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23. Mai 2006, 16:52 Uhr

Großrazzia gegen deutsche Raubkopierer

Zahlreiche Nutzer einer Internet-Tauschbörse erhielten heute unerwartet Besuch von der Polizei, deutschlandweit wurden bei einer Razzia gegen Raubkopierer Wohnungen durchsucht - und nicht nur illegal kopierte Musikdateien beschlagnahmt.

Auf der Online-Börse "eDonkey" werden Musiktitel illegal getauscht© DPA

Im Kampf gegen den illegalen Tausch von Musiktiteln im Internet ist der Staatsanwaltschaft in Köln nach eigenen Angaben der bisher größte Schlag in Deutschland gelungen. Wie die Ermittler mitteilten, gab es bundesweit 130 Hausdurchsuchungen. Dabei wurden 3.500 Verdächtige identifiziert, die jeweils bis zu 8.000 Dateien über die Tauschbörse "eDonkey" angeboten haben sollen. Gegen alle Beschuldigte wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Festnahmen gab es keine.

Zahlreiche Computer sichergestellt

"Es handelt sich um das größte Verfahren, das jemals in Deutschland gegen illegale Angebote in Internettauschbörsen durchgeführt wurde", sagte der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Jürgen Krautkremer. Die Durchsuchungen seien am Dienstag bundesweit zeitgleich gestartet und von der Kreispolizeibehörde im Rhein-Erft-Kreis koordiniert worden. Zahlreiche Computer und andere Beweismittel konnten sichergestellt werden. Vorausgegangen waren monatelange Ermittlungen der Strafverfolger.

Überrascht zeigte sich Krautkremer von der Altersstruktur der Betroffenen. Es seien relativ wenige Jugendliche dabei gewesen, sehr viele junge Erwachsene, aber auch ältere Menschen. Regionale Schwerpunkte gab es bei den Durchsuchungen nicht. Die Zahl der Aktionen habe jeweils der Größe der Bundesländer entsprochen, sagte Krautkremer. So habe es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen und Bayern je 19 Durchsuchungen gegeben, im Saarland nur eine.

Zugriff nach zwei Monaten

Die Ermittler beobachteten zwei Monate lang einen Server im Rhein-Erft-Kreis, über den das Netzwerk verbunden war. Mit einer eigens entwickelten und weltweit einmaligen Software wurden in dieser Zeit 800.000 Datensätze und 14 Gigabyte Log-Dateien gesichert. 40.000 Internetadressen wurden auf diese Weise ermittelt. Viele davon waren nur zeitweise vergeben. Mit Hilfe der Internetprovider konnten nach schließlich 3.500 Nutzer namentlich identifiziert werden.

Durchsuchungsanträge seien für diejenigen gestellt worden, die im Beobachtungszeitraum 500 und mehr Dateien angeboten hätten. 500 Dateien entsprechen Krautkremer zufolge rund 25 bis 30 Musik-CDs. Die Beschuldigten hätten sich strafbar gemacht, da sie gegen das Urheberrecht verstoßen hätten. Dafür seien Geldstrafen oder auch Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vorgesehen. Zudem müssen die Beschuldigten mit Schadenersatzforderungen der Musikfirmen rechnen. Diese lagen in der Vergangenheit zwischen 4.000 und 15.000 Euro.

Beschlagnahmte Dateien werden ausgewertet

Die Ermittler gehen davon aus, dass bei der Auswertung der sichergestellten Dateien in den kommenden Monaten auch illegal heruntergeladene Filme, Software und vermutlich auch kinderpornographische Darstellungen gefunden werden.

Die Musikindustrie begrüßte das Vorgehen der Kölner Ermittler ausdrücklich und dankte ihnen für die Arbeit. Von einem wichtigen Schritt sprach der Vorsitzende der International Federation of the Phonographic Industries (IFPI), John Kennedy, der eigens nach Köln gekommen war. Die Internetpiraterie habe die gesamte deutsche Musikszene schwer getroffen, was in den vergangenen fünf Jahren zu einem Umsatzverlust von etwa einem Drittel geführt habe.

Umsatzeinbußen von 50 Prozent

Seit 1999 habe die deutsche Musikindustrie fast 50 Prozent des gesamten Umsatzes eingebüßt, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Landesgruppe der IFPI, Peter Zombik. 1999 habe der Umsatz in Deutschland bei knapp 3 Milliarden Euro gelegen. 2005 seien es noch 1,5 Milliarden Euro gewesen. Die Zahl der Mitarbeiter im engeren Bereich der Musikfirmen sei von 14.000 auf knapp über 9 000 zurückgegangen. "Der Grund hierfür ist in ganz erheblichem Maße, dass wir mit einer Flutwelle von Internetpiraterie überschwemmt worden sind", sagte Zombik.

Es sei schwer, legale Dienste im Markt zu etablieren. 415 Millionen Titel seien 2005 illegal aus Filesharing-Diensten heruntergeladen worden. Auf legale Angebote entfielen im selben Zeitraum nur 20 Millionen Titel.

Der Austausch von Musik-Dateien über das Internet wird dann strafbar, wenn Urheberrechte verletzt werden. Die Behörden sind schon mehrfach sowohl gegen Internet-Seitenbetreiber als auch gegen Serverinhaber wegen Verletzungen von Urheberrechten vorgegangen.

Ihre Meinung

Verhindern harte Strafen Raubkopieren? Was könnte die Musikindustrie tun, damit ihre Produkte mehr gekauft als kopiert werden?

