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Ein Opfer schlägt zurück

Als Kind wurde die US-Amerikanerin "Amy" von ihrem Onkel sexuell missbraucht. Die Bilder der Tat gehören zu den am weitesten im Internet verbreiteten Kinderpornos. Das Opfer, inzwischen erwachsen, verklagt jetzt hunderte Menschen auf Schadenersatz, die sich die Bilder angeguckt haben.

Es ist schon über ein Jahrzehnt her, dass "Amy" von ihrem Onkel sexuell missbraucht wurde. Der Kinderschänder sitzt mittlerweile hinter Gittern. Die Bilder, die er von seiner damals acht oder neun Jahre alten Nichte machte, gehören aber auch Jahre nach der Tat noch zu den am weitesten im Internet verbreiteten Kinderpornografie-Aufnahmen.

Jetzt geht die inzwischen 20 Jahre alte "Amy", wie sie in Gerichtsakten genannt wird, mit Hilfe von Anwälten in Hunderten von Fällen gegen die Internetnutzer vor, die sich diese Bilder anschauen. Ihre Anträge und die anderer Opfer stellen die US-Richter vor ein schwieriges juristisches Problem: Ist derjenige, der eine Kinderpornografie-Aufnahme besitzt, mitverantwortlich für den Schaden, den ein Kind erlitten hat? Und wie viel sollte eine solche Person dem Opfer zahlen müssen?

"Man kann es nur ganz schwer in Worte fassen, wie es ist, wenn man weiß, dass zu jedem beliebigen Zeitpunkt an jedem beliebigen Ort jemand die Bilder anschaut, die zeigen, wie ich als kleines Kind von meinem Onkel missbraucht wurde und der daraus ein krankhaftes Vergnügen zieht", schreibt Amy in den Gerichtsunterlagen. "Das ist so, als ob ich wieder und wieder missbraucht werde."

So machtlos wie damals

"Ich will, dass alles gelöscht wird", betont die junge Frau. "Ich will, dass es aufhört. Aber ich bin genauso machtlos, es zu stoppen, wie ich machtlos war, meinen Onkel zu stoppen." Erstmals tauchte das Thema Entschädigung vor einem Jahr in einem Strafprozess in Connecticut auf. Der Richter erklärte, er werde einen Mann, der wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt worden war, zu einer Zahlung an Amy in Höhe von 200.000 Dollar verpflichten. Nach Angaben des Richters war es der erste Strafprozess in den USA, in dem jemand zu einer Entschädigungszahlung verurteilt wurde, weil er illegale Aufnahmen besaß, die er nicht selbst gemacht hatte. Der Fall wurde schließlich mit einer Zahlung von 130.000 Dollar abgeschlossen.

Seitdem gibt es eine steigende Zahl von Anträgen auf Entschädigung, da immer mehr Opfer identifiziert wurden und da immer mehr von ihnen, einschließlich Amy, sich Anwälte genommen haben. Hunderte Anträge wurden inzwischen eingereicht, die meisten davon von Amys Anwalt, James Marsh aus New York. Bis vor fünf Jahren sei eine Entschädigung der Opfer praktisch unmöglich gewesen, da diese nicht erfuhren, wenn jemand mit ihren Bildern ins Netz der Justiz geraten war, erklärt der Anwalt. Doch der Crime Victims Rights Act von 2004 habe ein System aufgebaut, der die Opfer von solchen Vorgängen informiert. Mittlerweile erhalte er allein im Fall Amy täglich mehrere Hinweise.

3,4 Millionen Dollar je Fall

Marsh hat im Namen Amys in 350 Fällen im ganzen Land Entschädigung verlangt. Jedes Mal geht es um rund 3,4 Millionen Dollar. Die junge Frau wird diesen Betrag nicht in jedem Fall erhalten. Aber jede Summe wird dazu beitragen, Amys Therapien, ihre Arztkosten, ihr künftig verloren gegangenes Einkommen und ihre Anwaltskosten zu begleichen.

In einem Fall verurteilte ein Bundesrichter in Floria einen Mann, der ein Bild von Amy besaß, zur Zahlung von 3,5 Millionen Dollar an das Opfer. Der Anwalt des Verurteilten, Jonathan Shapiro, legte Berufung ein. Es gebe keine Verbindung zwischen seinem Mandanten und Amy, argumentierte der Anwalt, "außer der Tatsache, dass er ihr Bild auf seinem Computer hatte - zehn Jahre nachdem ihr Onkel es aufgenommen hatte, der ihr extremen Schaden zufügte". Die Staatsanwaltschaft müsse nachweisen, dass Amy ein Opfer durch die konkrete Tat seines Mandanten geworden sei, und dass ihr kein Schaden entstanden wäre, hätte sein Mandant das Bild nicht gehabt. Das Berufungsverfahren läuft noch.

Die Rechtslage ist noch offen. So gab kürzlich ein Berufungsgericht einem Richter in Texas Recht, der eine Entschädigung zurückgewiesen hatte, da die Staatsanwaltschaft nicht habe zeigen können, wie viel Schaden der Angeklagte in diesem Fall angerichtet habe. Richter James Dennis, der dem Berufungsgericht angehört, hat eine abweichende Meinung. "Amys Recht auf Entschädigung wird nicht bloß dadurch verwirkt, dass der präzise Betrag, den der Angeklagte ihr schuldet, schwer zu bestimmen ist."

Die Juraprofessorin Marie Failinger von der Hamline Law School betont, es sei sehr wichtig, Entschädigungsfragen in Strafprozessen zu klären, da viele Opfer gar nicht das Geld für ein Zivilverfahren hätten. Nach ihrer Ansicht werden noch drei bis fünf Jahre vergehen, bis die Gerichte einen konsequenten Weg herausgearbeitet hätten, wie man mit Entschädigungsfragen in Strafprozessen umgeht. Dagegen vertritt ihr Kollege Bradford Colbert vom William Mitchell College die Auffassung, über Entschädigungen solle in Zivilverfahren entschieden werden. Dies sei der richtiger Ort, und nicht der Strafprozess.

Amy Forliti/APN/APN

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