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2. September 2008, 08:02 Uhr

Google startet eigenen Browser

Neue Konkurrenz für Mozilla und Internet Explorer: Der Suchmaschinenriese Google steigt ins Browsergeschäft ein. Im Laufe des Tages soll eine Testversion des selbst entwickelten Browsers Google Chrome zum Download zur Verfügung stehen. Eine Kommunikationspanne brachte das neue Programm ans Licht.

Google hat seinen neuen Internetbrowser Chrome zum Download bereitgestellt© Paul Sakuma/AP

Google greift mit einem eigenen Web-Browser die Dominanz von Microsofts Internet Explorer an. Die neue Software mit dem Namen Google Chrome werde in einer Testversion bereits am Dienstag zum Herunterladen bereitstehen, teilte der Internet-Konzern am Montag im offiziellen Unternehmensblog mit. Das Ziel sei ein Browser, der schneller, benutzerfreundlicher und sicherer ist als heutige Software.

Web-Browser sind Programme, die man braucht, um im Internet zu navigieren. Wenn Chrome bei den Nutzern gut ankommt, könnte dies die Gewichte im Internet noch weiter zugunsten Googles verschieben. Der Konzern ist die dominierende Kraft bei Werbung im Internet und bietet zahlreiche Programme und Dienste von E-Mail über Bürosoftware bis zum virtuellen Globus an. Zugleich dürfte der Vorstoß sehr genau von Datenschutz-Aktivisten beobachtet werden: Google wird oft vorgeworfen, zu viele Daten seiner Nutzer zu sammeln.

Harte Konkurrenz

Die Konkurrenz im Browser-Bereich nahm zuletzt deutlich zu. Meistgenutzte Software ist Microsofts Internet Explorer. Sein Marktanteil beträgt derzeit laut Marktforschern knapp 75 Prozent - nach mehr als 90 Prozent noch vor einigen Jahren. Auf Platz zwei folgt demnach mit knapp 20 Prozent das Open-Source-Programm Firefox. Ein starker Konkurrent ist auch Apples Browser Safari. Der Quellcode von Chrome werde wie bei Firefox offen sein, betonte Google. Das heißt, die Software kann von Programmierern frei weiterentwickelt werden. Chrome nutze zum Teil die selben Bauelemente wie Firefox und Safari.

Nach Darstellung von Google sei man wegen Unzulänglichkeiten bisheriger Browser zu dem Entschluss gekommen, eine eigene Software zu entwickeln. Die wichtigste Neuerung dürfte sein, dass einzelne Unter-Fenster (Tabs) getrennt von einander wie einzelne Prozesse betrieben werden. Das soll die Stabilität des Programms erhöhen.

Erinnerungen an den "Browser-Krieg"

Dem "Wall Street Journal" zufolge hat Google etwa zwei Jahre an dem Browser gearbeitet. Beim Internet-Konzern sei die Sorge gewachsen, Microsoft könnte mit seinem Browser Nutzer für seine eigene Suchmaschine gewinnen, was Googles Marktanteil drücken würde, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Der Vorstoß von Google weckt angesichts des angespannten Verhältnisses mit Microsoft Erinnerungen an den sogenannten "Browser-Krieg" Mitte der 90er Jahre. Microsoft hatte damals binnen kurzer Zeit den zunächst führenden Netscape Navigator zur Bedeutungslosigkeit geschliffen, unter anderem durch die kostenlose Beigabe des Explorer zum Windows-Betriebssystem.

Zweite Testversion von IE8

Microsoft hatte erst vor wenigen Tagen die zweite Testversion seines neuen Internet Explorer 8 vorgestellt, der nach Einschätzung von Experten mit den aktuellen Ausgaben von Firefox und Safari mithalten kann. Einige Beobachteter merkten dazu an, neue Datenschutz-Optionen im Internet Explorer könnten Google das Geschäft mit sogenannter Kontext-bezogener Werbung erschweren. Solche Anzeigen, die passend zum Beispiel zu Suchergebnissen eingeblendet werden, sind das Kerngeschäft des Internet-Konzerns. Der Google-Browser soll aber ähnliche Einstellungen ermöglichen, bei denen der Nutzer Daten für sich behalten kann.

Der Chrome-Browser kommt außerdem pünktlich zum Erscheinen der ersten Handys mit dem von Google initiierten Betriebssystem Android. Die mobile Internetnutzung gilt als das nächste große Wachstumsfeld. Apple mischt hier mit Safari auf dem iPhone mit.

