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27. Juli 2006, 14:47 Uhr

Plattenindustrie plättet Kazaa

Niederlage für die Internet-Tauschbörse Kazaa: In einer außergerichtlichen Einigung mit dem Internationalen Phonoverband haben die Betreiber zugesagt, die Verbreitung von Raubkopien zu unterbinden. Kazaa soll nun seriös werden.

Screenshot der Kazaa-Website. In Australien darf das Programm seit Februar nicht benutzt werden© www.kazaa.com

Die Musikindustrie hat in einer außergerichtlichen Einigung die Betreiber der Internet-Tauschbörse Kazaa verpflichtet, den illegalen Zugang zu urheberrechtlich geschützten Musikstücken zu unterbinden. Außerdem habe sich Kazaa bereit erklärt, eine "erhebliche Summe" an die geschädigten Plattenfirmen zu zahlen, die vor verschiedenen Gerichten gegen Urheberrechtsverletzungen im Kazaa-Netzwerk vorgegangen waren, teilte die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) in London mit. Nach Informationen des britischen Rundfunks BBC soll es sich dabei um 100 Millionen Dollar (78,4 Mio. Euro) handeln. Kazaa werde künftig in sein Netz Filter einbauen, um das illegale Tauschen von Songs und anderen geschützten Inhalten zu verhindern.

Trotz des Sieges über Kazaa beklagte der Verband, das illegale Geschäft mit Musik habe immer noch riesige Ausmaße. Im vergangenen Jahr seien weltweit mehr als 1,2 Milliarden gefälschte CDs verkauft worden Damit sei jede dritte CD, die in den Handel komme, schwarz gebrannt. Dies entspricht in etwa den Zahlen des Vorjahres. Der Verband schätzte zudem, dass 2005 rund 20 Milliarden Titel ohne Bezahlung übers Internet heruntergeladen wurden.

"Kazaa hat international den Diebstahl von urheberrechtlich geschützten Werken vorangetrieben", sagte John Kennedy, Chairman der IFPI. "Dies hat die gesamte Musikindustrie geschädigt und unsere Versuche behindert, eine legales digitales Geschäft aufzubauen." Kazaa habe für seine Vergangenheit einen hohen Preis zahlen müssen. Kazaa werde künftig auf ein legales Modell umschwenken und seine "machtvolle Distributions-Technologie" für einen legitimen Zweck einsetzen.

Dezentrales Modell

Kazaa wird von der Firma Sharman Networks Ltd. auf der Basis des Internet-Netzwerks "FastTrack" betrieben. Dabei hält Kazaa - im Gegensatz zum ehemaligen Filesharing-Dienst Napster - keine zentrale Liste der Dateien vor, sondern ermöglicht eine dezentrale Suche. Sharman hatte in der Vergangenheit immer argumentiert, lediglich eine technische Plattform zur Verfügung zu stellen und für mögliche Urheberrechtsverstöße der Anwender nicht verantwortlich zu sein.

Versteckt im Südpazifik

Nach Rechtsstreitigkeiten in Europa und den USA hatte sich Sharman Networks aus den Niederlanden auf die Inselgruppe Vanuatu im Südpazifik zurückgezogen. Das Unternehmen finanziert sich bislang durch Werbung in der Kazaa-Software. Kritiker von Kazaa werfen dem Unternehmen vor, für die Verbreitung so genannter Spyware verantwortlich zu sein, die persönliche Daten für Werbezwecke ausspioniert.

Vor der außergerichtlichen Einigung hatten die großen Plattenfirmen Kazaa durch ein Gerichtsurteil gezwungen, die Dateitauschbörse in Australien zu schließen. Außerdem waren die Labels in den USA gegen Sherman Networks vorgegangen. Diese Verfahren werden nun beendet.

DPA
 
 
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