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1. August 2008, 18:33 Uhr

So blockiert China das Web

Peking sendet widersprüchliche Signale, wie offen die Olympischen Spiele sein werden. Nachdem die Führung noch vor zwei Tagen die Internetzensur verteidigte, hat sie gesperrte Seiten jetzt freigegeben - zum Teil. So surft es sich aus Peking im Internet. Von Adrian Geiges und Gerd Blank

Zoom

Das China öffnet für Journalisten das Internet - fast© Gero Breloer/DPA

Rund 25.000 Journalisten aus aller Welt werden in den kommenden Wochen in Peking von den Olympischen Spielen berichten. Allerdings ist die Berichterstattung nur eingeschränkt möglich, denn das beliebte Recherche-Tool Internet steht nicht im vollen Umfang zur Verfügung. In China wird der Zugang zum Internet zensiert. Das ist nicht neu, selbst Unternehmen wie Google, Yahoo und Microsoft haben sich längst den restriktiven Bestimmungen unterworfen, um auch in China Geschäfte machen zu können.

Eine besondere Tragweite bekommt die Web-Zensur nun durch die Olympischen Spiele in Peking. Sport-Journalisten, die bislang kaum über politische Zusammenhänge, sondern über sportliche Wettkämpfe berichtet haben, sind erbost über die auferlegten Einschränkungen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat nach eigenen Angaben bis zuletzt nichts von einer Zensur-Vereinbarung seiner lokalen Organisatoren und der chinesischen Regierung gewusst. Und China hat sich als Gastgeber der Spiele verpflichtet, Journalisten freies Arbeiten zu ermöglichen. Noch am Mittwoch sagte ein Sprecher des Pekinger Organisationskomitees für die Spiele, man werde weiterhin "bestimmte Seiten" blockieren. So konnte man die Seiten der Deutschen Welle und von Amnesty International nicht öffnen. Diese sind heute Abend Pekinger Zeit wieder frei zugänglich. Auch die Online-Auftritte einiger kritischer Hongkonger Zeitungen lassen sich jetzt wieder lesen. Roseann Rife, stellvertretende Direktorin des Asien-Pazifik-Programms von Amnesty International, hat dies begrüßt. Doch sie fügte hinzu: "Willkürliches Blockieren und Entblockieren von bestimmten Seiten erfüllt noch nicht die Pflicht, sich an internationale Standards von Freiheit der Information und des Ausdrucks zu halten."

Zensur ist Alltag

Für alteingesessene China-Bewohner sind solche Wechsel Alltag - wobei die Tendenz in Richtung mehr Freiheit geht. Früher waren etwa Wikipedia und CNN gesperrt, das ist schon seit einiger Zeit nicht mehr der Fall. stern.de und Spiegel.de waren nicht sonderlich betroffen, wohl auch deshalb, weil in China nur wenige Deutsch sprechen. Alltag ist jedoch, dass die Zensoren brisante Beiträge in chinesischen Blogs und Foren löschen - aber auch dort längst nicht alles. Im Internet herrscht in China trotz alledem viel mehr Freiheit als in den gedruckten Medien.

Die Zensur ist rein technisch gesehen "keine große Sache", sagt Florian Schäffer, Diplom-Informatiker in Berlin und Fachautor von Büchern wie "Anonym und sicher surfen" und "Hacker's Dirty Tricks". "Dafür benötigt man im Prinzip die gleiche Software, wie sie Eltern in Deutschland benutzen, wenn sie ihre Kinder vor unerwünschten Seiten schützen." Nur dass in China Parteikader die ganze Bevölkerung wie Kinder behandeln.

Zensur mit westlicher Hilfe

Doch wie funktioniert die Sperre von ungewünschten Angeboten? China verhindert nicht einfach nur den Zugriff auf Seiten. Während noch vor kurzem einfach komplette Angebote blockiert wurden, filtert die chinesische Zensur inzwischen auch einzelne Inhalte von sonst offen zugänglichen Angeboten wie Wikipedia oder Youtube. Das funktioniert nur, weil alle chinesischen Provider die Vorgaben der Regierung erfüllen. Aber nicht nur einheimische Unternehmen sind dem Regime zu diensten, auch westliche Firmen erfüllen die Zensur-Wünsche. Während die chinesische Google-Seite oft ganz andere Suchergebnisse anzeigt als die amerikanische Seite, hilft die US-Firma Cisco Systems beim Aufbau der Netz-Infrastruktur. Erst mit dieser Technologie ist es den Zensoren überhaupt möglich, mit speziellen Filtern ungewünschte Inhalte auszusortieren.

Neben automatischen Systemen kommen auch rund 30.000 Zensoren zum Einsatz, die bekannte Treffpunkte im Internet nach subversiven Inhalten durchsuchen.

