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17. April 2009, 12:41 Uhr

Stoppschild gegen Kinderpornos im Web

Internetsperren

Statt kinderpornografischer Seiten wird künftig bei fünf großen Internetanbietern ein Stoppschild im Browser gezeigt. Doch wie sollen diese Sperren verwirklicht werden und kann Kinderpornografie im Internet so überhaupt wirksam verhindert werden?

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Dieses Stoppschild sollen Internet-Nutzer künftig sehen, wenn sie mit ihrem Browser auf Webangebot mit kinderpornografischen Inhalten zugreifen© DPA

Fünf der acht Marktführer bei Internetzugängen schlossen am Freitag zusammen mit der Bundesregierung und dem Bundeskriminalamt einen Vertrag zur Sperrung der Kinderpornoseiten. Das Bundeskriminalamt soll den Providern aktuelle Sperrlisten liefern. Die Anbieter haben ein halbes Jahr Zeit für die Umsetzung. Kommende Woche will das Kabinett einen Gesetzentwurf zu dem Thema beraten. "Die Opfer werden immer jünger, die Taten werden immer brutaler. Es ist das schiere Grauen", begründete Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Notwendigkeit des Vertrags.

Der Handel mit Kinderpornos trage Züge organisierter Kriminalität und sei ein Millionengeschäft. In den Verträgen seien die Aufgaben klar verteilt, erklärte die CDU-Politikerin. Die Liste der zu sperrenden Adressen ermittele und liefere das BKA. "Die eventuelle Haftung für die danach einzuleitende Sperrung liegt daher auch allein beim BKA", betonte von der Leyen. Die Zugangsanbieter seien ausschließlich für die technischen Sperrmaßnahmen zuständig.

Gesetz als zweiter Schritt Die Anbieter sperren die Namen der jeweiligen Seiten im Internet. Kritiker monieren allerdings, dass diese Sperren mit wenig Aufwand zu umgehen sind. Zu den Vertragsunterzeichnern gehören die Unternehmen Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Telefonica/O2, Kabel Deutschland und Hansenet/Alice. Die Anbieter United Internet, Freenet und Versatel hatten den Angaben zufolge zuletzt keine Verhandlungen mehr mit der Bundesregierung geführt.

Wer nicht freiwillig mitmacht, soll möglichst zur Sperrung von Kinderpornoseiten gezwungen werden. Das "Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen", dass kommende Woche im Kabinett behandelt werden soll, sei "als zweiter Schritt sinnvoll, weil es konsequent 100 Prozent des Marktes erfasst, keine Ausnahme zulässt und zwingende, nicht vom Wohlwollen der Beteiligten abhängige Regelungen zur effektiven Erschwerung des Zugangs zu den kinderpornografischen Inhalten trifft", erklärte von der Leyen.

Das Gesetz soll noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten, wie Telekom-Chef René Obermann erklärte. Obermann verwies auch darauf, dass die Verträge mit Bundesregierung und BKA bis Ende 2010 befristet sind und die Unternehmen mit Frist von drei Monaten die Möglichkeit zur Kündigung haben. BKA-Präsident Jörg Ziercke dankte den Providern für die Verpflichtung auf freiwilliger Basis. Das Access Blocking sei ein präventives Instrument, ein Baustein in der Bekämpfung der Kinderpornografie im Netz, der nicht isoliert gesehen werden dürfe. "Wer dieses Stoppschild sieht, weiß, dass er sich strafbar macht, wenn er weitermacht", sagte Ziercke.

Rund 200 Angehörige des "Arbeitskreises gegen Internetsperren und Zensur" demonstrierten vor Ort gegen die Vertragsunterzeichnung. Mit Sprüchen wie "Von Laien regiert", "Uschi, mach' keinen Scheiß" oder "Zensur ist Täterschutz" warfen sie der Regierung wirkungslosen Aktionismus vor. Anstatt effektive und zielführende Maßnahmen zu ergreifen und das Übel an der Wurzel zu packen, werde versucht, durch Druck auf die Internetanbieter eine Zensurinfrastruktur zu schaffen, erklärte der Chaos Computer Club, der dem Arbeitskreis angehört.

