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4. September 2008, 15:18 Uhr

Google hat nichts zu verschenken

Wer das Internet benutzt, nutzt auch Google. Das Unternehmen bietet viele Dienste wie Suchmaschine, E-Mail und Video kostenlos an, lässt sich den Service aber mit persönlichen Daten bezahlen. "Meine Daten gehören mir", sagt stern-Redakteur Ulf Schönert.

Google ist nicht mehr nur Suchmaschine, jetzt bietet das Unternehmen mit Chrome einen Internet-Browser an© DPA

So, wieder deinstalliert. Nicht, dass der neue Google-Browser Chrome ein schlechtes Programm wäre. Im Gegenteil: Für eine Beta-Version, also angesichts der Tatsache, dass er eigentlich noch gar nicht fertig ist, ist Chrome wirklich gut. Einfach zu bedienen, schnell installiert, schick aussehend, übersichtlich.

Dass ich ihn trotzdem wieder von meiner Festplatte geworfen habe, hat einen einfachen Grund: Er ist von Google. Nicht, dass ich Google nicht nutzen würde. Auch ich starte jeden Tag Dutzende Anfragen über die Suchmaschine, ich lese Google News, schaue mir Youtube-Videos an, nutze die Blog-Suche, lasse mich von Google Alerts über Neuigkeiten informieren. Die Fotosoftware Picasa ist ganz fantastisch, Google Earth macht Spaß und die Online-Textverarbeitung Google Docs finde ich total praktisch. Und Google Mail ist in meinen Augen der nach wie vor der beste Freemailer, den es gibt. Doch so lobenswert all diese Angebote für sich sind: In der Summe bedrohen sie nicht nur die persönliche Datensicherheit, sondern auch die Freiheit des Internets insgesamt.

Je mehr dieser Produkte ich nutze, desto mehr weiß Google über mich: welche Texte ich schreibe, welche Blogs ich abonniert habe, für welche Themen ich mich interessiere. Google kennt sogar meine Briefe und Fotos - Privateres, Intimeres habe ich nicht zu bieten. Es sind Informationen, die ich selbst guten Bekannten so nicht zur Verfügung stellen würde, die ich aber einer überseeischen Firma anvertraue, von der ich kaum mehr weiß, als dass sie von zwei Studenten gegründet wurde, unendlich viel Geld besitzt, und dass sie eben gute Produkte anbietet.

Der Gläserne Surfer

Aber gute Produkte sind eben nicht alles. Als mündiger Internet-Nutzer darf man nicht nur nach der Oberfläche urteilen. Gerade angesichts der Tatsache, dass so viel "kostenlos" angeboten wird, müssen wir uns fragen: Ist das wirklich alles geschenkt? Oder zahlen wir nicht am Ende doch irgendwie drauf? Wer unter die Oberfläche schaut, entdeckt, dass Google im vorigen Jahr den größten Internet-Werbevermarkter "Doubleclick" für mehr als drei Milliarden Dollar gekauft hat. Diese Summe will Google natürlich wieder erwirtschaften, mit Werbeeinnahmen nämlich. Und um die zu steigern, sammelt Google unsere Daten. Google hat nichts zu verschenken. Wir bezahlen den kostenlosen Chrome-Browser und all die anderen Gratis-Gimmicks, in dem wir unsere Daten und Informationen über unsere Gewohnheiten verschenken, und Google sie zu Geld macht. Das Ergebnis ist der gläserne Surfer.

Aber ich will kein gläserner Surfer sein. Und: Ich will das Netz nicht denen überlassen, denen all das egal ist. Das Netz ist nicht nur für diejenigen da, die diese Ich-hab-doch-nichts-zu-verbergen-Einstellung haben, denen Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung egal sind. Ich will das Netz nutzen, aber ich will bestimmen, wer meine persönlichen Daten wie nutzen darf. Ich will sie nur jemandem geben, dem ich vertraue. Google, dem profitorientierten, von niemandem wirklich kontrollierten Großkonzern, vertraue ich nicht. Zumindest nicht genügend.

