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27. Mai 2009, 16:30 Uhr

"Verfassungsrechtlich sehr kritisch"

Familienministerin von der Leyen bleibt bei ihren Plänen, Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten sperren zu lassen. Experten bezweifeln die Wirksamkeit solcher Sperren, da sich diese leicht umgehen ließen. Außerdem gibt es rechtliche Bedenken gegen das Vorhaben der CDU-Politikerin.

Internet, Sperre, Kinderpornografie

Auf dem Archivbild zeigt Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), welches Logo künftig erscheinen soll, wenn Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten aufgerufen werden© DPA

Im Streit um Internet-Sperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie will Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf die Kritiker zugehen, aber nicht von ihren Plänen abrücken. Bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages äußerten Experten am Mittwoch in Berlin erhebliche Bedenken zu dem von Union und SPD eingebrachten Gesetzentwurf. Vor allem die Rolle des Bundeskriminalamts (BKA) stieß auf heftige Kritik. Außerdem lasse der Entwurf eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet vermissen. Fraglich war sogar, ob der Bundestag für solche Maßnahmen überhaupt zuständig ist.

Von der Leyen erklärte, sie nehme die Kritik sehr ernst. "Von meinem Ziel, die freie Verfügbarkeit der Bilder vergewaltigter Kinder im Netz zu stoppen, lasse ich mich jedoch keinen Deut abbringen", sagte die Ministerin. In einem Interview mit "Spiegel Online" räumte sie aber "Nachbesserungsbedarf" bei dem Gesetzesvorschlag ein.

"Verfassungrechtlich sehr kritisch"

In ihrem Vorschlag wollten die Fraktionen der großen Koalition das BKA beauftragen, Listen von verdächtigen Websites zu erstellen. Der Zugang zu diesen Internetseiten sollte daraufhin erschwert werden. Von Sperren oder Blockaden könne laut Expertenmeinung aber nicht gesprochen werden, da diese relativ einfach zu durchbrechen oder umgehen seien. Dass eine Polizeibehörde und nicht ein Richter solche Abwehrmaßnahmen durchführen lasse, sei außerdem "verfassungsrechtlich sehr kritisch", sagte Strafrechts-Experte Ulrich Sieber.

Daneben beschäftigt die Kritiker vor allem, wie Websites auf die Sperrlisten kommen. BKA-Abteilungsleiter Jürgen Maurer kündigte diesbezüglich an, im Zweifelsfall eine Domain nicht auf die Liste setzen zu wollen. Basierend auf Informationen von Ländern wie Norwegen oder Dänemark, die bereits Sperrlisten führten, geht Maurer von "einigen 1000 Domains" aus, die zu sperren sind. Rund 150 bis 200 neue Seiten würden schätzungsweise pro Woche dazukommen.

Internet-Experten sind sich einig, dass Sperren von Websites - wie in dem Gesetzentwurf vorgeschlagen - relativ einfach zu umgehen sind. Anleitungen dazu kursieren im Web. Deswegen müsse das Löschen und nicht das Blockieren von kinderpornografischen Inhalten klar Vorrang haben. "Sperren können nur flankierende Maßnahmen sein", sagte Oliver Süme vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco).

Dass das Löschen von kinderpornografischen Inhalten sehr aufwendig sei, wies der Arbeitskreis gegen Zensur, zu dem unter anderem auch der Chaos Computer Club gehört, zurück. Auf eine Initiative des Arbeitskreises hin seien innerhalb von nur zwölf Stunden europaweit 60 Internet-Angebote von den informierten Providern gelöscht worden.

