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21. November 2008, 18:33 Uhr

Suizid vor der Webcam

Drama vor laufender Webcam: Ein 19-jähriger Amerikaner hat sich mit einer Überdosis Medikamenten umgebracht - und sein Sterben live ins Internet übertragen. Viele Nutzer, die die Übertragung anschauten, schrieben anfeuernde Kommentare.

Zoom
Suizid, Selbstmord, Selbsttö,tung, Freitod, Webcam, Ü,berdosis, justin.tv

Der Screenshot des Livestreams zeigt Abraham B. leblos auf seinem Bett, kurz vor dem Eintreffen der Polizei

Ein 19-jähriger US-Amerikaner hat seinen Suizid ins Web übertragen. US-Medien berichten, dass Abraham B. vor laufender Kamera eine größere Menge Pillen genommen und sich dann ins Bett gelegt habe, wo er nach einiger Zeit aufhörte zu atmen. Die ganze Zeit wurde das Geschehen auf dem Videoportal justin.tv live übertragen. Währenddessen wurde B.s Vorgehen von anderen justin.tv-Nutzern direkt unter dem Video kommentiert.

Wie die IT-Nachrichtenseite Cnet und die Website NewTeeVee.com berichten, hatte der Teenager bereits in der Vergangenheit mehrfach seine Pläne zur Selbsttötung in verschiedenen Foren gepostet. Besonders in einem Bodybuilding-Forum hatte er zuletzt Details über die tödlichen Medikamente veröffentlicht, und ebenso seine Idee, den Suizid live zu übertragen. Die Foren-Moderatoren und viele -Mitglieder nahmen, so heißt es in den Berichten, seine Äußerungen nicht ernst, da ja früheren Ankündigungen keine Taten gefolgt waren. Im Gegenteil: Einige Forenuser feuerten B. an, sich endlich umzubringen.

Dieses Verhalten sei auch während des Livestreams zu beobachten gewesen, schreibt Cnet. Viele Nutzer hielten die Bilder für eine Inszenierung und gaben skeptische bis boshafte Kommentare ab. Einige andere User hätten allerdings versucht, den Lebensmüden umzustimmen. Als keine Atembewegungen mehr zu sehen gewesen seien, hätten einige justin.tv-Teilnehmer die Polizei gerufen.

Die Video-Aufzeichnung und der Diskussionsstrang darunter sind inzwischen von justin.tv entfernt worden. Im Netz kursiert allerdings ein Clip der letzten 70 Sekunden der Übertragung. Man sieht eine Person leblos auf einem Bett liegen, dann fliegt ein Stück Holz von der Seite auf das Bett, als die Polizei die Zimmertür eintritt. Als nächstes leuchten auf den Füßen des Mannes rote Punkte der Laserzielvorrichtungen auf den Polizeipistolen. Schließlich tritt ein Sheriff mit gezogener Waffe ins Bild und versucht, K. anzusprechen. Wenig später schalten die Polizisten die Videokamera ab. Gegenüber NewTeeVee hat der zuständige Gerichtsmediziner B.s Tod inzwischen bestätigt.

Wer hat sich falsch verhalten?

Besonders zwei Aspekte dieses tragischen Vorfalls sorgen derzeit für Diskussionsstoff: erstens das Verhalten derjenigen User, die die Liveübertragung mit zynischen oder anfeuernden Kommentaren begleitet haben. Zweitens steht der Betreiber von justin.tv in der Kritik, der den Livestream nicht unterbrochen hat. Der Chef der Firma, Michael Seibel, sagte gegenüber NewTeeVee: "Wir kommentieren keine Einzelfälle, weisen aber darauf hin, dass unangebrachtes Verhalten bei justin.tv verboten ist. Wir verlassen uns auf die Community, uns auf unangemessenes Material hinzuweisen, welches wir dann bewerten und entfernen, wenn es unseren Nutzungsbedingungen widerspricht." Das sei auch in diesem Fall passiert. Allerdings spät.