Google-Diät

Ich bin weit davon entfernt, zum Google-Boykott aufzurufen, aber eine Google-Diät würde uns schon jetzt guttun. Was wir brauchen, ist eine gesunde Mischung. Wenn man schon seine Daten raushaut, dann doch wenigstens ein Bisschen verstreut: die Mails bei GMX, die Fotos bei Flickr, die Landkarten bei Microsoft Virtual Earth, Blogsuche bei Technorati, chatten über AIM, die Desktop-Suche von Copernic. Diese Streuung sorgt zum einen dafür, dass keine einzelne Firma Zum anderen nützt es der Vielfalt im Internet und hilft, dessen freien, demokratischen Charakter zu bewahren.

Dafür können wir alle sorgen. So, wie wir im Supermarkt nicht nur drauf achten sollten, ob der Apfel gut aussieht, sondern auch, ob er aus der Region und aus biologischem Anbau stammt, sollten wir auch bei Software oder Internet-Diensten darauf achten, was hinter der Software steckt, die sich auf den ersten Blick so strahlend präsentiert.

Und so, wie man sich zuweilen für den Apfel entscheidet, der vielleicht nicht ganz so toll aussieht und ein wenig teurer ist, dafür aber gesünder, sollte man sich dann auch für Software entscheiden, die vielleicht nicht ganz so toll aussieht und beim Starten vielleicht ein paar Sekunden länger braucht. Aus diesem Grund bleibe ich bei meinem Stamm-Browser Firefox.