Die überraschende Ankündigung der neuen Software geht laut Google auf eine Panne zurück. Das Unternehmen schickte dem Internet-Blog Google Blogoscoped zu früh eine Kopie eines Comics, in dem auf knapp 40 Seiten in anschaulicher Form die Vorzüge von Chrome dargestellt werden sollen. Nachdem die Information sich dadurch im Netz ausbreitete, reagierte Google mit der offiziellen Stellungnahme.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
eric111 (02.09.2008, 19:47 Uhr)
daten & google
Ich weiß nicht was dagegen spricht anonyme Daten zu sammeln, um sein Angebot zu verbessern, solange keine persönlichen Daten verwendet werden. Und Google "verkauft" die Daten ja nicht, sondern ist einer der führenden Antreiber des Web 2.0 mit unzähligen Features, die in der Programmierung (Ajax, etc.) eine Vorreiterrolle spielen. Nur wenn man weiß, was User (im allgemeinen) wollen, kann man wie Google der Zeit voraus sein und das Internet wirklich userfreundlich machen. Übrigens: Google verdient sein Geld z.B. mit Anzeigen (Adwords) und das nicht dünne. Ich kenne jede Menge Leute, die da viel Geld ausgeben. Die Kohle kann man mit Datenhandel nicht verdienen und dann würde Google auch nicht soweit gekommen sein. Datenverwertung ja, aber nur anonym. Der Rest soll weiter an der 9-Sep-Verschwörungen schreiben oder sich auf die Suche nach Ufos machen.
eric111 (02.09.2008, 19:39 Uhr)
browserkrieg
Von einem Browserkrieg zu sprechen ist übertrieben. Denn jeder Browser hat seine Vor- und Nachteile. Es gibt auch nicht nur einen Fernseher, sondern wir können wählen. Ein Browserkrieg wäre es, wenn Google den zu verarbeitenden Quellcode der Websites anders darstellen würde, als IE oder Firefox (die ja ohnehin schon Abweichungen haben). Da würde man sich aber gleich zu Beginn sein eigenes Grab schaufeln. Ich persönlich werden den neuen Browser gerne testen und dann entscheiden.
Skaf (02.09.2008, 18:12 Uhr)
Diesen Browser braucht nicht...
- wer Sachen wie Google Desktop installiert hat
- wer bei der Google-Suche fleißig Cookies sammelt und sich dann bei Gmail einloggt, sodass die Cookies gleich einer E-Mail-Adresse und eventuell noch einem Namen zugeordnet werden können
- wer im Netz allgemein bei jeder Gelegenheit persönliche Daten herausgibt
der hat wirklich nichts mehr zu verlieren und man weiß schon alles über ihn.
Kostenlos gibt's leider fast nichts, und schon gar nicht von Google.
endbenutzer (02.09.2008, 16:25 Uhr)
@tkdmatze:
"...das heisst jeder hat das Recht zu schauen ob, wie und was an Daten gesammelt wird...."
.
Etwa auch die, die keinen Quellcode lesen können?
tkdmatze (02.09.2008, 13:27 Uhr)
Open-Source
bedeudet Quelloffener Code,
das heisst jeder hat das Recht zu schauen ob, wie und was an Daten gesammelt wird.
das heisst jeder(FF,WebKit) hat das Recht zu schauen, wie Google Sachen lösst und Ideen mitnehmen.
ich freu mich auf jeden Fall und werde mal ein bisschen im "V8" rumstöbern
kralli19 (02.09.2008, 11:32 Uhr)
Zypresse...
Wäre nett von STERN, Justizministerin Zypresse mal die Bildserie per eMail zukommen zu lassen, um ihren beschränkten Horizont zu erweitern.
Und was den Googlebrowser betrifft, lieber erst mal die Analysen vom CCC oder von den heise-Fachleuten abwarten.
steinhaus (02.09.2008, 10:20 Uhr)
Keine Lust auf Fesseln
ich bedauere es sehr, das die Kooperation zwischen Microsoft und Yahoo geplatzt ist. Damit wäre es möglich gewesen, eine Google gleichwertig Plattform zu schaffen. Diese Chance wurde vertan - aus Eitelkeit. Ich erkenne an, die Suchmaschine von Google immer noch bessere Ergebnisse erzielt als die Konkurrenz. Aber, ich bin nicht bereit, mich in eine Abhängigkeit zu gegeben. Fesseln möchte ich nicht tragen. Entsprechend besuche ich nur die Suchmaschine von Google und habe alle anderen Anwendung von Google von meinem Rechner gelöscht. Die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten, sehe ich zurzeit eher bei Google als bei Microsoft....
endbenutzer (02.09.2008, 10:19 Uhr)
Ist hier etwa...
..die Pressestelle von Google Deutschland unterwegs? Ich befürchte auch, dass dieser Browser vorranging den Datenhunger von Google befriedigen soll. Vorsicht ist sicher angebracht. Ich warte dann eher Mal die Bewertungen der einschlägigen Fachzeitschriften ab..
djchrisi (02.09.2008, 10:17 Uhr)
Fantastisch
dieser Browser hat ein paar Neuerungen, bei denen man sich fragt warum Firefox sie nicht hat. Jeden Tab in mit einem neuen Prozess zu starten ist doch so logisch und genial! Auch JavaScript im Hintergrund nativ zu verarbeiten kann der Geschwindigkeit nur guttun.
Dieser Browser wimmelt nur so von Ideen.
Ich persönlich war von dem Release von Firefox3 eher entäuscht. Google Chrome ist eine echte Inovation
GlobalKlaus (02.09.2008, 10:10 Uhr)
... Ganz einfach
Ich warte erst Mal ab wie sich das entwickelt ...
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