google, Problem, Ausfall

Google - niedlich und sehr mächtig© Christof Kerkmann/DPA

Es war wie eine Szene aus einem James-Bond-Film, wo in einem Lagezentrum mit einer riesigen Weltkarte die Alarmmeldungen eintrudeln: "Ich lebe in Costa Rica und seit zehn Minuten ist mein G-Mail-Postfach tot". Ein Chinese schrieb: " An meinem Ende ist alles tot", während ein Schüler aus Köln offenbarte: "Ich muss dringend viel Physik lernen. IM, Browser, Tweetie und Google Reader aus." Und ein Amerikaner twitterte, er käme nicht auf die Website seiner Bank, weil die den Google-Dienst Analytics nutzt und der anscheinend auch hakte.

Für Millionen von Internet-Nutzern schien die digitale Welt still zu stehen, als Google am Donnerstag für eine Stunde ausfiel. Und der Microblogging-Dienst Twitter erwies sich mal wieder als Echtzeit-Stammtisch, als schwarzes Brett, als Meinungs-Seismograf der weltweit verstreuten Netzgemeinde:

  • "Wir werden ja die Finanzkrise überstehen, irgendwie. Aber wenn Google einmal ausfällt, gibt's beinahe Massenpanik!"
  • "Was passiert, wenn die Seite mal wirklich ausfallen sollte? Apokalypse des 21. ten Jahrhunderts"
  • "Nobobdy´s perfect",
  • "Google ist auch nur ein Mann"
  • "Der Google-Gral schimmert weiter".

Aber was lernen wir aus einer solchen Panne? Wir brauchen Google wie das Wasser aus der Leitung, den Strom aus der Steckdose, das Gas für die Heizung. Ohne den Riesen aus Mountain View scheint die DSL-Leitung plötzlich wie eine Autobahn ohne Autos. Google gehört zur digitalen Grundversorgung. Die Firma liefert uns mit ihren Suchergebnissen den Rohstoff, mit dem wir unsere Hausaufgaben und Präsentationen schreiben und unseren Alltag organisieren.

Wir sind Google-Groupies

Mit unseren Milliarden von Mausklicks haben wir Google ein Quasi-Monopol beschert. Google macht Milliarden, forscht und entwickelt damit und wird immer besser. Keiner kann Seiten im Netz so gut finden. Und daran dürfte sich für Jahre auch nichts ändern. Ein Google-Killer ist nicht in Sicht.

Wir sitzen also in der Grube, die wir uns als Nutzer selbst gebuddelt haben. Ohne Google geht's nicht. Und wer seine E-Mails in der Google-Datenwolke lagert, seinen Blog, seine Fotos und Dokumente, dürfte spätestens bei der nächsten Panne ins Grübeln kommen, ob ein Plan B, ein Back-up nicht ratsam wäre.

Wenn Google erst einmal alle Bücher digitalisiert hat, wenn auch Microsoft den Versuch aufgegeben hat, die x-te Konkurrenz-Suchmaschine zu starten, wenn immer mehr Auto-Navis Karten und Satellitenbilder von Google abrufen, Android-Handys millionenfach verkauft sind, und wenn noch mehr Menschen ihre Mails in den riesigen Datenzentren von Google kostenlos speichern - dann werden wir merken, wie abhängig wir von Google sind. Und dass Konkurrenz das Geschäft belebt.

Es liegt also an uns, ob wir uns weiter in Richtung eines Monopols googeln oder verstärkt nach Alternativen suchen: Suchmaschinen, Foto-Communitys, Mail- und Kartendienste. Das Dilemma liegt dabei auf der Hand: Auch auf der Suche nach Alternativen zu Google fällt uns nichts Besseres ein, als danach zu googeln.

