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Die Welt ist keine Scheibe mehr

Als erste Stadt weltweit ist Hamburg als 3D-Modell für die Landkartensoftware Google Earth nachgebaut worden. Der Aufwand ist riesig, dennoch lassen Google und seine Konkurrenten keine Zweifel: Die Zukunft der virtuellen Globen ist dreidimensional.

Von Ulf Schönert

Am schönsten ist Hamburg, wenn man auf der Alsterbrücke steht und Richtung Süden schaut. Das ist in der wirklichen Welt so und das ist auch in der virtuellen Welt so. Ein Blick auf die alten Reedereihäuser rund um den Jungfernstieg mit dem Rathaus im Hintergund, und man hat schon einen schönen Eindruck vom Charme dieser Stadt.

Wer diese Aussicht genießen und auch noch die übrige Hamburger Innenstadt mit Michel, Speicherstadt und Landungsbrücken kennen lernen möchte, kann dies bald ganz einfach am Computer tun. Denn als erste Stadt weltweit gibt es Hamburg demnächst als dreidimensionale Darstellung im Internet zu sehen. Noch ist das Modell nicht online - in "Tagen oder Wochen" soll es aber soweit sein, versichern die Verantwortlichen, die das Projekt jetzt auf einer Pressekonferenz vorgestellt haben.

Benötigt wird dann einzig die kostenlose Software "Google Earth", die so etwas wie ein digitaler Globus für den Computerbildschirm ist. Mit "Google Earth" kann man die gesamte Weltoberfläche von oben betrachten - je nach Region mehr oder minder detailliert. Besonders die Innenstädte der großen Metropolen werden in beeindruckender Schärfe wiedergegeben - zumindest aus der Vogelperspektive, also zweidimensional.

Nicht mehr nur Klötze

Zwar konnte man mit "Google Earth" auch bisher schon Landschaften und Städte ein wenig kippen und aus der Schräge betrachten, doch dabei wurden die Fotos lediglich perspektivisch gestreckt oder - etwa die Skylines einiger US-Städte - in Form von grauen Klötzen, die Höhe und Form der Gebäude ungefähr wiedergeben, angezeigt.

Das neue 3D-Modell von Hamburg geht darüber weit hinaus. Denn die Hamburger Häuser wurden zusätzlich mit der richtigen Dachform versehen und vor allem mit Fotos der Fassaden ausgestattet: So ist ein wirklichkeitsgetreues, virtuell begehbares Modell entstanden, das mit den Satellitenbildern des ursprünglichen "Google Earth" kaum noch etwas gemeinsam hat. Sicher, die Plätze wirken merkwürdig unbelebt, die Farben sind etwas matt und die Bilder an vielen Stellen unscharf - ansonsten aber ist die Fülle an baulichen Details beeindruckend: Fenster, Lüftungsschächte und Erker sind plastisch nachgebildet und lassen sich von allen Seiten und aus verschiedenen Höhen betrachten.

Enormer Aufwand

Der Aufwand dafür ist enorm: Zunächst müssen von allen Gebäuden Grundrissdaten und Gebäudehöhen erfasst werden. Dann müssen Flugzeuge oder Hubschrauber die Stadt aus etwa einem halben Kilometer Metern Höhe mit Stereo-Digitalkameras abfotografieren - in einer Auflösung von 20 bis 30 Zentimeter pro Pixel. Eine Software errechnet aus diesen Daten dann Haus für Haus die 3D-Modelle, was riesige Datenmengen erzeugt, die komprimiert und kompatibel zu "Google Earth" gemacht werden müssen.

Dass das dreidimensionale Hamburg der Firma Google trotzdem keinerlei Kosten verursacht hat, liegt daran, dass es sich dabei um eine Art Stadtwerbung handelt, die von der Hamburger IT-Wirtschaft und dem stadteigenen Landesbetrieb Geodaten und Vermessung entwickelt wurde. Mit im Boot ist zudem die Schweizer Virtualisierungs-Firma Cybercity, die schon 3D-Modelle von Paris, Florenz und Salzburg erstellt hat. 3D-Modelle haben städtische Kartographen heutzutage ohnehin im Programm: Architekten und Stadtplaner nutzen sie, wenn sie Neubauten oder Abrisse planen - so ein Modell mittels "Google Earth" allen Internet-Nutzern zur Besichtigung offen zu legen, ist dagegen neu. Gut möglich, dass demnächst weitere Städte folgen werden - Dresden hat angeblich schon Interesse geäußert. "Die grauen Kästen sind ohnehin nur eine Zwischenlösung", freut sich Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland über den für seine Firma kostenlosen Deal. "Der 3D-Darstellung gehört eindeutig die Zukunft."

Google Earth - flacher als geplant

Das sieht man auch an der erst vorige Woche erschienenen Version 4 der "Google Earth"-Software: Erstmals kann man dort Gebirgspanoramen realistisch betrachten, und in den USA gibt es auch schon erste Häuser mit fotorealistischen Fassaden. Ansonsten ist die Welt noch ziemlich flach in "Google Earth" - auch wenn sich die Firma das anders vorgestellt hatte. Ursprünglich war der Plan, die "Google Earth"-Welt durch die Nutzer selbst dreidiemensional entstehen zu lassen. Zu diesem Zweck stellt Google schon länger eine eigene Software, "Sketchup" bereit, die man kostenlos aus dem Internet laden kann. Damit können auch Nichtarchitekten relativ leicht 3D-Objekte "bauen", zum Beispiel das eigene Haus, und dann in Google Earth anzeigen lassen.

Sketchup-Künstler haben auf diese Weise schon große Bauwerke wie das Empire State Building lebensnah nachgebaut. Doch der ursprüngliche Plan, dass sich die "Google Earth"-Welt durch eine Community von Hobby-Architekten quasi von selbst füllt, ist bislang nicht aufgegangen. In Deutschland sind nur ganz wenige Objekte, zum Beispiel das Olympiastadion in Berlin, auf diese Weise dreidimensional betrachtbar.

Die Konkurrenz schläft nicht

Und langsam läuft Google die Zeit davon, denn Konkurrenten wie Yahoo oder Microsoft versuchen ihrerseits, die Welt im Internet bestmöglich abzubilden - mit immer detailreicheren Modellen. In Sachen 3D ist "Virtual Earth" von Microsoft da schon besser aufgestellt als "Google Earth": In einer Handvoll verschiedener US-Städte, darunter Los Angeles, Boston und Las Vegas kann man sich bereits in realistisch gestalteten Hausfassaden bewegen.

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