Das Thema Internet und Suizid ist nicht neu. "Selbstmordforen" und Verabredungen zum gemeinschaftlichen Suizid über das Internet sorgen seit Anbeginn des Netzes immer wieder für Aufregung. In Großbritannien erhängte sich im vergangenen Jahr ein Mann vor laufender Webcam. Auch die Diskussionen, wie mit diesem Thema umzugehen sei, sind so alt wie das Internet.

Ralf Sander
KOMMENTARE (10 von 29)
 
dutchinmex (23.11.2008, 16:19 Uhr)
@OnceKnown
Ich stehe dem nicht gleichgültig gegenüber, ich finde es schade um ein Leben. Aber nicht mehr als das; es ist und bleibt sein Recht auf seine eigene Entscheidung, seine persönliche Freiheit. Soll man ihn das entsagen, zwingen ein Leben zu leben, was er nicht will? Haben Sie das Recht dazu? Wollen Sie sich zu etwas zwingen lassen von anderen, was Sie nicht wollen?
.
Was ich aber absolut bestialisch finde, sind die Leute, die ihn aus Spaß anfeuern. Sie sind die Krankheit unserer Gesellschaft, nicht derjenige, der Freitot begeht.
horst.pachulke (22.11.2008, 13:59 Uhr)
@ Van Linden:
Schreib' ich also doch noch was dazu:
.
Wenn ein Mensch also einen komplizierten Knochenbruch hat & er vor Schmerzen wahnsinnig wird, ist es vollkommen logisch, wenn er sich umbringt, weil der die Schmerzen nicht mehr aushält?
.
Wir leben im Zeitalter von Morphium; Schmerzmittel wären hier die Behandlung der Wahl.
Bei schwerer Depression gibt es ebenso Mittel, die die akute Belastung reduzieren.
So ein Mensch braucht professionelle Hilfe. Und kein falsches Verständnis für seinen (geplanten) Selbstmord. Wenn er geklappt hat, ist es allerdings sinnfrei, sich noch ein Werturteil über sein Handeln zu erlauben.
Über sein Umfeld erlaube ich mir allerdings eines. Dieses hat ihn "fallen" gelassen und somit versagt. Diejenigen, die immerhin die Polizei gerufen haben, nehme ich mal aus. Auch wenn sie sich leider erst zu spät getraut haben.
horst.pachulke (22.11.2008, 13:49 Uhr)
Ich wünsche zu Protokoll zu geben...
... dass ich manche Kommentatoren niemenden zum Freund wünsche.
Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
S.H. (22.11.2008, 11:13 Uhr)
USA!
"Als nächstes leuchten auf den Füßen des Mannes rote Punkte der Laserzielvorrichtungen auf den Polizeipistolen. Schließlich tritt ein Sheriff mit gezogener Waffe ins Bild und versucht, K. anzusprechen."
Was hatten die denn vor? Hätten sie ihn erschossen, wenn er den Suizid nur vorgetäuscht hätte?
Eisenbaer (22.11.2008, 10:56 Uhr)
@hei_zen - freie Entscheidung -
Wenn Sie den Artikel mit der gleichen Intensität gelesen hätten mit welcher Sie Ihre eigenen Probleme beleuchten, dann wäre Ihnen bestimmt aufgefallen, dass der junge Mann mehrmals seine vermeintlichen Freunde um Hilfe angefleht hatte, diese ihn aber nicht verstanden haben.

Genausowenig wie Sie anscheinend in der Lage sind, seine Hilferufe zu hören oder Ratschläge von anderen Menschen annehmen wollen, noch mit einer Kritik anderer Menschen umgehen können, die nicht in Ihr Eigenbild passt.

Wenn ein Mensch seine Mitmenschen mit einem "dauernden Gerede von seinem Selbstmord nervt" dann ist das was? Ihrer Meinung nach die Bekundung seines freien Willens. Sind Sie wirklich dieser Meinung? Verstehen Sie wirklich nicht, was dieser Freund von Ihnen will???

