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So gut sind Deutschlands DSL-Anbieter

Fast alle DSL-Anbieter werben mit High-Speed-Internet. Doch stimmt das auch? Die Zeitschrift "Connect" hat 1,6 Millionen Messungen ausgewertet. Besonders schlecht schneidet ein populärer Anbieter ab.

Von Christoph Fröhlich

  1,6 Millionen Messungen: Die Fachzeitschrift "Connect" hat deutsche DSL-Anbieter genauer unter die Lupe genommen.

1,6 Millionen Messungen: Die Fachzeitschrift "Connect" hat deutsche DSL-Anbieter genauer unter die Lupe genommen.

Sie werben mit "Highspeed-Surfen" und "Turbogeschwindigkeiten": DSL-Anbieter versprechen in der Werbung Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s. Doch in der Realität kommt am Ende der Datenleitung manchmal nur die Hälfte an. Das ist besonders bitter, wenn Telefon und Internet über eine gemeinsame Leitung laufen, einen sogenannten NGN-Anschluss (Next-Generation-Network). Er kombiniert schnellen Datenverkehr mit VoIP-Telefonie (Voice over IP). Die Technik gilt als Zukunft der Festnetzanschlüsse, weil herkömmliche ISDN- und Analogtelefonieleitungen im Vergleich zu IP-Anschlüssen wesentlich teurer sind.

Doch wie schneiden die modernen DSL-Leitungen im Vergleich zu den konventionellen ISDN-Pendants ab? Die Zeitschrift "Connect" hat 1,6 Millionen Messungen in 26 Standorten - darunter Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart oder Berlin - bei den größten Internetanbietern in Deutschland untersucht. Der Testzeitraum war vom 27. Mai bis zum 23. Juni 2013. Das Ergebnis: Nicht alle Anbieter liefern, was sie versprechen.

Telekom verteidigt Spitzenplatz

Den Spitzenplatz erreicht die Deutsche Telekom: Die getesteten DSL-Anschlüsse überzeugen mit hoher und stabiler Rundum-Performance, egal ob Sprach- oder Datenverkehr. Die durchschnittliche Rufaufbauzeit für VoIP-Verbindungen beträgt 2,15 Sekunden und ist damit sogar schneller als das ISDN-Referenznetz (2,77 Sekunden). Telefoniert man allerdings ins Netz eines Mitbewerbers, sinkt nicht nur der Wert spürbar auf 4,11 Sekunden, auch die Gesprächsabbruchrate steigt leicht. Die Datenraten und Ping-Zeiten (7,5 Millisekunden), die vor allem für Gamer sehr wichtig sind, liegen im grünen Bereich. Insgesamt liegt die Telekom laut "Connect" auf Top-Niveau. Mit 450 Punkten von 500 möglichen Punkten erreicht die Telekom ein "Sehr gut".

Dicht auf den Fersen ist der Kölner Kabelanbieter Unitymedia. Das Netz überzeugt mit "hoher und zuverlässiger Leistung", schreibt "Connect". In der Gesamtwertung erreicht das in Nordrhein-Westfalen und Hessen angebotene Netz 448 von 500 Punkten und damit den zweiten Platz. Sehr gute Werte hat Unitymedia bei den VoIP-Sprachverbindungen und Downloads, wobei die Werte bei paralleler Datenlast während der Telefonate etwas einbrechen. Auch die Upload-Geschwindigkeit ist auf Top-Niveau. Auf Platz drei landet Vodafone, die mit guten Ergebnissen bei Sprach- und Datenübertragungen punkten. Allerdings könnten die Ping-Zeiten (25 Millisekunden) besser sein.

1&1 - "Gut" und günstig

Im Mittelfeld landen 1&1, Kabel BW und O2. Der Billig-Anbieter 1&1 aus Montabaur erzielte gute Ergebnisse bei der Telefonie, bei den Datenleistungen schneidet er aber schlechter ab als die Konkurrenz. Der Ping beträgt mehr als 25 Millisekunden, auch bei den sonstigen Reaktionszeiten landet 1&1 auf den letzten Plätzen. 11,8 Prozent der Testverbindungen erzielen Datenraten, die weniger als Dreiviertel der zugesicherten Bandbreite liefern. Bei gleichzeitigem Upload steigt der Anteil sogar auf 14,6 Prozent.

Verbessert hat sich O2: Erreichte das Münchner Unternehmen im Festnetztest des vergangenen Jahres nur ein "Ausreichend", hat sich die Netzqualität seitdem deutlich gesteigert. In der Gesamtplatzierung kann sich O2 zwar nur um einen Platz auf Rang sechs verbessern, doch die erreichte Punktzahl steigt von 316 auf 376 mögliche Punkte und reicht somit für ein "Gut". Vor allem bei der Telefonie spielt O2 nun in der erste Liga mit: Rufaufbauzeiten und Sprachverständlichkeit sind auf Top-Niveau, allerdings beeinträchtigen gleichzeitige Up- und Downloads die Verbindung. Gelegentlich kam es im Testzeitraum zu Ausfällen, außerdem gab es Problemen mit einigen Routern. Im kommenden Jahr will O2 die Geräte aber gegen leistungsstärkere Hardware austauschen, schreibt "Connect".

Netzüberlastung bei Kabel Deutschland

Auf dem letzten Platz landet Kabel Deutschland. Das Unternehmen betreibt Breitbandnetze in allen Bundesländern außer in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen und hat insgesamt 8,5 Millionen Kunden. Doch im "Connect"-Test zeigt sich: In 28 Prozent der Testverbindungen sinkt die tatsächliche Geschwindigkeit auf unter Dreiviertel der vom Anbieter versprochenen Datenrate. Bei gleichzeitigem Upload passiert das sogar in 95 Prozent der Fälle - ein klares Indiz für Netzüberlastung. Besonders häufig passiert das in den frühen Abendstunden, wenn viele User im Netz surfen. Bessere Ergebnisse erzielt Kabel Deutschland bei Telefonieverbindungen, wo der Anbieter mit einer guten Sprachqualität punktet. Gesamtergebnis: 374 von 500 Punkten ("befriedigend").

Den vollständigen Test finden Sie in der aktuellen "Connect"-Ausgabe 8/2013.

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