Startseite

Hacker stehlen beinahe 1 Milliarde Dollar - und scheitern an Schreibfehler

Es wäre wohl der größte Bankraub der Geschichte gewesen: Nahezu eine Milliarde Dollar wollten Hacker über das Netz erbeuten. Doch dann machte ihnen ein winziger Fehler einen Strich durch die Rechnung.

Zwei Hände in schwarzen Lederhandschuhen tippen auf einer Tastatur. Kriminelle erbeuten immer wieder hohe Summen über das Web

Beinahe eine Milliarde Dollar haben die unbekannten Hacker erbeuten wollen

Ein Bankraub mit Millionen-Beuten gehört eher zu den selten Ausnahmen. Immer mal wieder gelingt es einigen Gangstern aber doch, eine Rekord-Summe abzustauben. Nun wäre die Messlatte beinahe ein ganzes Stück höher gelegt worden: Fast eine Milliarde US-Dollar wollten unbekannte Täter bereits im Februar erbeuten, wie jetzt bekannt wurde. Doch dann scheiterten sie an einem schlichten Schreibfehler. Arm sind sie trotzdem nicht.

Der oder die Hacker hatten sich eine Sicherheitslücke in der Zentralbank im südasiatischen Bangladesch zu nutze gemacht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Bank wiederum hat Konten bei der US-Bundesbank von New York, über die Auslandsgeschäfte abgewickelt werden. Und auf die dort lagernden Milliarden hatten es die Gangster abgesehen. Sie besorgten sich die Zugangsdaten der Zentralbank in Bangladesch und ließen in über 30  Anfragen Geld auf Konten auf den Philippinen und Sri Lanka überweisen. Vier der Überweisungen waren bereits durchgegangen - bis etwas Unerwartetes geschah.

Verdächtiger Schreibfehler

Die Deutsche Bank, einer der Übermittler der Transaktionen, wurde stutzig, als in einer der Transaktionen ein Schreibfehler auffiel. Die vorgeblich gemeinnützige Organisation "Shalika Fandation" ließ die Banker genauer hinschauen, schließlich schreibt sich das englische Wort für Stiftung "Foundation". Sie fragten bei der Zentralbank nach, immerhin ging es um 20 Millionen Dollar. Und brachten so die ganze Aktion zum Scheitern. Denn die Stiftung gibt es gar nicht.

In Bangladesch wurden daraufhin die Aufträge storniert, es waren noch Überweisungen im Wert von 850 Millionen US-Dollar offen. Insgesamt ging es um etwa 950 Millionen Dollar, also knapp 850 Millionen Euro. Die 81 Millionen Dollar aus den ersten vier Aufträgen sind allerdings wohl verschwunden. Es wird vermutet, dass die Täter das Geld über philippinische Kasinos gewaschen haben. Die Polizei versucht auch einen Monat später noch, zusammen mit Sicherheitsexperten den Weg des Geldes nachzuvollziehen. Bis jetzt fehlt sowohl von der Beute als auch den Tätern jede konkrete Spur.

Nicht der einzige Knackpunkt

Ob die Täter mit der richtigen Schreibweise mit der vollen Beute davongekommen wären, darf aber bezweifelt werden. Auch bei der US-Bank war die ungewöhnlich große Anzahl von Anfragen schon aufgefallen. Die Tatsache, dass Privatkonten und nicht Banken als Empfänger benutzt wurden, erschien den Bankern verdächtig. Für die Milliarden-Beute hätte es am Ende also wohl auch mit einer Rechtschreibhilfe nicht gereicht. Ein paar Millionen mehr wären vielleicht aber drin gewesen.

Eine andere Bande wird verdächtigt, in der Vergangenheit bereits mehr als eine Milliarde Dollar erbeutet zu haben. Allerdings nicht in einer einzelnen Aktion. Die vermutlich aus Russland stammenden Hacker hatten im Zeitraum von zwei Jahren immer wieder große und kleinere Banken attackiert.


täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools