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Google ist langweilig geworden - und das ist gut so

Google hat seine Entwicklerkonferenz I/O offiziell eröffnet - und wie im letzten Jahr auf eine große Show verzichtet. Das Brimborium hat der Konzern auch gar nicht mehr nötig: Im Internet kommt man an ihm nicht vorbei, und Google hat noch einen Mega-Trumpf in der Hinterhand.

Google-Chef Sundar Pichai bei der ersten Keynote der Entwicklerkonferenz Google I/O.

Google-Chef Sundar Pichai bei der ersten Keynote der Entwicklerkonferenz Google I/O.

Was war das für ein Auftritt! Eben noch präsentierte Vic Gundotra auf der Entwicklerkonferenz I/O 2012 ein paar dröge Features für das soziale Netzwerk +, als plötzlich Google-Gründer Sergey Brin höchstpersönlich auf die Bühne stürmte. "Wir haben etwas wirklich Magisches für euch", unterbrach er die Show - und dann startete die wohl spektakulärste Produkt-Demo aller Zeiten.

Über dem Veranstaltungscenter schwebte in 1300 Meter Höhe ein Zeppelin, aus dem sich ein paar Fallschirmspringer stürzten. Sie alle trugen die neue Datenbrille , ihr Sturzflug wurde live in die Keynote übertragen. Auf dem Dach angekommen seilten sich zwei Mitarbeiter in bester "Mission Impossible"-Manier an der Wand ab, nur um sich dann auf ein Mountainbike zu schwingen und direkt auf die Bühne zu brettern. Der Saal tobte!

Alles eine Nummer kleiner

Gegen dieses Spektakel wirkte die Eröffnungs-Keynote der diesjährigen I/O wie ein Aktionärstreffen, nur eben in einem hippen Amphittheater. Statt spektakulärer "Moonshots", wie der Konzern seine irrwitzigen Projekte nennt, waren vor allem Weiterentwicklungen bereits bestehender Dienste zu sehen. Fotos agiert etwas schlauer, Android wird sicherer, den Assistant gibt es nun auch fürs iPhone und der Sprachlautsprecher Home hat ein paar Tricks mehr auf Lager. Das alles sind willkommene Features, über die sich Milliarden Nutzer freuen werden. Zugespitzt kann man aber sagen: Google ist langweilig geworden. Und das ist gut so.

Denn blickt man auf die letzten Jahre zurück, wird deutlich: Der Großteil der ambitionierten Projekte waren Flops, teilweise erlangten sie nie die Marktreife. Trotz der furiosen Einführung konnte Google Glass im Massenmarkt nicht zünden, Project Ara - das wohl spektakulärste Smartphone der letzten Jahre - scheiterte krachend und über das Betriebssystem Brillo (quasi ein Android fürs Internet der Dinge) redet kein Mensch mehr.

Einzig mit Project Tango (ein Smartphone, das seine Umgebung in 3D abtastet) wehte an diesem Mittwoch ein Hauch Zukunft durch das Shoreline Amphittheater.

Künstliche Intelligenz ist Googles Trumpf

Umso begrüßenswerter ist daher die Entscheidung, dass Google sich auf seine wichtigsten Services fokussiert. Denn was nützt es den Milliarden Nutzern da draußen, einen Blick auf eine Technik zu erhaschen, die vielleicht in fünf Jahren fertig ist, wenn es stattdessen ganz reale Probleme gibt, um die sich die Konzerne kümmern sollten? Eben.

Mit seinem enormen Know-how im Bereich der (KI) hat Google zudem einen mächtigen Trumpf in der Hand. Durch die enormen Datenmengen, die der Konzern jeden Tag sammelt, versteht die Software den Nutzer jeden Tag ein Stück besser.

Und sie lernt dazu: Schon jetzt ist Google in der Lage, Objekte auf Fotos genauer zu erkennen als ein Mensch. Mit der neuen Technik Google Lens muss man etwa die Smartphone-Kamera nur noch auf eine Blume halten, die Bilderkennung verrät einem dann, ob es sich um eine Primel oder eine Tulpe handelt. Fremdsprachige Hinweise kann das Programm in Echtzeit übersetzen - und beim Blick auf ein Konzertplakat gleich die passenden Songs laden.

Weniger Show, mehr Seriösität

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird den Alltag massiv umkrempeln. Smarte Assistenten wie Siri, Alexa oder Googles Assistant werden salonfähig, bald stecken sie nicht nur im Smartphone, sondern auch im Kühlschrank oder Kinderwagen. Und mit der neuen Initiative Android Go, einer Light-Version des Betriebssystems, zielt der Konzern auf die nächste Milliarde Nutzer in Entwicklungsländern.

Insofern tut Google das Understatement bei der Show und Wortwahl gut. Der Konzern ist gerade dabei, tiefer in unseren Alltag vorzudringen als je zuvor. Das schürt auch neue Bedenken in puncto Privatsphäre. "Du möchtest keine aufregende Firma, die deine persönlichen Daten verwaltet", schreibt der renommierte "The Verge"-Autor Vlad Savov, "genauso wenig wie du einen Buchhalter willst, der stets auf der Suche nach dem nächsten Nervenkitzel ist oder einen Adrenalinjunkie als Arzt." 

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