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22. Juli 2007, 14:48 Uhr

Fußballgucken in der Grauzone

Für Fußballfans sind sie ein Segen: Livestreams, die übers Internet Spiele der Bundesliga übertragen. Doch selten sind sie legal. Pay-TV-Anbieter wollen nun gegen diese Angebote vorgehen - sogar die Zuschauer könnten belangt werden.

Livestream der Bundesliga: Fußball-Übertragungen im Netz sind eine Rechtefrage© Schierenbeck/DPA

Samstag, 15.30 Uhr, Anpfiff zum Bundesligaspieltag: Für viele Fußballfans ist das der Beginn eines Trauerspiels. Sie können die Partie ihrer Mannschaft nicht zu Hause im Fernsehen anschauen. Denn die Begegnungen laufen nur auf Bezahlsendern live und in voller Länge. Wer dafür kein Abo hat, guckt in die Röhre - oder schaut die Spiele kostenlos im Internet über ausländische Webstreams. Damit begeben sie sich allerdings in eine rechtliche Grauzone.

Pay-TV-Anbieter und Verbandsvertreter sind von der neuen Fußball-Fangemeinde im Internet wenig begeistert. "Wir werden gegen solche Internet-Piraterie rechtlich vorgehen", sagt Tom Bender von der Deutschen Fußball Liga in Frankfurt. Die kostenlosen Web-TV-Angebote seien in der Regel illegal: Ausländische Anbieter wie etwa der chinesische Sender CCTV-5 hätten zwar die Rechte für eine Fernsehübertragung von Spielen der deutschen Bundesliga, nicht aber für die weltweite Ausstrahlung über Webstreams. Auch andere Sender dürften ihre Internet-Übertragung nur regional begrenzt anbieten. Der Empfang in Deutschland müsse dabei gesperrt bleiben. Bei hier zu Lande frei zugänglichen Streams würden die Fernsehsignale daher von PC-Nutzern verbotenerweise über das Netz verbreitet.

Nutzer riskieren eine Abmahnung

Die Technik der Streaming-Anwendungen ist rechtlich problematisch: Denn sie arbeiten ähnlich wie Tauschbörsen-Programme, um das Signal zu verstärken und so die Bandbreite der Übertragung zu erhöhen. So empfangen Fußballfans nicht nur das Signal des Webstreams, sie werden gleichzeitig auch zum Sender. "Diese Art der Weiterverbreitung gleicht dem Raubkopieren", sagt der Rechtsanwalt Johannes Richard aus Rostock, der auf Internetrecht spezialisiert ist. "Nutzer können dabei leicht anhand ihrer IP-Adresse verfolgt werden und riskieren daher eine Abmahnung."

Wer die Bundesliga per Web-TV verfolgen will, kann dies laut Bender in Deutschland auch schon legal tun - zum Nulltarif sei dies aber nicht zu haben. Für Live-Übertragungen und Zusammenfassungen kurz nach dem Spiel müssten Fußballfans daher auch in Zukunft bereit sein, etwas zu bezahlen.

Mancher Fan sieht das anders - und hofft darauf, dass die komplexe Technik der Internet-Livesendungen eher als rechtliche Grauzone gewertet wird. So bietet etwa Markus Schumann aus Dresden im Internet unter sportstreams.eu aktuelle Programmtipps für kostenfreie Websendungen an. "Das Angebot an Webstreams ist groß - so werden neben der Bundesliga oder der Champions League auch Länderspiele ausgestrahlt."

Offiziell richtet sich die Seite nur an Deutsche im Ausland, die in den jeweiligen Ländern die Übertragungen legal sehen können. In der Praxis dürften aber auch viele Surfer in Deutschland die Tipps zum kostenfreien Empfang von Sportstreams befolgen - schließlich ist die nötige Technik leicht erhältlich. Fans brauchen lediglich einen schnellen Internetzugang und ein passendes Programm. Solche Software lässt sich kostenlos im Internet herunterladen. Ob sich die Nutzer aber über die rechtlichen Probleme bewusst sind, ist fraglich.

Fans haben zudem laut Schumann oft mit technischen Problemen zu kämpfen, wenn sie ein Spiel gratis im Web verfolgen wollen. "Ab und zu sind Streams recht verschwommen und laufen nur ruckelnd oder gar nicht." Viele Fans seien deshalb enttäuscht, wenn sie das erste Mal einen Fußball-Stream anschauen. Letztlich bleibt als legale Alternative zum Bezahlfernsehen wohl doch nur der Gang in die nächste Fußballkneipe.

Tobias Schormann/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
CeeTo (23.07.2007, 11:35 Uhr)
-.-
Solange ich über einen fremden, im Ausland lokalisierten Proxy Server ins Internet gehe wird es schwer sein meine IP Adresse in Deutschland zurück zu verfolgen.
Aber ich wünsche den Verantwortlichen trotzdem viel Glück bei ihren Ermittlungen und dem Ausnehmen der Fussballfans. Wer wirklich mal über diese Streams Fussball geschaut hat wird wissen, dass es kein Vergleich zum richtigen TV ist. Ich bin mir sicher dass das Bezahlfernsehen dadurch keine Kunden verliert.
atticus (23.07.2007, 10:43 Uhr)
...
"Wie will man Internet regional begrenzen?"
Anhand der IP-Adresse zum Beispiel?
manndernichtdaist (23.07.2007, 07:35 Uhr)
Da bin ich gespannt...
... wie die dagegen vorgehen wollen, gegen asiatische Sender, die sich die Rechte für die Bundesliga gekauft haben und es bei denen Gang und Gäbe ist ihre Sendungen ins Internet zu senden.
Ausserdem ist der Satz: "andere Sender dürften ihre Internet-Übertragung nur regional begrenzt anbieten." ein Witz schlechthin. Wie will man Internet regional begrenzen? Wenn die DFL gegen Streams vorgeht will ich den schriftlichen Vertrag sehen der mit z.B. CCTV-5 eingegangen worden ist, ob da wirklich sowas drinsteht wie "regional begrenzt". Denn das wage ich stark zu bezweifeln.
Und nochwas: Für FUSSBALL im TV lass ich mir kein Geld aus den Hosentaschen ziehen - soviel ist sicher. Lieber dann gar nicht mehr. Schau ich eben Tennis oder Handball im Öffentlich-Rechtlichen. GEZ muss ich ja schliesslich bezahlen ohne Alternative.
forever_techno (22.07.2007, 17:30 Uhr)
scheinheilig? gierig!
ich finde die gier (wie bei der musikindustrie) viel schlimmer - die kriegen doch schon genug geld in den allerwertesten geblasen, und wollen immer noch mehr ... schlimm!
Bennington (22.07.2007, 15:07 Uhr)
Scheinheilig
Ich finde es immer herrlich scheinheilig wie gewisse Online- und vor allem Printmedien über die ach so furchtbaren illegalen Angebote im Web berichten - und gleichzeitig mehr oder weniger detaillierte Anleitungen veröffentlichen wie diese Angebote auch der letzte Depp noch nutzen kann. In diesem Fall der Hinweis auf pptv.
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