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DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
at67 (24.05.2006, 11:10 Uhr)
Gierige Industrie
Solche Aktionen passieren auch nur in Deutschland! Logisch, hier ist ja auch einer der grössten Märkte. Wenn die Musikindustrie die Geister die sie rief nun auch wieder vertreiben würde, gäb es diese Probleme nicht in dem Umfang. Die Zeiten sind viel zu schnelllebeig geworden, hat man sich früher wochenlang mit einer neuen Scheibe beschäftigt, sind es heute nur noch Tage. Die Übersättigung ist gross, dazu kommt das keiner mehr die Kohle hat. Ausserdem sind die Preise für das bisschen Plastik viel zu hoch. Der Kauf einer CD / DVD ist auch kein Erlebnis mehr. Dank der Musikindustrie sind Media Markt / Saturn und WOM zu ungeahnten Grössen gewachsen. Wo bitte schön ist denn beim Media Markt ein positives Kauferlebnis? Dann doch lieber bei Amazon. Wo sind die ganzen kleinen Musikläden geblieben? Ähnlich dem "Tante Emma Prinzip" verschwunden. Ich habe über 1500 CD`s in vielen Jahren zusammen getragen, kaufe aber nie(!!!) in einem der oben genannten Märkte. Dementsprechend kaufe ich auch viel weniger, oder bediene mich bei iTunes. Eine CD ist einfach keine 13Euro Wert. Basta. Auch keine 10 Euro, höchstens 7. Oder mit dem Mehrpreis steigt auch der Mehrwert. Grosse Verpackungen wie bei den LP´s. vernünftige Booklets etc. etc. Aber das wird es nie geben. MONEYTALKS!!! Wenn der Diebstahl von Benzin so einfach wäre wie ein illegaler Download ...
uniQue (23.05.2006, 19:48 Uhr)
Das Thema ist ein Alter Hut
aber dennoch aktuell. ich kann meinen zwei vorrednern nur zustimmen, die preise für cds und dvds sind viel zu hoch - heutzutage zahlt man mind. 13 euro für eine relativ aktuelle von einem der majors produzierte cd - das ist einfach zu viel. jetzt beschwert sich die ach so arme musikindustrie und der kleine verbraucher wird zur kasse gebeten. das verstehe ich nicht. ich für mich kann nur sagen, dass ich mir eine cd erst kaufe wenn ich sie mind. einmal in ruhe durchgehört habe - in ruhe - das heißt nicht im saturn an einer der vorhörstationend stehend - erst wenn sie mir gefällt kauf ich sie mir und will den interpreten untersützen, ich denke so wie ich denken viele andere auch, das internet is die beste promo die die platten industrie haben kann - wenn es das inet nicht gebe, haetten die plattenfirmen einen viel geringeren umsatz - denn mal ehrlich, wer von uns würde für 13 euro und mehr die katze im sack kaufen.
Wupper (23.05.2006, 19:19 Uhr)
Musikindustrie der Jura
Bitee erst verzei meine Grammatik, ich habe Schwedich als Hauptsprache.
So, die Musikindustrie redet davon das mann Milliarden Euro jedes Jahr durch den Tausch von Einzen und Nullen in der Interactiven Welt Verliert. Vieleicht sollte die Musikindustrie mal nachschauen wie man das eher ausnutzen kann, wie man da dran Geld durch Verkauf verdienen kann. Der Verlust den die behaupten, liegt ehr da dran das die Preisse von Cd:s und Dvd:s viel zu hoch ist. Die normale Industrie sucht immer bessere Wege zum Geld verdienen, und da wurde die Musikindustrie viel zum Lernen haben.
DerFalkner (23.05.2006, 17:18 Uhr)
Wie seinerzeit Freiherr von Gravenreuth...
...in meiner Jugend Angst und Schrecken verbreitet hat, indem Durchsuchungen von Kinderzimmern erwirkte, um illegale Kopien von C64 Spielen beschlagnahmen zu lassen und Exempel zu statuieren gibt es noch heute im Informationszeitalter Kreuzritter, die hier und da die durch die allgemein stagnierende Wirtschaft ebenso Rückläufigen Verkaufszahlen der Unterhaltungsindustrie durch Schadensersatzforderungen aufzubessern suchen.
(Eines Tages hat es dann auch den Partner der Gravenreuthschen Kanzlei getroffen, der sich, wie wohl kaum einer jenseits der Linux-Welt eben auch nicht vom illegalen Gebrauch von Software freisprechen konnte…)
Was ist nur los mit dieser Welt? Sind 15.000 Euro wegen ein paar Nullen und Einsen auf einer Plastik- oder Metallscheibe wirklich gerechtfertigt? Wie oft muss man sich da das entsprechende Werk anhören oder ansehen, damit sich das auch lohnt? Und wer gibt sich denn tatsächlich über kurz oder lang mit der billigen Kopie zufrieden, wenn es nach drei Jahren das „Original“, welches doch auch nur eine Kopie ist, endlich für erschwingliche unter zehn Euro zu kaufen gibt, damit es dann ebenso unbeachtet nur im Regal rumsteht und einstaubt? Gehen Raubkopierer (nebenbei: Raubritter klingt ja schon schlimm, Raubmord noch schlimmer, aber wem stiehlt (oder vielmehr entreißt) ein Raubkopierer etwas, oder tut Gewalt an, wenn es nicht gerade ein Ballerspiel ist, das da vervielfältigt wird?!?) tatsächlich weniger ins Kino, weil sie den Film mit japanischem Untertitel und mit durchs Bild laufenden Kinobesuchern gesehen haben? Und warum wurde nie ein Tonbandromantiker eingekerkert, weil er ein Kassettenmädchenband aus seiner Kuschelrock-LP zusammengeschnitten hat? Wo zum Henker… aber ich rege mich nur auf.
Es lebe die Informationsfreiheit und das Kassettendeck, mit dem ich noch heute Lieder aus dem Radio aufnehme, für das ich GEZ-Gebühren zahle…
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