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15. Juli 2009, 14:31 Uhr

War das schon ein Cyber-Krieg?

Erst kürzlich wurden Computersysteme von US-Behörden von Hackern angegriffen. Als Urheber dieser kriminellen Aktivitäten kam Nordkorea in Verdacht. Doch was kann man dagegen tun? Die Möglichkeiten einer Reaktion begrenzt - am Ende trifft man noch den Falschen.

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© Ahn Youn-joon/AP

Die Angriffe auf Websites in den USA und Südkorea, das war für viele schon eine Art Cyber-Krieg. Aber selbst wenn tatsächlich, wie vielfach vermutet, Nordkorea oder auch ein anderes Land dafür verantwortlich gewesen sein sollte, welche Reaktionsmöglichkeiten hätte zum Beispiel ein Land wie die USA? "Die knappe Antwort ist: vermutlich nicht viele", sagt James Lewis vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien.

Militär- und Internetexperten waren sich ziemlich schnell nach Beginn der Angriffe einig, das womöglich nicht viel passieren wird. Ein Grund ist, das es nur sehr schwer nachzuweisen ist, wer genau für die Angriffe auf Websites in den USA, darunter auch das Weiße Haus und das Pentagon, und in Südkorea verantwortlich war. Und selbst wenn eine andere Nation als Schuldiger ausgemacht würde, hätten die Reaktionen nichts mit Krieg zu tun: es gäbe einen formellen Protest, Handelssanktionen und eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen.

"Man kann einen Attache ausweisen, den Botschafter zurückrufen und deren Botschafter rauswerfen", sagt Lewis. Aber das geht nicht bei Nordkorea, denn das Land ist ohnehin schon isoliert, einen Botschafter haben die USA dort auch nicht. Und militärische Aktionen? Davon will niemand etwas wissen. Dafür sei der Vorfall nicht ernst genug gewesen, sagt Kristin Lord, Sicherheitsexpertin am Zentrum für eine Neue Amerikanische Sicherheit. "Es ist ärgerlich, ein bisschen peinlich vielleicht auch, aber es ist keine große Sache", sagt Lewis. Großer Schaden sei schließlich nicht entstanden.

Gegenangriff wäre denkbar

Andere sind aber dafür, dass es zumindest eine deutliche Warnung geben, dass klar gemacht werden sollte, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel ist. Wie genau aber die Reaktionsmöglichkeiten der USA und vor allem des Pentagons aussähen, darüber hüllt sich die Regierung in Schweigen.

Zu den Cyberwar-Fähigkeiten möchte man nichts sagen. Auch ein Angriff auf das Netzwerk des vermeintlichen Gegners wäre sicher denkbar. Aber durch die besondere Art der Attacke gibt es ein Problem. Für den Angriff wurden mehr als 100.000 sogenannte Zombies eingesetzt. Das sind Computer, die ohne das Wissen ihrer Besitzer benutzt werden und in einem Netzwerk, einem sogenannten Botnetz, zusammengeschaltet sind. Viele der Rechner waren in den USA, in Südkorea, aber auch anderen Ländern. "Wenn man zurückschießt, auf die Computer, von denen die konkreten Angriffe ausgeführt wurden, dann trifft man möglicherweise Dritte, die vermutlich nicht mal etwas davon wussten, dass sie beteiligt waren", sagt Lewis. "Und wenn man über die Netzwerke geht, um gegen Pjöngjang zurückzuschlagen, wie kann man da sichergehen, dass man nicht versehentlich auch gleichzeitig Japan trifft? Am Ende erschießt man noch den Falschen"

AP/Pauline Jelinek
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
RDUKE7777777 (16.07.2009, 08:03 Uhr)
"Am Ende trifft es noch die falschen"
Ach, als ob dass die Befehlshaber der US-Streitkräfte JEMALS von etwas abgehalten hat. Ich sag nur "Saddam...i mean osama"
1.000.000 tote Zivilisten im Irak. Und angeblich machen sie die Amis jetzt sorgen, dass sie die falschen treffen?? Bisschen spät.
STR_EDDS (16.07.2009, 00:31 Uhr)
@gmathol
Äh - was? Sie meinen also, dass ein Angriff in seiner Erscheinung nicht von einem falsch parametrisierten Router oder Switch unterschieden werden kann? Ist das Ihr Ernst? Erklären Sie das bitte.
.
Und Ihre Einschätzung, dass NK nicht die "Basis-Technologie", also minimal eine Bude mit 4,5 Servern, ein paar Laptops, einen Unifeed-Uplink besitzt, teile ich nicht. Ich führe sie eher auf Ihren allseits bekannten Anti-Amerikanismus und ihre blinde Vergötterung von KN/China/Russland, etc. zurück. Gehen Sie davon aus - in NK steht die nötige Technik. Das ist Fakt und keine Vermutung.
gmathol (15.07.2009, 23:05 Uhr)
Nordkorea?
Laecherlich! Da fehlt es ein einfachster Basis-Technologie um solche Angriffe zu starten. Es handelt sich bei diesen sogenannten Angriffen um fehlerhafte Router/Switch Configurationen.
Wer wird als naechstes beschuldigt? Hier die Reihenfolgen: Russland, Iran, Nordkorea, China.
Eisenbaer (15.07.2009, 19:57 Uhr)
Was hilft?
Die Loslösung vom Internet. Der Aufbau einer eigenen digitalen Infrastruktur. Wichtige Bereiche abschirmen und den Zutritt rigide beschränken. Eine ähnliche Staats-Paranoia wie in den 50´er Jahren vor den bösen Russen, wäre schon mal sehr hilfreich.
DasBertl (15.07.2009, 15:59 Uhr)
Wenn, dann WAR es kein Cyberkrieg...
sondern es ist noch immer einer. Es war allerhöchstens eine erste Schlacht. Und bei dem was heute alles Computergesteuert ist, wer weiß, wird dieser Krieg möglicherweise ebenso blutig wie konventionelle...
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