Neben Schwächen bei der technischen Umsetzung des Kampfes gegen Kinderpornografie im Internet wurden zudem Stimmen laut, der Bund sei für eine derartige Maßnahme überhaupt nicht zuständig. Der Verfassungsrechtler Matthias Bäcker sieht "einen ganzen Strauß verfassungsrechtlicher Probleme". Auch eine von der SPD beauftragte Anwaltskanzlei kommt zu dem Schluss, dass eine Gesetzgebungskompetenz des Bundes "problematisch" erscheine.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
screne (29.05.2009, 08:19 Uhr)
Die Frau sollte zurücktreten
Sie beteuert ja immer, das Wohl der Kinder würde ihr so am Herzen liegen. Wenn es so wäre, würde sie Geld für die Verfolgung von Kinderpornografen und die Löschung der Bilder von den Servern bereitstellen und nicht Geld für Scheuklappen ausgeben, mit denen der Missbrauch fröhlich weiter geht.
Spocks_Kommentar (28.05.2009, 17:20 Uhr)
Kinderpornoförderung durch Frau von der Leyen
Wer die IP kennt, so daß er den Server blockieren kann, kennt den Server. Wer den Server kennt, kann hingehen (oder über Interpol jemand hinschicken), der den Server abschaltet, die Betreiber festnimmt und die Kinder befreit. Kinderpornographie ist auch im Ausland verboten.
Wer den Server kennt und nicht hingeht und ihn abschaltet, die Betreiber verhaftet und die Kinder befreit, sondern stattdessen die IP blockiert, fördert die Kinderpornographie.
Was hier läuft ist Schmuddelwahlkampf übelster Sorte, sonst nichts. Und wer sich an Ernst Albrecht (Niedersachsen vor Schröder) noch erinnert, wundert sich über Methoden seiner Tochter nicht.
Schade, man könnte den Kindern ja auch helfen statt das Thema für die Wahl auszuschlachten.....
wall-e (28.05.2009, 12:29 Uhr)
Einschüchterungseffekt
Schon haben sich Vertreter der Musik- und Filmindustrie erfreut zu diesem Thema geäußert (Tauschbörsen u.s.w.). Und bevor die Diskussion über die Auswirkungen dieser Zensurautomatik überhaupt richtig angefangen hat, hat sich der Düsseldorfer Regierungspräsident Büssow schon für die Aufnahme weiterer Internetseiten in die Sperrliste stark gemacht (ausländische Glückspielseiten! - und später vielleicht auch politisch missliebige Seiten?). Wer die früheren Bemühungen (Jahr 2003) von Herrn Büssow noch in Erinnerung hat, weiß dass es damit nicht getan ist, sondern es sich nur um einen ersten Testlauf für weitere Sperrungen handeln wird (z.B: rechtsextreme Seiten, u.s.w.). Natürlich wird das Thema Kindesmißbrauch ganz bewusst instrumentalisiert um eine Zensurautomatik für Internetseiten einzuführen. Wer die Büchse der Pandora einmal aufgemacht hat, bekommt sie nicht mehr wieder zu. Und da die Sperrlisten ja geheim bleiben sollen und die Besucher dieser Seiten mitgelogt werden, braucht es nur das Gerücht, das politisch missliebige Seiten auf der Sperrliste stehen, dann gibt es den vielleicht bei manchen Politikern gewünschten "Einschüchterungseffekt", d.h. viele werden vorsichtig sein wenn sie im Internet nach vom mainstream abweichenden Informationen suchen. Da geht doch das Herz der Zensurfanatiker richtig auf!
Malt (28.05.2009, 10:37 Uhr)
Ja nee is klar!
"BKA-Abteilungsleiter Jürgen Maurer kündigte diesbezüglich an, im Zweifelsfall eine Domain nicht auf die Liste setzen zu wollen"
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Ja, wenn DER das sagt, dann bin ich ja beruhigt.... da brauchen wir auch keine exakten Vorschriften, die eine explizite Unterscheidung zwischen "sperrungswürdig" und "sperrungsunwürdig" möglich macht - wir haben ja hier den Imam Jürgen Maurer... ääääh sorry, den BKA Beamten Jürgen Maurer, der aufgrund seiner bloßen persönlichen Einschätzung in der Lage ist, zu bestimmen, welche Seite aufgerufen werden darf und welche nicht. Na Gott sei dank!
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Ach ja, und @STERN: Hört mal auf, hier immer die Mär von dem "Kampf gegen die Kinderpornographie" zu beschreiben... hier geht es darum diese auszublenden... nicht, sie zu bekämpfen! Denn Leute wie giangastone glauben das ja scheinbar tatsächlich - wahrscheinlich ebenso wie "sich-die-Augen-zuhalten" alle Probleme der Welt auf einen Schlag beseitigt... Mensch, warum sind wir nicht früher darauf gekommen? Am besten, der STERN schreibt auch nicht mehr über die Wirtschaftskrise, über Amokläuzfe etc... weil damit bekämpft man diese Probleme ja, nach dieser Logik zu urteilen, am allerbesten!
vaben (28.05.2009, 10:07 Uhr)
Show und Bauernfängerei statt vernünftiger Politik
