Auf Kaperfahrt im Internet

7. Juni 2011, 19:31 Uhr

Das Internet ist nicht mehr sicher. Nach Sony traf es mit Nintendo, Acer oder Eidos auch weitere Größen der Elektronikbranche. Hinter den Angriffen stecken immer häufiger organisierte Banden, die mit virtuellen Daten echtes Geld machen. Das Geschäft boomt wie nie zuvor. Von Christoph Fröhlich

Hacker, Sony, FBI, Anonymous, LulzSec, Hackergruppe, Nintendo, Google, Sergey Glazunov

Gemeinsam sind sie stark: Immer mehr Hacker schließen sich in Gruppen zusammen

Unauffällig scannen sie ihr Opfer, manchmal sogar wochenlang. Haben die Hacker ihr Ziel unbemerkt infiltriert, beginnt der Angriff. Dann geht alles Schlag auf Schlag: Einbruch, Datendiebstahl und Flucht durch das Hintertürchen, aus dem sie gekommen sind. Per Mausklick entern die Datenpiraten fremde Netzwerke und stehlen Daten, Passwörter oder E-Mails. Einige Angriffe dauern nur wenige Minuten, andere ziehen sich über mehrere Stunden. Längst ist das Hacking professionalisiert, aus pfiffigen Netzwerkspezialisten sind kriminelle Banden geworden. Die sportlichen Ideale der Anfangszeit mussten häufig der Gier nach Profit weichen.

Hacker, Sony, FBI, Anonymous, LulzSec, Hackergruppe, Nintendo, Google, Sergey Glazunov

Sie verdienen Geld mit fremden Daten©

Aus Bits und Bytes werden Cents und Dollar

Rund um die Hacker und Cracker aus den Anfangstagen hat sich ein Millionengeschäft mit fremden Daten aufgebaut. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Viren, Würmer und Trojaner durch das Netz geistern, auf der ewigen Suche nach neuen Daten. Neben Windows wird auch immer häufiger Apples Betriebssystem OSX und Googles Android für Handys von Betrügern heimgesucht.

Gelingt es den Cyberkriminellen, sensible Kundendaten wie Passwörter, E-Mail-Adressen oder Kreditkartendaten zu entwenden, kann die Beute anschließend auf verschiedenen Wegen in bare Münze umgewandelt werden. Am häufigsten werden die Daten auf einem "virtuellen Basar" angeboten, einer Art Ebay für Hacker. Dort werden sie zu einem Festpreis oder an den Höchstbietenden verkauft. Ein Paket E-Mail-Adressen bringt nur wenige Cent - bei einem Diebstahl wie bei Sony im April mit über 100 Millionen gestohlenen Kundendaten kommt dennoch eine Menge Geld zusammen. Noch wertvoller sind Adress- oder Kreditkartendaten: Sie können als gefälschte Identitäten für Spammer und Kriminelle dienen. Das macht auch Angriffe wie auf den Gewinnspielserver von Neckermann vergangene Woche rentabel, bei dem mehr als 1,2 Millionen Kundendaten erbeutet wurden.

Einige Täter gehen noch dreister vor: Nach dem Diebstahl wenden sich die Hackergruppen an die betroffenen Firmen und erpressen sie auf Schutzgeld. Weigert sich das Unternehmen, wird der entwendete Datensatz an Kriminelle verkauft, die sie für ihre eigenen Zwecke nutzen. Einige Gruppen drohen auch damit, die Daten im Internet zu veröffentlichen, um das Ansehen der Firma in Mitleidenschaft zu ziehen. Aus Angst vor dem Vertrauensverlust der Kunden und einer möglichen Entschädigungszahlung, beschließen manche Unternehmen lieber zu zahlen.

Beruf: Hacker

Doch einige Firmen versuchen seit geraumer Zeit, den Spieß umzudrehen. So zahlt Google für jede Sicherheitslücke des Internetbrowser Chrome, die dem Unternehmen auf ehrlichem Weg mitgeteilt wird, zwischen 500 und 3133,7 Dollar. Der Betrag von 3133,7 Dollar ist kein Zufall: In der sogenannten Leetspeak, bei der Buchstaben durch ähnlich aussehende Zahlen ersetzt werden, steht 3133,7 für "Elite". Viele Hackergruppen nutzen die Leetspeak in ihren Namen oder Bekennerschreiben - Google zollt mit diesem Betrag den Kenntnissen der Netzexperten Tribut. Bisher schaffte es nur Sergey Glazunov, die Höchstsumme zu erhalten. Er erwirtschaftete mit dem Aufdecken von Sicherheitslücken im Browser Chrome mehr als 30.000 Dollar für seine eigene Geldbörse. Auch Googles Konkurrent Mozilla zahlt für jede gefundene Sicherheitslücke 500 Dollar - und legt noch ein Mozilla T-Shirt obendrauf.

Obwohl das Vorgehen von Google und Mozilla ein Schritt in die richtige Richtung ist, verdienen gerissene Hacker auf dem Schwarzmarkt ein Vielfaches im Vergleich zu ihren ehrlichen Kollegen. Lücken in Systemen von Großunternehmen oder Regierungen können mehrere zehntausend Dollar bringen, ein einfacher Fehler im Betriebssystem Windows wechselt für einen Bruchteil der Summe den Besitzer.

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