CCC hält Sperren für nutzlos Der Chaos Computer Club hält die geplante Sperrung von Kinderpornografie-Seiten im Internet für nutzlos. "Solche Filtermaßnahmen lassen sich leichtens umgehen", sagte der Experte Matthias Mehldau am Freitag dem Audiodienst der dpa. Zudem würden sich diejenigen, die damit am Zugang gehindert werden sollten, neue Konzepte und Mechanismen überlegen. "Hier wird ein großes Katz-und- Maus-Spiel aufgemacht", sagte Mehldau.

Sinnvoller als - wie geplant - Stoppschilder an Kreuzungen im Internet aufzustellen sei es, bei den Internet-Anbietern anzusetzen, wo die Inhalte liegen. Dort müssten die Angebote offline geschaltet werden, forderte Mehldau.

Wie läuft eine Sperrung ab?

Das Bundeskriminalamt (BKA) erstellt eine tagesaktuelle Liste von Kinderporno-Seiten im Netz und übermittelt sie an die Internet- Provider. Diese blockieren auf dieser Grundlage den Zugang zu den Webseiten. Wenn ein Nutzer versucht, eine gesperrte Seite aufzurufen, erscheint eine standardisierte Stopp-Seite.

In welchen Ländern gibt es schon Sperren?

Viele Länder arbeiten seit Jahren mit Kinderporno-Sperren. Dazu gehören Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, die Niederlande, Italien, Großbritannien, die Schweiz, Neuseeland, Südkorea, Kanada, die USA und Taiwan. Die meisten verwenden die sogenannte DNS-Sperre, Großbritannien blockiert die Seiten auf Basis einer Hybrid-Technik.

Wie viele Zugriffe können verhindert werden?

In Norwegen werden laut Familienministerium jeden Tag etwa 18.000 und in Schweden rund 50.000 Zugriffe auf kinderpornografische Seiten verhindert. Umgerechnet auf Deutschland entspricht dies zwischen 300.000 bis 400.000 Zugriffen täglich.

Welche Technik soll in Deutschland angewendet werden?

Hier ist eine Sperrung über das Domain Name System (DNS) geplant. Ein Nutzer ruft normalerweise eine Seite mit dem Domainnamen oder der URL (Uniform Resource Locator) auf, wie etwa www.beispieladresse.de. Als Wort sind die URLs leicht zu merken. Ein DNS-Server übersetzt den Domainnamen in eine IP-Adresse, die nur aus Zahlen besteht. Wenn eine DNS-Sperre geschaltet ist, meldet der DNS-Server keine IP-Adresse mehr, sondern einen Fehler - es wird keine Verbindung zur Webseite hergestellt. Jeder Provider betreibt eigene DNS-Server. Eine DNS- Sperre zu setzen, ist jedoch gar nicht so einfach, denn meistens gibt es zu einer IP-Adresse gleich mehrere Domainnamen.

Lassen sich die Sperren umgehen?

Durch kleine, regelmäßige Änderungen der Internet-Adresse kann ein Anbieter den Filter austricksen. Wenn der Betreiber einer Website für die Übersetzung des Domainnamens in die IP-Adresse nicht den DNS- Server seines Providers verwendet, sondern einen kostenlosen Dienst wie OpenDNS, kann er die Sperre ebenfalls überwinden. OpenDNS lehnt Blockaden einzelner Sites prinzipiell ab. Die Nutzer können die Sperren ebenfalls umgehen, indem sie direkt die IP-Adresse in ihren Browser eingeben oder im Betriebssystem einen ausländischen DNS- Server eintragen. Anleitungen dazu gibt es bereits im Internet.

Welche Techniken gibt es sonst noch?