Frau von der Leyen ist völlig außer Kontrolle. Hier vereinigen sich Inkompetenz und Sturheit zu einer gefährlichen Mischung. Kann dem Kommentar von ELIASS nur beipflichten. Desweiteren empfinde ich diese bevormundende Art als Beleidigung. Ich brauche als vernünftiger Bürger dieses Landes keine klugscheißende von der Leyen und keine beschissenen Stoppschilder um zu wissen, dass ich mir diese widerlichen Internetseiten niemals ansehen werde. Die Pädophilen hingegen, wohl wissend, dass sie sowieso eine Straftat begehen, werden diese Sperren in Sekunden umgehen können, wie bereits von verschiedenen Computer-Fachzeitschriften demonstriert. Für die ändert sich also nichts. Wieso versucht diese Frau dann immer noch uns klarzumachen, dass sie hier gegen Kinderpornographie vorgeht? Was soll das? Die Faktenlage ist doch eindeutig. Dürfen wir dann teilhaben an einer Art Wettrüsten zwischen Internet-Providern und Pädophilen bis das Internet in Deutschland für alle vollständig lahmgelegt ist, oder wie stellt die Frau sich das vor? Langsam wird es ärgerlich.
bmpost (28.05.2009, 10:02 Uhr)
@mutti1
Petitions-Gegner? Meinen Sie die, die gegen die Petition sind, oder die, die diese unterschreiben haben? Sollte letzteres der Fall sein, sollten Sie sich schämen, anscheinend hat die CDU-Gehirnwäsche bei Ihnen gewirkt, auch wenn sie anscheinend ein paar braune Puttzstreifen in ihren Hirnwindungen hinterlassen hat! Pfui!
Bebuquin (28.05.2009, 09:16 Uhr)
@giangastone
Aus ihrem Kommentar strömt die gleiche Unwissenheit wie aus den Kommentaren des verantworlichen Pseudoadels. Aber mal im Detail:
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"..wenn man die Wurzel nicht an den Übeln packen kann, dann muss man die Verbreitungswege stoppen, das scheint mir nicht unlogisch zu sein."
--> Nur zeigen Versuche diverser Kinderschutzorganisationen, dass man die Inhalte schnell und binnen Stunden löschen kann. Grund: ein Großteil des Materials befindet sich auf Servern in westlichen Ländern mit einem Verbot von KiPo.
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"Dass da die "Rechte" gewisser SEX-GOURMETS leiden, ist ja geradezu wünschenswert. Diesen geballten Stammtisch-Hass und das Hau-Drauf-Gemeckere kann ich nicht nachvollziehen. Entscheidungen zu blockieren scheint ja in GERMANIEN mittlerweile schon Volkssport zu werden, ist ja auch einfacher als selbst zu handeln.."
--> Hiermit begeben sie sich direkt auf das Niveau von Zensursula und Guttenzwerg. Einfach mal pauschal unterstellen, dass hier die "SEX-GOURMETS" ihre Recht gefährdet sehen, die Gegner sich auf Stammtischniveau bewegen würden, usw. Denken sie wirklich so? Oder wissen sie es einfach nicht besser?
Countryjoe (28.05.2009, 08:57 Uhr)
Grostesk
So langsam aber sicher driftet der Kampf um die Internetzensur immer mehr ins Groteske ab. Den vorgeschobenen Grund dafür glaubt doch kein Mensch mehr und die Zensursula macht sich nur noch lächerlich.
confused (28.05.2009, 08:53 Uhr)
Elektronische Korrespondenz
WAS ? will man verlangen von jemand wie eine Fr. von der Leyen die froh ist das sie einen VHS Kurs in Computerbedienung belegen durfte um Ihre elektronische Korrespondenz zu erledigen und ansonsten NULL KOMPETENZ zum Thema IT hat ??
GARNICHTS ausser heisse Luft.
Fact ist - die IP Adressen der Seiten über die deutsche Bone sperren ist wertlos bringt rein garnichts, auch aus D-Land bleiben die Seiten aufrufbar. UND diese Leute die solche Seiten regelmässig besuchen haben auch Kontakt untereinander, bedingt dessen weiss in diesen Kreisen sehr schnell jeder wie er weiterhin solche Seiten aufruft.
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EINZIGE wirklich effektive wäre, da es sich meist um Private Server irgendwo im Ausland handelt, Spezialisten einstellen (gibt genug Arbeitslose Hobbyhacker in D-Land) die sich unsichtbar auf die Server ein hacken und die IP Adressen ausspionieren von den Besuchern aus D-Land, dann diese einen Besuch abstatten und deren PCś beschlagnahmen und sie mit wirklich hohen Strafen verurteilen am besten lebenslänglich. Dann hört der Dreck schon mal auf und man kann sich dem nächsten Dreck im Internet widmen. Jedoch halt ! ach ja wäre ja nicht wirklich legal, ist ja legaler das ganze Volk ausspionieren..... hat man mehr von.
Crossbow (28.05.2009, 08:36 Uhr)
@Sinasina
wirklich in sehr übersichtlicher themenbezogener Beitrag. Sonst nichts zu tun?
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