Chinas Internetnutzer sind jetzt gespannt, welches Wechselspiel sie in den nächsten Tagen erleben werden - und wie es nach den Olympischen Spielen weitergeht. Nach dem Dalai Lama konnte man heute bei Google suchen und dann etwa den Text über ihn auf Wikipedia lesen. Klickte man aber die ihn unterstützende Seite www.tibetfocus.com, kam die Meldung "Fehler: Netzwerk-Zeitüberschreitung". Die Suche nach der verbotenen Sekte Falun Gong führte zum Absturz von Google und der Anzeige "Fehler: Verbindung unterbrochen".

Von Adrian Geiges und Gerd Blank
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Countryjoe (03.08.2008, 09:33 Uhr)
Nicht nur China
Natürlich wird das Netz in China zensiert. Daran zweifelt wohl niemand. Aber so zu tun, als ob es bei uns keine politische Zensur des Netzes gäbe, ist eine glatte Lüge. Wenn man alleine nur die "Youtube"-Seiten berachtet die in Deutschland nicht zugänglich sind, weiß man Bescheid.
LaoLu (02.08.2008, 14:37 Uhr)
und zaxxon: lesen, lesen,
und das ganz langsam und konzentriert, dann geht das!
.
Ich habe für den stern eine Lanze gebrochen.
Für den Fall, daß Ihnen dieser Ausdruck unbekannt ist: ich habe das Verhalten des stern gelobt.
LaoLu (02.08.2008, 14:24 Uhr)
Tja, Bärchen,
dann müssen wir uns ja duzen.
Geht nicht anders unter Kollegen.
.
Zu Deinem Kommentar: der zeigt eigentlich nur deutlich, daß Du keine Ahnung von der tatsächlichen Situation in China hast.
Bei der Wahl der Ortsvorsteher läuft das mittlerweile so, daß sogar NICHT-Parteimitglieder diesen Posten gewinnen.
Und da bricht (normalerweise) niemand einem anderen irgendetwas.
.
Die höheren "Parlamente" (Bezirk, Kreis, Stadt) werden wie eh und je ohne Befragung des Volkes besetzt.
.
Du am 16.Mai schon mal einen Beitrag abgelassen, den ich leider nicht mehr kommentieren konnte, weil die Funktion abgelaufen war.
Der ging so:
Zitat-
Wenn ich an das jetzige China denke...
...fällt mir immer spontan ein Zitat von Werner Finck zu Zeiten des Hitlerfaschismus ein: In unserem Land kann jeder sagen, was er denkt. - Er muss nur das richtige Denken.
Übrigens: Auf Besuchen in China, sei es eingeladen oder in einer Reisegruppe lernt man nicht das richtige China kennen, sondern erlebt eine gekonnt gemachte Vorstellung à la Schmierentheater. Wenn man als "Langnase" in China unterwegs ist, und nicht man selbst wird von "unbeteiligtem Volk" angeschaut, sondern der Fokus der Leute richtet sich mehr oder weniger starr auf die einen begleitenden "Touristik-Mitarbeiter", dann weiß man als gestandener früherer DDR- und UdSSR-Besucher schnell, was die Stunde geschlagen hat. Mit einem gravierenden Unterschied allerdings: In China sind die Menschen noch viel, viel vorsichtiger...
Zitat Ende.
.
Da kommt das DDR-Trauma wieder mal durch.
Aber, Bärchen, China ist nicht die DDR.
.
Setz' Dich mal in den Flieger (nach Olympia), komm her, und guck Dir den ganzen Laden mal selbst an.
Du wirst staunen!
LaoLu
Watschdog39 (02.08.2008, 13:33 Uhr)
Eisenbear
Immer wenn ich etwas unterdrücke oder lösche übe ich Zensur aus; ohne Ausnahme!!!
Alleine der Ausdruck "Schmiererei" ist schon diffamierend, da er schließlich die Meinung eines anderen bezeichnet.
Hier wird jemand auf das übelste niedergemacht, weil er China gut findet. Mit der Nazikeule geht nicht, da entsprechende Reizworte in seinen Beiträgen nicht vorkommen. Also muss er dann noch linker als die LINKEN stehen !?
In dieser Hetzerei gegen China steckt System, es wird etwas bezweckt. Und das ist keinesfalls Menchenrechte, Demokratie und so weiter. Hier geht es schlichtweg um Geld!!
Mach die Leute dort aufmüpfig, fache Unruhen an und sieh zu wie das Land auseinander bricht. Das wäre ein Schmaus für die "Heuschrecken".
Darüber sollten sich die Schlauberger hier auch mal Gedanken machen.
Tibet hat nicht so geklappt, das Strohfeuer war schnell erloschen.
Nun kommen die vielen kleinen Nadelstiche in der Hoffnung genug Beachtung zu finden und Unruhe zu schüren.
Strom.Berndberg (02.08.2008, 12:28 Uhr)
tibetfocus
irgenbdwie ist die seite www.tibetfocus.com aus deutschland auch nicht zu erreichen...
Eisenbaer (02.08.2008, 11:42 Uhr)
Der Unterschied zu Deutschland ist...
...das in China des Internet teilweise blockiert wird. Wenn sich wer nun darüber beklagt, dass der Stern nicht jede Schmiererei als Kommentar duldet und das als Zensur verstehen möchte, bitte das ist genauso sein gutes Recht, wie das des Hausherren. Jeder nimmt sein Recht in Anspruch seine Meinung kund zu tun.