Ein Kommentar von Dirk Liedtke
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
STR_EDDS (17.05.2009, 14:25 Uhr)
@confused
Ich denke es geht weniger um eine Alternative zu google als Suchmaschine. Jedoch: selbst altavista, yahoow, etc. greifen mit auf den Pool von google zu. Fast jede 2. geschäftliche Website nutzt google-Analytics. Und wenn denn google still steht, eiern die Scripe im Kreis und nichts wird geladen. Der durchschnittliche Anwender schaut dann dumm aus der Wäsche. Die google-Panne wirkte sich bis hin zu myspace und StudiVZ aus. Viele der dort eingesetzten Gadgets sind eben mit Analytics gekoppelt. Würde google sinnvoller weise die Scripte mit einem time-out exit versehen, wäre freilich der Ärger weit weniger groß gewesen.
dippegucker (16.05.2009, 09:19 Uhr)
Nicht so viel...
...science fiction Filme reinziehen. Dann bleibt die Weltsicht etwas realistischer. Allerdings: Wer weiß wie Stern-Redakteure gestrickt sind ? Die erleben vielleicht einen Google-Ausfall als Trauma.
Hinnak (16.05.2009, 09:15 Uhr)
@confused
Nur die wenigsten User haben Ihren bewundernswerten Durchblick, Ihre einzigartigen IT-Fähigkeiten. Für die breite Nutzerschaft ist Google DAS Portal ins Netz. Das ist eine in Zahlen belegbare Tatsche. Es geht soweit, dass einige keine URL in die Adresszeile des Browsers eintippen können, sondern das bei Google tun! Und für dieses Millionenheer ist ein Google-Ausfall nunmal eine IT-Katastrophe. Und genau darauf geht der Autor in seinem Kommentar völlig zu Recht ein. Sie haben den Durchblick, Liedtke den Überblick.
vita (15.05.2009, 19:01 Uhr)
Google ist doch keine Macht
es gibt so viele andere Suchmaschinen und Dienste, die man nutzen kann, die aber scheinbar (auch und vor allem durch die anderen Medien) in Vergessenheit rutschen. Diese nicht zu nutzen ist vielleicht bequem und uninformiert. Sobald Google aber vom Netz wäre, würden die anderen diesen Dienst auffangen und die meisten Funktionen problemlos übernehmen können.
Es liegt an uns den Nutzern des Netzes andere Quellen zu stärken durch unsere Nachfrage.
Der Artikel ist wohl eher ein Tribut an die Masse, die wenig kennt und nichts hinterfragt.
riothamus (15.05.2009, 18:57 Uhr)
Die Telecom hatte auch einen Ausfall
Was ist eigentlich schlecht an Google ? Warum sollte man die Dienste nicht nutzen ?
Ich bitte um Erklärung
Joe2 (15.05.2009, 16:46 Uhr)
wer sich von google abhängig macht ist selbst schuld
... suchmaschinen gibt es auch genug andere. und wer online-banking betreibt ist selbst schuld.
terrax (15.05.2009, 16:44 Uhr)
So ein Blödsinn
Es gibt auch noch genügend andere Suchmaschinen! Und die Leute welche alle Dienste u.a. auch Mail über Google nutzen, haben selber Schuld. Es gibt genügend andere Mailanbieter. Außerdem sollten sie mal darüber nachdenken, weshalb Google den Usern ein kostenloses Postfach zur Verfügung stellt....
confused (15.05.2009, 16:38 Uhr)
Lieber Hr. Dirk Liedtke
Jetzt bin ich ehrlich gesagt ein bisschen Enttäuscht, ja eigentlich sogar sehr. Das "Horrorscenario was sie beschreiben: Ausfall von E-Mails,Digitalen Fotobüchern,Datenspeicherung etc.... Nutzen sie all die Dienste das sie sich so gut auskennen was Google anbietet ? Ich dachte immer die Schreibende Zunft nutzt Mac und hat ein gewisses Verständnis von der Materie.? Ich bin "nur" ein einfacher User, jedoch mein E-Mail Domain nutze ich nicht über Google,meine Fotosammlung die ich öffentlich zeige, liegt bei "meinem" Provider wo auch mein Webspace liegt. Meine Daten gehen via FTP auf die Reise, meine Videos liegen auf meinem Webserver. Sprich Google nutze ich für eines höchstens - als Suchmaschine. Und alle die das nicht tun sind eben leider nur Super DAU´s. D ümmste A nzunehmende U ser.
Die Welt ist nicht Google... wie loisl schon meinte WAR WAS ?
Der-nette-Nachbar (15.05.2009, 16:34 Uhr)
Google-Killer
Google-Killer gibts schon einen ..
http://www.mariosagt.de/blog/2009/05/startrek-trifft-realitat-wolframalpha-das-video-google-veraltet/
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Allerdings ist der erst ganz frisch am Start und Google als automatischer Webkatalog damit ja auch noch nicht ganz abgeschrieben.
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Wer denkt, Google down? Egal! Geh ich bei Yahoo & Co suchen, hat zwar Recht. Es gibt noch Alternativen.
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Aber wenn wie von Hr. Liedtke erwähnt die Bankseiten sich nicht öffnen weil die auf die Antwort vom Google-Analytics Server warten .. DAS ist dann wirklich doof..
loisl (15.05.2009, 16:11 Uhr)
War was?
Google hatte einen Ausfall? Echt jetzt? Muss an mir vorbeigegangen sein.
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