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27. Mai 2007, 08:00 Uhr

"Wir haben den Kampf verloren"

Die Zahl der Kinderpornografie-Fälle nimmt zu, nur relativ wenige Täter werden erwischt. So lautet die Bilanz von Oberstaatsanwalt Peter Vogt, der diese Auswüchse des Internets bekämpft. Dennoch setzt er seinen Kampf fort.

Kämpft gegen Kinderpornografie im Internet: Oberstaatsanwalt Peter Vogt© Sebastian Willnow/DDP

Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle in Sachsen-Anhalt hat sich seit Jahren dem Kampf gegen die Kinderpornografie verschrieben. So legte er mit seinen Ermittlungen auch den Grundstein für eine der weltweit größten Operationen, bei der 2003 unter dem Decknamen "Marcy" 38 kinderpornografische Zirkel im Internet gesprengt werden konnten. Dabei wurden weltweit 26.500 tatverdächtige Internet-User in 166 Staaten ermittelt, darunter auch in den USA und Australien. Doch der 49-jährige Jurist, der zu den profiliertesten Kennern der Szene in der Bundesrepublik zählt, räumt jetzt ein: "Kinderpornografie im Internet ist wie die Hydra. Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach." Und resigniert fügt er hinzu: "Wir haben den Kampf gegen die Kinderpornografie verloren."

Vogt ist Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Sachsen-Anhalt, die der Staatsanwaltschaft Halle angeschlossen ist. Alle einschlägigen Verfahren der Polizeidienststellen in dem Bundesland gehen über seinen Tisch. "Als ich vor neun Jahren angefangen habe, hat kaum jemand von der heutigen Rolle des Internets auf diesem Gebiet geahnt", erinnert sich der Oberstaatsanwalt: Insgesamt 107 Verfahren musste Vogt im ersten Jahr bearbeiten; gerade bei 33 ging es um Kinderpornografie. Im Jahr 2003 landeten dann 1.435 Fälle auf dem Tisch der Zentralstelle in Halle, von denen 1.415 Fälle Kinderpornografie betrafen, 1.402 davon im Internet. "Die Kurve steigt ständig", berichtet Vogt und zeigt auf entsprechende Statistiken. Allein bis April dieses Jahres habe es in Sachsen-Anhalt 60 Straftaten solcher Art mehr gegeben als im Vergleichzeitraum 2006.

"Wir ertappen nur die Dummen"

Mit Aktionen wie der Operation "Mikado" zu Jahresbeginn, bei der die Justizbehörden Sachsen-Anhalts per Kreditkartenfahndung bundesweit 322 Verdächtigte ermittelten, sei die Szene kaum noch zu verunsichern, erklärt der Oberstaatsanwalt. "Denn wir ertappen immer nur die dummen Konsumenten oder jene, die die Bilder von A nach B schicken." Die das große Geld machten, blieben dagegen im Verborgenen. Mafiöse Organisationen von Anbietern böten Millionen von Fotos und Videosequenzen im Internet an. Die Täter würden dabei ihre Geldströme verschleiern und von Server zu Server springen. Mittlerweile habe sich dabei der Schwerpunkt von Asien und Lateinamerika nach Osteuropa verlagert. "Doch es gibt Strukturen, die wir gar nicht kennen", erklärt Vogt: "Wir laufen den kommerziellen Vertreibern hinterher und schaffen es oft nicht, sie namhaft zu machen."

"Kinderpornografie ist inzwischen zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden", sagt der Jurist und verweist darauf, dass dem Täterkreis "alle gesellschaftlichen Schichten zuzuordnen" seien. Die Reihe reiche vom Arbeitslosen und Angestellten über den Pfarrer, Polizeibeamten, Lehrer und Juristen bis zum Politiker. 99 Prozent der Täter seien Männer, die Jüngsten darunter selbst noch Jugendliche oder Heranwachsende.

