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Im Dorf der DSL-Gräber

Ein Dorf in Ostwestfalen hätte so gerne DSL. Die Telekom scheut aber die Kosten für die Verlegung der nötigen Kabel. Was tun die Dörfler? Sie graben sich ihren Weg zum schnellen Internet einfach selbst.

Von Matthias Lauerer

  • Matthias Lauerer

Schier Unglaubliches geschieht zurzeit in einem Dorf in Ostwestfalen. Jahrelang hatte man den 950 Hegensdorfer Bürgern einen DSL-Anschluss rigoros verweigert. Der Telekom erschien die teure Verlegung eines Breitband-Abzweigs für die 320 Telefonanschlüsse in das kleine Dorf als nicht lohnenswert genug. Und so nimmt die engagierte Dorfgemeinde jetzt ihr Schicksal selbst in die Hand, um in Zukunft mit DSL-Geschwindigkeit im Internet zu surfen.

Seit vergangenen Samstag Punkt acht Uhr in der Frühe wird in dem kleinen Dorf fleißig mit Schaufel, Spitzhacke und zwei Baggern gebuddelt. Das Ziel: das nur 1.300 Meter entfernte Glasfaser-Breitbandnetz der Deutschen Telekom. Dort will man in 90 Zentimeter Tiefe den Anschluss an die Zukunft erreichen. Auf die Idee kam Frank Pittig, 31, vor drei Jahren. Damals war der Bertelsmann-Controller ins Dorf gezogen und musste dann mit Entsetzen feststellen, dass es hier nur mit einem langsamen 56k-Modem möglich war, ins Internet zu gelangen. Zwei lange Jahre verhandelte Pittig mit der ehemaligen Staatsbehörde, kämpfte intensiv um DSL für Hegensdorf. Die Deutsche Telekom weigerte sich, die 40.000 Euro Kosten, die die Verlegung und der Anschluss ans Netz kosten würden, zu übernehmen. So kam Pittig vor einem Jahr auf die Idee, sich mit der Hilfe der Dorfbewohner einfach selbst zum Anschluss durchzugraben: "Ganz Deutschland hat DSL, nur wir nicht! Ich habe sogar nach Funk-Alternativen gesucht.

Telekom hat zugestimmt

Möglich ist das Graben, weil die Telekom ihm vor einem Jahr bei der technischen Machbarkeit des Projekts zustimmte. Bereits im nahen September will man es dann geschafft haben - spätestens. Kosten nun: 10.000 Euro, die die Dorfgemeinschaft zum Teil selbst trägt. Schon 500 Meter des 1.300 Meter langen Weges legte die muntere Grabe-Gruppe mittlerweile zurück: "In unserem Ort leben viele Baufachleute. Dann ließe sich doch auch ein Leerrohr zwischen Bornefeld und Alter Weg am Ortseingang so verlegen, in das sich das DSL-Kabel einbetten ließe." So sagt es die Ortsvorsteherin Maria Lummer, 52. Denn: Unter dem Hegensdorfer Feld wurde vor 14 Jahren das Glasfaserkabel der Telekom verlegt. Eigentlich rauschen also die Informationen mit Hochgeschwindigkeit längst in der Nähe des Dorfes vorbei. Lummer ist von den Aktivitäten ihres Dorfes hellauf begeistert. "Gestern Abend kam spontan ein junger Mann vorbei und verteilte aus seiner Plastik-Tüte Würstchen für alle." Die hatte der Metzger gespendet. Kostenlos. Junge Frauen kochen Kaffee und verteilen auch kostenlose belegte Brötchen. Das Ganze hat den Charme eines Happenings.

Bis zu 50 Grabende

Auch Lummers Sohn Hendrik, 25, grub gestern mit: "Ich war zwei Stunden vor Ort und habe Abends gegraben. Ich finde gut, was hier passiert. Besonders die tolle Gemeinschaft gefällt mir", sagt der Student der Landwirtschaft. In Spitzenzeiten graben bis zu 50 Personen, im Schnitt sind es stets acht bis 15. Selbst die einzige Schwierigkeit zum lange gehegten DSL-Traum umschifften die Hegensdorfer galant. Denn das nötige Rohr muss auch unter zwei Straßen verlegt werden. Hier hilft ein Fachunternehmen, dass den Dörflern ein faires Angebot machte. Bezahlt wird das Projekt von der Dorfgemeinschaft. Selbst die Volksbank beteiligt sich am Projekt. Der Grund: die Kreisbehörden wünschen sich die Pflanzung von 15 Eichen. Die Kosten für den Baum-Kauf will nun die Bank übernehmen. Außerdem positiv: Kein Bürger verweigerte die Grabungen im eigenen Garten und durch die Getreidefelder, niemand wollte dafür entschädigt werden.

So wird es im rebellischen Dorf in Ostwestfalen-Lippe schon bald möglich sein, sich auch die 1996er Luftbilder auf der netten Dorfweb-Seite www.hegensdorf.de blitzschnell anzusehen. Getreu nach dem Motto: DSL, wir kommen!

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