Wochenlang bekriegte sich das Internetportal mit Microsoft und dem aktivistischen Investor Carl Icahn. Doch auf der Hauptversammlung scheint das alles vergessen: Icahn wird als "good guy" gelobt - und die Aktionäre interessieren vor allem Menschenrechte in China. Von Helene Laube

Yahoo-Gründer Jerry Yang wirkte nach der Aktionärsversammlung sehr gelöst - seine Gründe für das Ablehnen der Microsoft-Offerte überzeugten die Anleger© AP
Viele Aktionäre des weltgrößten Internetportals mögen sich in den vergangenen Wochen und Monaten über den verpatzten Microsoft-Deal beklagt haben. Auf der Yahoo-Haupversammlung in San Jose im Silicon Valley war am Freitag erstaunlich wenig davon zu hören. Die Anteilseigner bestätigten den Verwaltungsrat sogar mit großer Mehrheit im Amt. Yahoo-Mitbegründer und -Vorstandschef Jerry Yang, dem lange die Demontage drohte und der einen Kampf um den Verwaltungsrat durch eine Einigung mit dem Großinvestor Carl Icahn abgewehrt hatte, wurde mit 85,4 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Der Verwaltungsratschef Roy Bostock erhielt 79,5 Prozent Zustimmung.
Der Verwaltungsrat berief Icahn, der sich am Freitag nicht blicken ließ, direkt im Anschluss an die zweistündige Versammlung im Hotel Fairmont in das Gremium. Bis zum 15. August will das Board zudem zwei der von Icahn vorgeschlagenen Kandidaten in das von neun auf elf Sitze erweiterte Board holen. Über die Berufung Icahns und seiner Kandidaten - ein von Yahoo ausgearbeiteter Kompromiss um den Firmenjäger in Schach zu halten - konnten die Aktionäre nicht abstimmen.
Fest steht, dass der ehemalige AOL-Chef Jonathan Miller nicht darunter sein wird. Der AOL-Inhaber Time Warner teilte am Freitag mit, dass Miller aufgrund einer Wettbewerbsklausel in seinem Auflösungsvertrag nicht bei dem AOL-Konkurrenten ins Board einziehen könne.
Bostock, der Icahn und seine Kompetenz in einem zunehmend aggressiven Briefwechsel vor dem Kompromiss wochenlang verunglimpft hatte, bezeichnete Icahn am Freitag vor den Aktionären als einen "klugen Kopf". Icahn sei ein "good guy", ungeachtet der Dinge, die während des Übernahmekampfs mit Microsoft über ihn geschrieben worden seien. Die Tatsache, dass Bostock selbst der Verfasser vieler dieser Beurteilungen war, sorgte für ungläubiges Grinsen im Saal.
Ob Icahn als Verwaltungsratsmitglied weiter versuchen wird, den Verkauf Yahoos oder des Yahoo-Suchgeschäfts an Microsoft zu orchestrieren, bleibt abzuwarten. Die Yahoo-Aktien haben rund 30 Prozent ihres Wertes verloren, seit Microsoft Anfang Mai das letzte Angebot in Höhe von 33 $ je Aktie zurückgezogen hatte.
Yahoo-Chairman Bostock betete in San Jose noch einmal en detail den Verlauf der rund sechsmonatigen "Drehungen und Wendungen" seit Microsofts ungebetener Übernahmeofferte am 31. Januar aus Yahoo-Sicht herunter. Er beteuerte mehrmals, dass Yahoo dem Angebot stets offen gegenüber gestanden und immer nur die Erhöhung des Shareholder-Value verfolgt habe. "Zu keinem Zeitpunkt lag ein zwingendes Angebot vor", sagte Bostock.
Das einzige schriftliche Angebot sei die ursprüngliche Offerte von 31 $ je Aktie gewesen und der Wert dieses Angebots sei in den Wochen danach aufgrund des sinkenden Kurses der Microsoft-Aktien auf 28 $ gefallen. Dies war nach Meinung von Yahoo zu wenig. Später habe Microsoft einem Yahoo-Manager gesagt, dass möglicherweise "ein paar Dollar mehr auf dem Tisch" seien. Und dann habe Microsoft das ursprüngliche Angebot zurückgezogen. "Warum, ist mir bis heute nicht klar", so Bostock.
Noch während Bostock sprach, konterte Microsoft. "Yahoo versucht einmal mehr, die Geschichte mit Aussagen umzuschreiben, die nicht von den Fakten gestützt werden", hieß es in einer an die Medien verschickten, zweizeiligen Mitteilung.
Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum für Yahoo die Menschenrechte so wichtig sind.