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6. Februar 2009, 11:19 Uhr

Sicherheitsexperten kritisieren Ortungsdienst

Google Handydienst Latitude, der den Aufenthaltsort von Freunden auf einer Karte anzeigt, steht in der Kritik: Experten warnen, dass die dabei anfallenden Daten missbraucht werden könnten. Außerdem gebe auf einigen Handys eine Sicherheitslücke.

Latitude zeigt den Aufenthaltsort von Freunden auf dem Handy an© Google

Der neue Ortungsdienst Latitude des für seine Datensammel-Leidenschaft bekannten Suchmaschinen-Primus' Google ruft unter Experten ernsthafte Datenschutz-Bedenken auf den Plan. Noch würden die mit Latitude erfassten persönlichen Daten der Nutzer lediglich auf die Server von Google gelangen, schreibt das Magazin "PC World" in seiner Online- Ausgabe. Doch niemand könne ausschließen, dass nicht eines Tages eine staatliche Stelle oder Behörde die Herausgabe der Daten fordert.

Der Internet-Konzern Google hat einen Ortungsdienst gestartet, mit dem man den aktuellen Aufenthaltsort zum Beispiel von Freunden oder Verwandten sehen kann. Der Standort wird dabei auf einer Google-Karte auf Handy oder Computer angezeigt.

Beispiele aus der Vergangenheit

Das Magazin erinnert für diesen Fall gleich an zwei Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Erst vor wenigen Jahren hatten US-Behörden von Suchmaschinen-Betreibern wie Google, MSN und Yahoo! die Herausgabe aller Such-Begriffe gefordert, um effektiver gegen Kinderpornografie im Netz vorzugehen. Und vor rund zweieinhalb Jahren hatte AOL rund 20 Millionen Suchanfragen seiner Kunden versehentlich im Netz veröffentlicht. Die Datenpanne hatte dem Internet-Provider eine Sammelklage von Kunden eingebracht, die ihre Privatsphäre verletzt sahen. Nach ihrer Argumentation hatte eine Kombination der Datensätze diverse Rückschlüsse auf die Nutzer zugelassen.

Bei dem neuen Service kann der Nutzer genau bestimmen, wen er über seinen Aufenthaltsort informieren will. Der eigene Standort lässt sich auch vor bestimmten Nutzern verbergen oder vollständig unkenntlich machen lassen. Google sei es sehr darum gegangen, dass der Kunde jederzeit die "vollkommene Kontrolle" darüber besitzt, wer welche Informationen erhält, hieß es.

Probleme mit einzelnen Handytypen

Die britische Datenschutzorganisation Privacy International hat laut eigenen Angaben schon eine Sicherheitslücke in Latitude ausfindig gemacht. Nicht alle Telefone, auf denen das Angebot läuft, könnten ihre Nutzer regelmäßig darüber benachrichtigen, ob der Dienst auf ihnen aktiviert ist oder nicht. Um zu verhindern, dass eine unbefugte Person Zugang zu einem Mobiltelefon erlangt und auf diesem Latitude ohne Wissen des Nutzers aktiviert, schickt Google in regelmäßigem Abstand Nachrichten an die registrierten User. Diese Meldungen teilen, erinnern daran dass Latitude auf dem Mobiltelefon eingeschaltet ist. Das allerdings funktioniere, schreibt Google in seiner Latitude-FAQ selbst, nicht auf jedem Mobiltelefontyp.

Mehrere ähnliche Angebote anderer Unternehmen sind bereits am Markt, Google kann jedoch seine Dienste-Vielfalt ausspielen: Zum Beispiel kann man mit den Freunden ohne Umwege Kontakt über E-Mail oder Messenger aufnehmen. Die Standorte werden mit Hilfe des Satelliten-Systems GPS sowie der Entfernung zu Mobilfunk-Masten ermittelt.

Lokalisierte Dienste gelten in der Internet- und Mobilfunk-Branche als ein wichtiges zukünftiges Geschäftsmodell. Es geht dabei zum Beispiel um Werbung für Angebote in der Nähe des aktuellen Standorts eines Handy-Nutzers. Google könnte die Verbreitung solcher Dienste hohe zusätzliche Werbeerlöse bringen. Latitude läuft zunächst nur auf BlackBerry-Handys, Geräten mit Microsofts Windows Mobile und Nokias Betriebssystem Symbian S60. Versionen für Apples iPhone und das von Google initiierte Betriebssystem Android sollen in Kürze folgen.

 
 
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