Und genau das ist in China nicht möglich. Ja man kann nicht einmal eine Webseite öffnen, die den Machthabern nicht genehm ist. Und vermutlich ist auch zu befürchten, das E-Mails von Schnüffelprogrammen gelesen, ggf. aussortiert und ggf. gegen die beteiligten Personen gerichtet eingesetzt werden.

DAS versteht man unter staatlicher Zensur: Keine Privatsphäre mehr.

Und auch keine Kommentare unter einem Nickname mehr, sondern wer einen nicht staatstragenden Kommentar in ein eventuelles chinesisches Gegenstück zum Stern einstellen würde, müsste sich auf den Besuch von ein paar "Man in Black" einstellen, die einen zu einer längeren, sehr intimen Unterredung abholen würden.

Also bitte Vorsicht mit solchen Kommentaren wie dass in "Görmany" doch alles genauso wie in China ist. Denn so ein Kommentar ist genauso, als wenn wer behauptet, dass ein Sandkastenkuchen genauso gut schmeckt wie Sachertorte. - Bildlich ausgedrückt. - In Deutschland können wir Torte essen, aber in China beißen sich unsere Mit-Weltbürger die Zähne am "Kuchen" aus.
Eisenbaer (02.08.2008, 11:23 Uhr)
@LaoLu
Und wenn wer auf dem Dorf nicht den richtigen wählt schlürft seinen Reis am nächsten Tag aus der Schnabeltasse, weil er gebrochene Finger besitzt und ihm die Zähne fehlen. Das hätten SIE nicht gedacht was, das wir das wissen, was? Denn Dank Internet ist die Welt ein großes Dorf geworden. - Sie müssen das, was in ihrem kleinen roten Büchlein steht nicht immer so ernst nehmen. Es handelt sich dabei eher um "Realsatire".

Ich habe seiner Zeit als aktiver Gewerkschaftler den Versuch der KPDML miterleben können, wie diese versucht hat, Einfluss auf einige Gewerkschaften zu nehmen, dabei aber kläglich versagte. Seien Sie mir bitte nicht böse, aber Ihre sachliche Argumentation erinnert doch sehr an deren Sprachverständnis. - Sie sind nicht zufällig einer der letzten drei Überlebenden der Maoistisch/Marxistischen-Leninistischen Parteikader Westdeutschlands?

Wenn nicht, könnte Sie aber bestimmt die Ehrenmitgliedschaft bei denen erwerben!

DerDa (02.08.2008, 10:35 Uhr)
mal ne Frage?
Hier in Görmoney, wird das Web doch auch blockiert ???
Watschdog39 (02.08.2008, 10:09 Uhr)
Ich muss doch lachen, wenn hier Worte fallen wie
sachlich, keine Zensur, Meinungsfreiheit, Demokratie usw.
Man könnte glauben hier wäre das Nirwana der geistigen Elite Deutschlands.
Das hört aber sofort auf, wenn einer seine Meinung über Ausländer, Deutschtum, Nationalstolz, also alles Begriffe, die sofort und ohne nachzudenken dem rechten Lager zugeordnet werden, hier wiedergibt.
Da wird nicht mehr sachlich diskutiert, da wird die "Nazikeule" rausgeholt und jede Diskussion abgewürgt.
Im Moment ist China an der Reihe, wenn einer der heute seltenen PitBull mal jemand anpinkelt stehen die wieder auf der Titelseite.
zaxxon (02.08.2008, 09:54 Uhr)
propagnda LaoLu on tour...
seit monaten verteidigen sie die chinesische diktatur, ohne ein kritisches wort darüber zu verlieren...nun sagen sie schon, machen sie das hauptberuflich oder sind sie einfach nur menschenverachtend?
sie verteidigen ne diktatur und reden über zensur beim stern, sie machen sich lächerlich!
schlechte grüße ans politbüro 610...
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