"Bilder machen nicht satt" Aus Erfahrung weiß Vogt, dass die Sammler mit wenigen Bildern anfangen, bis sie oft schließlich über riesige Dateien verfügen. "Doch Bilder machen nicht satt", warnt er. Schließlich wollen die Sammler das, was sie als Daten haben, auch selbst erleben, erklärt der Oberstaatsanwalt mit Verweis auf verschiedene Untersuchungen: Studien aus den USA belegen, dass mindestens 30 Prozent der Sammler selbst mit Sexualstraftaten in Verbindung kommen. In Deutschland gehen die Experten von gut zehn Prozent aus. Die Verbrechen reichten dabei von Exhibitionismus bis zum Menschenhandel. Auch deshalb gibt Peter Vogt nicht auf, wie er versichert: "Wir machen weiter, damit das Dunkelfeld täglich mehr zum Hellfeld wird."

So konnte er gerade dieser Tage wieder einen Erfolg vermelden und bei der Verbreitung von Kinderpornografie beim Onlinespiel "Second Life" den mutmaßlichen Täter ausfindig machen. Den Fall hatte das ARD-Magazins "Report Mainz" öffentlich gemacht. Danach hat ein "Second-Life"-Spieler aus Deutschland mit kinderpornografischen Aufnahmen gehandelt. Laut Vogt muss der mutmaßliche Täter mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren rechnen.