Als Alternative zur DNS-Sperre kann der Zugriff auf die IP-Adresse des Kinderporno-Servers blockiert werden. Dafür werden die "Router" dazu gebracht, Daten mit dieser Zieladresse nicht weiterzuleiten. Ein Router verbindet mehrere Rechnernetze, analysiert die ankommenden Daten nach ihrer Zieladresse, blockiert sie oder leitet sie weiter. Die Sperre ist schwieriger zu umgehen als eine DNS-Sperre. Da jedoch unter einer IP-Adresse oft sehr viele Websites erreichbar sind, würden gleichzeitig viele legale Seiten gesperrt.

Die British Telecom setzt seit einigen Jahren ein Hybridsystem namens CleanFeed ein, das verschiedene IP- und URL-Filter kombiniert. Die IP-Adressen werden über spezielle Server umgeleitet, die spezifische URLs mit kinderpornografischem Material herausfiltern. Auch wenn dieses System schwieriger zu umgehen ist und spezifischere Blockaden als die DNS-Sperre erlaubt, lässt es sich durch virtuelle Tunnel oder Anonymisierungsdienste austricksen.

Wird Kinderpornografie mit Sperren verhindert?

Oft werden kinderpornografische Dateien über private Netzwerke und Foren mit wechselnden IP-Adressen ausgetauscht, bei denen ein Filter nichts ausrichten kann. Viele Nutzer solcher Inhalte nehmen über das Internet außerdem nur Kontakt zu den Anbietern auf und lassen sich das Material danach per Briefpost zuschicken.

KOMMENTARE (10 von 55)
 
JanDark (19.04.2009, 16:42 Uhr)
Täterschutz wird Frau von der Leyen nicht gelingen
Der Frau von der Leyen wird es nicht gelingen, die Kinderschänder vor der Strafverfolgung zu bewahren. Auch wenn sie sich grösste Mühe mit ihren Mittätern gibt, die Beweismittel von den Strafverfolgungsbehörden, insbesondere den 16 LKAs zu verstecken (durch primitive, dümmliche Massnahmen, werden wir sie alle kriegen. Einen Täterschutz wie in Belgien mit Detroux und seinen Kinderschänderringen, die auch von der deutschen Polizei geschützt wurden, wird es nicht geben. Weder mit dem Straftäter Kanther damals noch mit Frau von der Leyen heute. Dafür sind uns unsere Kinder zu wichtig, als das wir uns von der vdL davon abhalten lassen, Kinderschändern das Handwerk zu legen. Sie wird nur noch wenige Wochen im Amt sein, und dann wie Kanther und andere Straftäter (Weyrauch, Leissler-Kiep, wer kann sie alle aufzählen) aus der CDU in der Versenkung verschwinden. Der REchtsstaat wird sich ggen die Verfassungsbrecherin vdL durchsetzen. So wie auch die Straffreiheit für Folterer durch Barack nicht durchgehen wird. Der Rechtsstaat ist stärker als die dünne Personaldecke der Union, die solchen unfähige Figuren hochspült.
23Skiddoo (19.04.2009, 12:04 Uhr)
Funkverbot?
Da haben sich die Regierenden mal wieder als Volltrottel geoutet. Keinen Plan von der Materie, aber den Hals aufreissen und ZENSUR fordern.
LAIEN!
Nomen est Omen!
grafbyte (17.04.2009, 20:13 Uhr)
und was tun wir wirklich dagegen?
ich frag mich was unsere politiker gegen das problem mit kranken schweinen wirklich machen wollen :/
ausser die masse für dumm zu verkaufen dass das verbot von DNS namen ein mittel ist.. kannst mit jeden proxy/ vpn verbbindung umgehen sowas ..
Maxi456 (17.04.2009, 18:38 Uhr)
sedanon
*he he* ist mir auch aufgefallen:
Der Artikel ist ja ganz schnell von der Hauptseite verschwunden
sedanon (17.04.2009, 17:20 Uhr)
Es geht nicht darum,
die Kinderf... zu erwischen oder ihnen den Zugang zu Kinderpornografie zu erschweren.
Es geht darum, den Weg über das Vehikel "Kinderpornografie" für die absolute Kontrolle und Zensur der Bürger freizumachen.
Denn, wer wird sich denn schon gegen die Kontrolle von Kinderpornoseiten wehren ? Eben.
Die Mutigen, die jetzt auf die Straße gegen, z.B. CCC, laufen Gefahr von vornherein von der Politik und dem geneigten Bild-Leser als Pädophile gebrandmarkt zu werden. Zu unrecht, denn diese demonstrierenden Menschen haben wohl mehr Anstand und Sinn für Gerechtigkeit in den Knochen als all die selbsternannten Blockwarte.
-
Und warum findet sich dieses brisante Thema bei Stern unter der Ruprik "Digital" wieder ? Diskussion unerwünscht ?
Lily1234 (17.04.2009, 17:16 Uhr)
Ja klar....
Was kommt demnaechst? Statt Diebe zu jagen verteilt dann die Polizei demnaechst Augenbinden, damit wir das Fehlen der Wohnungseinrichtung nicht mehr sehen?
Recherchen haben doch ergeben, dass es kaum Zeit und Muehe in Anspruch nahm, einem Provider eine solche Seite zu melden, die dieser dann ziemlich schnell loeschte. Dafuer gibt es schliesslich Webmaster...
Angel_of_Mercy (17.04.2009, 17:15 Uhr)
Hmm,...
Wem untersteht das BKA? Doch wohl dem Innenministerium und dem rollenden Schwarzgeldtresor, aber alle hacken auf "Kampfgrins"-Uschi rum. Die hat sich als Galionsfigur voran gestellt. Die Fäden aber zieht ein seit einem Anschlag gelähmter mit schwäbischem Akzent.
So und jetzt machen wir uns alle auf nach Berlin und demonstrieren gegen Internetzensur.
Eisenbaer (17.04.2009, 17:04 Uhr)
Ach ja....
...unsere Bundesregierung ist wieder am Regieren. Diesmal wieder ist Frau von der Leyen (oder "Frau von den Laien"?) dabei. Das beste Argument für das Stoppschild ist vermutlich dieses:
Die Verbreitung von Kinderpornografie wird jetzt zwangsläufig abnehmen, denn bevor das Stoppschild da war, wusste der Nutzer ja gar nicht, dass das Herunterladen von Bildern mit kinderpornografischem Inhalt auch unter die Kinderpornografie fällt.

