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Freunde in der Fremde

Auf den Webseiten des Hospitality Clubs finden Reisende aus aller Welt private Unterkünfte. stern-Mitarbeiter Felix Knoke macht mit.

Mein Mitbewohner hasst mich, meine Eltern machen sich ernsthaft Sorgen, und meine Freunde denken längst: Der ist doch verrückt! Einzig meine 84-jährige Oma ist begeistert: "Dieses Internet ist ja wirklich eine tolle Sache." Seit Juli vergangenen Jahres übernachten immer wieder fremde Menschen in meiner Wohnung. Aus Schweden, Amerika, Peru oder Russland - bis jetzt waren es schon 16. Und das alles nur, weil ich mich auf der Website hospitalityclub.org eingetragen habe. Wer gern wegfährt, findet dort Leute, die gern Gäste haben. Und wer keine Zeit zum Reisen hat, bekommt Besuch aus aller Welt. Hospitality Club, das ist wie Reisen, ohne seine Wohnung zu verlassen.

Über 100 000 Fernweh-Kranke aus rund 200 Ländern machen bereits mit - pro Woche kommen 1000 neue Mitglieder dazu. Kaum ein Ort auf der Welt, wo nicht auch Clubmitglieder eine offene Tür und einen Schlafplatz anbieten. Von Marokko bis Nepal, vom Jemen zu den Fidschi-Inseln - selbst in der McMurdo-Forschungsstation in der Antarktis. Mitmachen kann jeder, die Mitgliedschaft ist kostenlos. Alles, was ich damals tun musste, war die Eingabe eines kurzen Profils auf der Website, am besten mit Foto und Angaben zu Wohnort, Hobbys und Schlafmöglichkeiten. Der Rest passiert von allein.

Bei mir landete eines Tages

eine E-Mail aus Litauen. Audinga und Vitalius aus Vilnius suchten eine Unterkunft: "Nächsten Monat trampen wir durch Europa, am 10. Juli sind wir in Hamburg. Können wir zwei Nächte bei dir bleiben?" Ich sagte zu; aus zwei Nächten wurden fünf. Die beiden, noch nicht einmal 20 Jahre alt, schliefen auf dem Fußboden, spülten das Geschirr und teilten ihre viel zu starken litauischen Zigaretten mit mir. Seitdem bin ich ein Fan des Hospitality Clubs. Audinga und Vitalius sind meine Freunde geworden. Etwa einmal im Monat habe ich nun Besuch. Und ich lerne die Leute erst wirklich kennen, wenn sie vor meiner Tür stehen.

"Menschen zusammenzubringen, das war von Anfang an mein Ziel", sagt Veit Kühne, 27, aus Dresden. Der Gründer des Hospitality Clubs managt die Organisation zusammen mit Hunderten Freiwilligen. "Ich glaube fest daran, dass ich mit dem Hospitalityclub die Welt verbessern kann!" Wer Freunde rund um den Globus hat, so Kühnes Kalkül, der führt keinen Krieg mehr.

Doch selbst wenn man nicht gleich die Welt retten will, kann der Hospitality Club, von Mitgliedern kurz HC genannt, viel Freude machen. Ungezählt bleiben die HC-Liebschaften. Die Seitenbetreiber weisen extra darauf hin, dass der HC keine Dating-Site ist. Und doch: Sebastian aus Düsseldorf traf hier seine Ieva aus Riga, Markus aus der Schweiz seine Justee aus Vilnius und Helge aus Deutschland seine Pulina aus Finnland - beide leben sie heute in Venezuela. Dass hier so viele ihr Herz verlieren, liegt nicht etwa daran, dass HC-Mitglieder es besonders nötig hätten, übers Internet potenzielle Partner zu treffen. Es ist einfach so, dass sich im Club furchtbar viele nette Leute herumtreiben. Besonders auf den vielen Hospitality-Club-Partys.

Über Neujahr fand das bisher größte dieser Feste in der lettischen Hauptstadt Riga statt. 430 Leute aus 36 Ländern trafen sich für ein paar Tage in der wunderschönen Altstadt, um Gastfreundschaft und Völkerverständigung zu zelebrieren. Es war ein rauschendes Fest. Manch einer der Gäste nahm tagelanges Trampen im eisigen Winter auf sich oder verpasste im Brausebrand den Rückflug. Das nächste Event steht schon fest: ein Sommer-Camp in Berlin, für das Michael Habermann einen ganzen Beachclub mietet. Mit mehreren hundert Besuchern muss er rechnen - und alles organisieren.

Wer einmal nette Gäste aus der Fremde hatte oder selbst zu Gast sein durfte, will das einzigartige Reisegefühl nicht mehr missen. "Ich kann eine Stadt auch einfach so sehen - aber mit einem Mitglied des Hospitality Clubs kann ich sie wirklich erleben", schwärmt der Amerikaner Isprotejes. Er verabschiedete sich vor eineinhalb Jahren aus seinem Heimatland und reist seitdem durch die Türkei und Europa. Dabei hat er viele Leute kennen gelernt, Freunde vor allem auch im Hospitality Club. Schlechte Erfahrungen hat er noch keine gemacht.

"Mit der Sicherheit steht und fällt so ein Club", weiß Veit Kühne. Doch über negative Ereignisse spricht er nicht gern. Lieber verweist er auf das System aus Sicherheitsmaßnahmen, das den Missbrauch des Clubs verhindern soll. Ein Team aus Freiwilligen kontrolliert auf Wunsch Club-E-Mails auf Spams und andere fragwürdige Angebote. Wie beim Auktionshaus Ebay bewerten sich Mitglieder gegenseitig nach einem Besuch, sodass zukünftige Gastgeber und Gäste einander besser einschätzen können. Alles dreht sich um die Frage: "Wie war euer Treffen? Würdest du deinen Gast/Gastgeber weiterempfehlen?" Und vor allem geht eines nicht im Hospitality Club: anonym reisen. Bevor zwei Mitglieder aufeinander treffen, sind sie angehalten, ihre Passnummern auszutauschen und bei Besuch gegenseitig zu kontrollieren. Ein Restrisiko bleibt.

Die meisten Klagen drehen sich um Missverständnisse, um unterschiedliche Auffassungen von Sauberkeit oder Lärm in der Nacht. Doch die vielen hervorragenden Erfahrungen wiegen das locker auf. Mit Ieva die Sterne zählen, mit Lukas durch Vilnius spazieren, mit Daniel über das Leben philosophieren. Ich verbringe meinen Urlaub mit Freunden. Fremden Freunden. Das ist es, was meine Großmutter am Internet jetzt so toll findet. Und was meinem Mitbewohner manchmal auf die Nerven geht.

Felix Knoke/print

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