Birgitt Pötzsch/AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Peter1711 (05.09.2009, 00:32 Uhr)
Wir haben den Kampf verloren
Ich bin Polizeibeamter und kann diesen Missstand nur bestätigen ... auc ineiner ländlichen Behörde - wie meiner - wurden über die Jahre immer mehr Stellen abegbaut. Ich bin 1993 in meine jetzige Behörde gewechselt und wir hatten 18 Beamte pro Dienstgruppe ... heute sind es noch 12 - bei mindestens gleichen Anforderungen .... der Rest wurde über die Jahre gestrichen ... und ein Ende ist nicht in Sicht ...
catchme (28.05.2007, 17:29 Uhr)
Datenschutz = Täterschutz !
So lange Datenschützer jede effektive Strafverfolgung verhindern, weil die persönlichen Rechte eines Täters schützenswerter sind, als das Leben eines Kindes, so lange wird der kampf gegen die Kinderpornografie aussichtslos sein ! Wir brauchen eine Veröffentlichung alles Daten eines einschlägig vorbestraften Täters, die Überwachung des Netzes sowie eine unbegrenzte Abspeicherung aller Verbindungsdaten ... wer sauber online ist, sollte eigentlich nichts zu verbergen haben. Aber ich höre sie jetzt schon aufjaulen, die realen und selbsternannten Datenschützer. Ich hoffe immer, dass möglichst viele Kinder dieser Leute einmal Opfer werden ... mal sehen, wie dann der Datenschutz bewertet wird ?
BBirke (28.05.2007, 13:57 Uhr)
Auf echten Missbrauch konzentrieren!
Wenn Vogt sich so erfolglos sieht, warum konzentriert er sich dann nicht auf die Banden und die kommerziellen Vertreiber von Missbrauchs-Material? Statt dessen will er rein virtuellem Pixel-Unfug, wie etwa in "Second Life", hinterher hetzen.
Dabei bietet die virtuelle "Missbrauchs"-Simulation doch, wenn die rein fiktive Darstellung legal ist, eine hervorragende Möglichkeit, echten Tätern auf die Spur zu kommen, so wie dem einen, der den "Report"-Journalisten dann echte Kinderpornos zuschickte!
Und, so wichtig die Bekämpfung von Kindesmissbrauch und seiner medialen Vermarktung auch sind: Wichtig ist auch die Freiheit, sich im Internet ohne Zensur (Filter) und geschützt (mit Verschlüsselung, Anonymisierern usw.) zu bewegen, die Freiheit, in rein virtuellen Welten ohne Normgrenzen alles tun zu können, was man will, so lange niemand in echt dadurch zu Schaden kommt. Auch, wenn es 99% der Menschen (bei "Kindersex"-Simulationen auch ich) abartig und pervers finden.
Da muss man eine klare Grenze zwischen Bekämpfung echter Verbrechen, durch die Menschen geschädigt werden, und der Gängelung und Zensur rein virtueller Welten ziehen! Wenn man angesichts von "Kindersex"-Simualtionen in Second Life die Zensur und Strafverfolgung reiner Fantasien akzeptiert, besteht die Gefahr, dass es einreißt und dann bald auch wieder verschärfte Zensur gegen Horrorfilme, "Killerspiele" normale Pornos usw. kommt! Und das mus unter allen Umständen verhindert werden!
BEEGEESFAN (27.05.2007, 19:19 Uhr)
VERLOREN?
DIESEN KRIEG DARF MAN NIE VERLOREN GEBEN. DIE UNVERSEHRTHEIT EINES KINDES IST DAS HÖCHSTE WAS ES GIBT.WENN IN DIESEM ARTIKEL LEHRER,POLIZEIBEAMTE UND ANDERE DOCH INTELLIGENTE MENSCHEN AUFGEFÜHRT WERDEN, KANN ICH MICH NUR NOCH AN DEN KOPF FASSEN.
WIE KRANK MUSS EIN MENSCH SEIN,DER SICH AN KINDERN VERGREIFT?ANSCHEINEND SIND DIE STRAFEN NOCH NICHT ABSCHRECKEND GENUG.
HIER IST AUCH DER STAAT, ALSO WIR ALLE GEFRAGT. MACHT DIE PÄDOPHILEN ÖFFENTLICH.JEDER WOHNSITZ EINES PÄDOPHILEN MUSS VERÖFFENTLICHT WERDEN. SO DAS DIE KINDER GESCHÜTZT WERDEN KÖNNEN.ÄCHTET SIE. SO EIN MENSCH HAT DAS RECHT VERLOREN IN DEN SCHUTZ DER ALLGEMEINHEIT AUFGENOMMEN ZU WERDEN.NUR SO KANN MAN KLEINE KINDER SCHÜTZEN
Tommes1000 (27.05.2007, 19:15 Uhr)
Personalmangel ist ein Hauptgrund...
Personalmangel ist ein Hauptgrund, warum Internet-Straftaten zwar verfolgt, aber insgesamt doch nur unzureichend bekämpft werden können. Viele Polizisten meinen, heute zu alt fürs Internet zu sein (und haben ja auch vielfältige andere Aufgaben), und der Nachwuchs vor allem für die Bekämpfung von Internet-Straftaten fehlt bei der Polizei, weil man die Leute gar nicht so schnell ausbilden kann, wie das Internet (und die Internet-Kriminlität...) wächst. Derzeit aber sind weit über 100.000 gut ausgebildete IT-Fachleute in Deutschland arbeitslos. Würde man von denen diejenigen mit gutem Leumund und einwandfreiem Lebenswandel bei den zuständigen Polizeibehörden mit anständigem Gehalt einstellen und speziell vereidigen, hätte man qualifizierte Fachkräfte ohne Ende, die nicht erst langwierig ausgebildet, sondern lediglich eingewiesen werden müssten und dann sofort den Beamten bei der Polizei zuarbeiten könnten. Etwas Flexibilität in dieser Richtung bei den Verantwortlichen würde hier den Strafverfolgern massiv weiterhelfen.
hevosenkuva (27.05.2007, 14:01 Uhr)
nur wer aufgibt, verliert
natürlich kann eine relativ kleine Einheit mit begrenzten technischen und gesetzlich erlaubten Möglichkeiten keine Wunder vollbringen. um so wichtiger ist, dass es sie gibt und dass sie Unterstützung aus allen Bereichen erhält - genau so wie die Täter aus allen Bereichen kommen.
es muss den "Konsumenten", den Kunden der Anbieter klar werden, dass sie nicht unbehelligt bleiben, dass sie nirgendwo sicher sind und ihnen schwerste Strafen drohen. die Nachfrage regelt das Angebot; wo viel Interesse besteht, gibt es auch viele Anbieter; wo viel Geld fließt, sind die technischen Möglichkeiten riesig.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornographie

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