Ich bin mir dagegen sicher, dass Sie, wenn Sie so über einen Menschen in dieser Lage urteilen nur ein eigenverliebter, zynischer Zeitgenosse sind, der einzig und allein seinen Narzissmus ausleben möchte. Und irgendwie kann ich den Kommentar von Maria 1000 durchaus verstehen. Vielleicht denken Sie doch noch einmal etwas mehr über den Beitrag von Maria1000 nach, das könnte sich als hilfreich für die Weiterentwicklung Ihrer eigenen Persönlichkeit auswirken... ;-))
karram (22.11.2008, 10:36 Uhr)
Je härter die Eier...
najaundso (21.11.2008, 20:06 Uhr)
Kommentare wie von diesem 300-Minuten-Ei sind an Widerlichkeit und Menschenverachtung kaum zu überbieten. Ein Suizid ist übrigens immer "egozentriert", wie sollte es anders sein?
In einem Punkt stimme ich allerdings zu: von gewissen Egoarschlöchern gibts tatsächlich genug auf der Welt! Von mir aus dürfen sie aber gerne weiter leben, mögen sie uns nur ihr unsägliches Geschwätz ersparen.
OnceKnown (22.11.2008, 09:28 Uhr)
@dutchinmex
Er war erst 19 Jahre alt (!) und hatte sein ganzes Leben noch vor sich. Mit der richtigen psychischen Betreuung wäre das vielleicht nicht passiert.
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Immer wieder diese widerliche liberale, pseudo-tolerante Einstellung: Wenn er sich mit 19 Jahren umbringen will, dann lasst ihn doch. Widerlich! Gleichgültigkeit nur ungenügend hinter Toleranz kaschiert.
dutchinmex (22.11.2008, 05:45 Uhr)
Na und?
Seine eigene Entscheidung, seine individuelle Freiheit.
VanLinden (22.11.2008, 00:31 Uhr)
warum die Aufregung
Ich kann diese ganze aufregung nicht verstehen. Wenn jemand so viele seelische Qualen auf Grund seiner Lebenssituation nicht mehr ertragen kann sollte man ihn nicht verurteilen wenn er den Suizuid als letzten Ausweg sieht. Ich kann solche Leute nur zu gut verstehen.
horst.pachulke (21.11.2008, 23:51 Uhr)
Manche Kommentare strotzen nur so vor abwesender Reflexion. Und lassen das letzte Quentchen Ahnung vermissen.
1. Über 90% aller Selbstmörder kündigen ihre Taten vorher an. Mehrmals. "Theatralisch", da
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2. sie in großen seelischen Schwierigkeiten stecken und einen Ausweg aus ihrer Pein suchen - und nicht sterben wollen. Die Qualen sollen aufhören. Sie brauchen dazu Hilfe und wissen das noch nicht - oder bekommen/finden einfach keine. Deshalb:
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3. Essentiell wichtig ist es, solchen Menschen dazu zu raten, sich HILFE zu suchen. Und nicht noch auf ihnen rumzuhacken ("Weichei", "bring' Dich doch um"). So jemand liegt am Boden. Da muss man nicht noch reintreten. Es sei denn, man ist ein echtes Weichei - oder sieht man das inzwischen anders?
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4. Jemand, der so einem Menschen dann weiterhilft, ist ein echter Freund. Schade, dass es keinen solchen gab für den jungen Mann. Er lebte heute vielleicht noch?
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5. Wenn so ein Mensch seine Krise überwunden hat und es gelingt, die Ursache hierfür zu beseitigen, wird er fast immer ein glücklicher Mensch.
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6. Wer also einen absolut unqualifizierten Beitrag gegenüber einem seelisch dermaßen Erkrankten raushaut, dass er im Nachhinein der Ansicht ist, dieser hätte so verstanden werden müssen(!), dass der Betreffende sich bitte umbringen möge, der darf sich, wenn das geschieht, anschließend ruhig so richtig SCHEISSE fühlen. Das ist dann normal. Und zeugt von einem Rest an Menschlickeit, der Grund zur Hoffnung gibt.
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7.Es ist wirklich bedenklich, so breit über einen derart inszenierten Selbstmord zu berichten.
Andererseits sollten auch Menschen, die davon Zeuge werden (im Rahmen eines Chats) wissen, dass das Ernst sein kann. Und dann Rettungskräfte informieren, wenn sie so etwas selbst erleben.
Sonst schwafeln sie noch was von "freiem Willen" und "Weichei" und halten Andere davon ab, das Richtige zu tun.
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