Herr schmeiss Hirn vom Himmel und lasse es auf die Laien regnen... ;-))
DasBertl (17.04.2009, 16:31 Uhr)
Wirksamkeit?
Das ganze ist in etwa so wirksam, wie den Schlüssel nach dem verlassen der Wohnung nicht im Schloss stecken zu lassen sondern unter die Fußmatte zu legen. Völlig blödsinnig. Statt die Augen zu verschließen, nach dem Motto "was ich nicht seh' das gibts auch nicht", sollten lieber mehr Beamte die dazu befähigt sind derartige Seiten und ihre Betreiber ausfindig zu machen eingesetzt werden. Wobei sowieso noch bezweifelt werden darf, das der Großteil der Kinderpornografie auf Webseiten zu finden ist. Im Netz wird der Großteil wohl per Peer-To-Peer getauscht, doch das meiste wird vermutlich per Post weitergereicht. Denn das ist offenbar noch am ungefährlichsten, dem Postgeheimnis sei Dank...
MRP66 (17.04.2009, 15:58 Uhr)
Nun...
dass etwas dagegen gemacht werden muss ist denke ich jedem klar. Nur nicht auf diese dilletantische Weise. Ein wichtiges Argument, was in diesem Artikel unteschlagen wurde ist, dass wenn bekannt ist wo diese Inhalte liegen, diese Server sofort abzuschalten, als nur ein Stoppschild hinzuhängen. Zitat:" "Die Bundesregierung und das BKA", meint dazu Alvar Freude, Sprecher des Fördervereins Informationstechnik und Gesellschaft e.V. (FITUG), "müssen sich fragen lassen, warum es ihnen trotz Kenntnis bisher nicht gelungen ist, diese Server abzuschalten."
Seltsam...nicht wahr?
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