Mauer des Schweigens in China

18. Januar 2010, 14:29 Uhr

Googles Drohung, sich aus der Volksrepublik zurückzuziehen, lässt die meisten Bewohner des Landes kalt. Das Reich der Mitte hat sich längst sein eigenes riesiges Intranet geschaffen. Von Christiane Kühl, Shanghai

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China, Google, Facebook, Myspace, Baidu

Wie lange wird Google sein Business in China noch betreiben©

Es war eine Drohung an den Machthaber. Doch getroffen hat sie erst einmal Chinas Internetnutzer, zumindest einige, Leute wie Connie Fan, eine Finanzanalystin, die lange nach Worten suchen muss, um zu beschreiben, was es für sie bedeutete, sollte sich Google wirklich aus China zurückziehen. "Wenn Google weg ist", sagt sie, "dann ist das so, als würde ich einen Arm verlieren."

Sicher, sie übertreibt, aber was sie sagen will: Für sie ist Google.cn ein wichtiger Teil des Lebens, und wie ihr geht es vielen Studenten, Wissenschaftlern und Wirtschaftstreibenden. Und doch ist die Zahl der, die in Sorge sind, kleiner, als viele im Westen denken. Was hier die Menschen bewegt, ist in China nur Randthema. Denn nur knapp ein Drittel der chinesischen Internetsurfer nutzen Google überhaupt. Die Masse der Menschen nutzt lieber Baidu.

Der Westen hat wenig zu melden

Die chinesische Suchmaschine ist der wichtigste Teil eines riesigen Intranets, das sich China geschaffen hat. Die großen westlichen Namen haben wenig zu melden im zweitgrößten Internetmarkt nach den USA. Yahoo und Ebay haben sich zurückgezogen. Myspace dümpelt vor sich hin. Facebook, Twitter und Youtube sind gesperrt. Doch es sind nicht allein die Zensoren, die diese Kapitulation bewirkt haben. Sie hat auch kulturelle und sprachliche Gründe. Und so scheinen sich erstaunlich viele Chinesen in ihrem Intranet wohlzufühlen.

Die Suchmaschine Baidu ist dafür zum Sinnbild geworden. Obwohl Google in den vergangenen Jahren viel Geld in das Chinageschäft gesteckt hat und obwohl Google in der vorgeschriebenen Selbstzensur ein Drittel weniger Begriffe streicht als Baidu, so beherrscht doch die chinesische Suchmaschine den Markt, führt weit mehr als die Hälfte der Suchaufträge der 360 Millionen Nutzer in China aus. Diesen Erfolg hat sie auch, weil sie die Nutzer besser kennt und sich auf ihre Bedürfnisse einstellt. Längst nicht jeder Chinese spricht gut genug Englisch, um fremdsprachige Seiten zu besuchen. Dazu kommt, dass Google sich schwertut, sein Angebot an die chinesische Schriftzeichensprache anzupassen.

Und so nutzen selbst gebildete Surfer Google oft nur ergänzend, vor allem wenn sie auf der Suche nach internationalen Informationen sind, die Baidu nicht im gleichen Maß anbietet. "Bei Google.cn gebe ich bei Suchanfragen immer Mischungen aus Chinesisch und Englisch ein", sagt etwa die 28-jährige Surferin Chen Linyang. Mit reinem Chinesisch bekomme man bei Baidu einfach mehr und detailliertere Treffer.

Der Rückzug Googles würde Baidu zum Monopolisten machen. Und wäre die Krönung für ihren Gründer, Robin Li. Der Arbeitersohn aus der Provinz Shanxi hatte seine ersten Versuche mit Suchmaschinen in den USA gemacht, bei einer Dow-Jones-Tochter im Silicon Valley. Als China sich zu vernetzen begann, ging er zurück in seine Heimat, ausgestattet mit 1,2 Mio. US-Dollar von amerikanischen Wagniskapitalgebern.

2003, drei Jahre nach der Gründung, war Baidu Chinas führende Suchmaschine. Und zwei Jahre später legte Baidu an der Nasdaq das beste Börsendebüt der Dekade hin: Der Kurs stieg am ersten Tag auf das Vierfache des Ausgabepreises. Heute hat Baidu 7000 Angestellte und eine Marktkapitalisierung von 13 Mrd. US-Dollar. Robin Li ist laut der Liste des US-Magazins "Forbes" der siebtreichste Chinese.

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