 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
maxxpoint (05.09.2008, 11:00 Uhr)
Google überlisten...
Golem.de: "Googles Browser Chrome sendet einige Daten an den Hersteller, daraus macht Google keinen Hehl. Bei der Installation bekommt jeder Browser eine eindeutige Nummer zugeordnet, die immer wieder zusammen mit anderen Daten an Google gesendet wird.
In den Konfigurationsdateien kann dies ausgeschaltet werden. Allerdings macht es Google dem Anwender nicht gerade einfach, die Browseridentifikation loszuwerden."
Und so geht's:
http://www.golem.de/0809/62216.html
thyceomx (05.09.2008, 08:57 Uhr)
Dummheit? Ignoranz? Selbstüberschätzung?
Tja, was bewegt Menschen im Web 2.0 eigentlich dazu, sich wie totale Voll.... zu verhalten? Sind es die Gründe in der Überschrift oder einfach nur der Drang, auch am "Elektronischen Exhibitionismus" teilzunehmen, weil man es nicht bis in die Oliver Geissen Show geschafft hat?
Verbrennt euer Geld, werft euren Ausweis weg und stellt euch nackt auf die Straße - ihr werdet schon sehen was ihr davon habt - und ihr habt es nicht anders verdient!
Tiburon_Blanco (05.09.2008, 08:45 Uhr)
Disqualifiziert....
Ich habe selten einen unqualifizierteren Artikel zu dieser Thematik gelesen.
Wenn ich sehe was Herr Schönert so alles von google nutzt und wie viel er da schon preis gegeben hat - dann muss ich mich ernsthaft fragen was soll der Browser dann bitte schön noch über ihn herausfinden??
Wie absurd ist es denn über google-mail private Nachrichten und über picasa private Bilder preiszugeben und das Deinstallieren eines Browsers dann als Schritt eines "mündigen Internet-Nutzers" zu stilisieren. Wenn eine Google-Diät dann doch bitte da wo es wirklich persönlich ist und wirklich Sinn macht und nicht da wo es nur um Effekthascherei geht.
Mal abgesehen davon - wir leben in einem Staat in dem die GEZ mehr von uns weiß als wir selbst und in dem das Finanzamt uns zur besseren Kontrolle eine ID vergibt die uns über unser Lebensende hinaus in allen Belangen kontrollierbar macht. Wir geben für jeden Antrag Unmengen an Daten preis. Behörden und Institutionen tauschen unsere Daten beliebig untereinander aus haben vollen Zugriff auf unsere Konten und wenn wir Pech haben lassen sie die Daten irgendwo ungeschützt rumliegen - damit windige Datenhändler sie dann meistbietend unters Volk bringen kann.
Und sie, lieber Herr Schönert deinstallieren einen Browser weil sie mündig und nicht gläsern sein wollen?? Wenn Sie wirklich glauben was sie da geschrieben haben, beneide ich sie schon fast um ihre Naivität.
Von einem ernsthaften Journalisten erwarte ich allerdings etwas anderes.
joll007 (05.09.2008, 07:54 Uhr)
Kommentar gelöscht?
Wie ich feststellen musste wurde mein Kommentar "Datenschutz" aus dem Blog entfernt,war wohl zu pro Google.Schade Stern ich dachte immer ihr wärt unabhängig.Grüße an Bill Gates
Lorellin (05.09.2008, 02:49 Uhr)
RTL-Niveau
Ich habe bislang geglaubt, der Stern sei ein seriöses Magazin. Aber nun muss ich hier einen genauso sinnfreien, wie überflüssigen Artikel lesen. Eine technisch gelungene, in Sachen Geschwindigkeit unübertroffene, klar strukturierte und nicht-überladene Software nur aus dem Grund nicht zu verwenden, weil diese von einem Unternehmen entwickelt wurde, welches genau wie alle erfolgreichen Unternehmen, ihre Kunden möglichst durchsichtig halten möchte, ist ebenso unprofessionell wie dumm. Ich würde gern wissen, was Stern mit den Daten meiner Registrierung hier anstellt. Bekommen die Leute die unter der angegebene Adresse wohnen nicht auch Werbung? Wenn ja, dann ist die deutlich schwerer zu beseitigen, als eine Spam-Mail, oder?
Es gibt bei Chrome einige Kritikpunkte, die einem kompletten Umstieg im Wege stehen (als Firefoxnutzer wird man vor Allem NOCH die Plugins vermissen, an die man sich gewöhnt hat), aber einen solchen Grund zu nennen ist vielleicht gerechtfertigt, aber im Großen und Ganzen doch nichts Anderes als Panikmache.
Wirklich zu verdenken, ist es dem werten Herrn Redakteur im Speziellen und dem Stern im Allgemeinen nicht. Schließlich möchte man doch keine Gelegenheit auslassen, einem Klischee der freien Presse nachzukommen: Schlagzeilengeilheit. Und sind wir einmal ganz ehrlich... "Google hat nichts zu verschenken" klingt doch viel spannender und aufregender als "Google entwickelt einen innovativen Browser". Oder doch nicht?
Der Browser ist im Übrigen OpenSource. Es kann also Jeder nachvollziehen, welche Daten genau übermittelt werden (wer den Nutzungsbedingungen schon keinen Glauben schenken mag). Google würde es sich also mehr als zweimal überlegen, es mit dem "Datensammeln" zu übertreiben. Und vor Allem fachkundige Radakteure, die sich hier eigentlich herumtreiben sollten, müssten Chrome als einen Tritt in den Hintern für andere Browser-Entwickler sehen, anstatt eine Volkshetze anzetteln zu wollen. Und ich bin mir ganz sicher, dass Microsoft schon jetzt überlegt, wie es Innovationen, die Chrome vorangetrieben hat, als seine eigenen verkaufen kann.
Und zum Thema Datensammeln: Es ist mir persönlich lieber, auf mich zugeschnittene Werbung zu bekommen, als Werbebanner sehen zu müssen, auf denen magersüchtige, ledernheutige Models Gesichtcreme anpreisen.
Schreibt lieber objektive Artikel und lasst Euch nicht auf dieses RTL-Niveau herab. Dazu ist das Papier zu schade, auf dem dieser Schund gedruckt wird - bzw. der Speicherplatz, der diesem Schmutz ein Obdach bieten muss.
tylerdurden1 (05.09.2008, 02:30 Uhr)
Richtig
Also ich habe mich gerade hier angemeldet nur um zu antworten, bis auf meine länge musste ich eigentlich alles von mir preisgeben.
So was macht Google so verkehrt?
makira (05.09.2008, 01:33 Uhr)
Kollektives Google-Bashing
Der Autor des Artikels sollte sich wenigstens einmal über die Funktionsweise von Web-Browsern informieren (in diesem Fall 'Chrome').
Ein Neuaufsetzen des Betriebssystems wäre vielleicht auch angebracht.
Tortist (05.09.2008, 01:15 Uhr)
Keine Chance auf Privatssphäre
Also theoretisch ist das ja ganz nett mit der Selbstbestimmung der Daten. Natürlich bin ich auch dafür. Aber in der Praxis Nonsens. Ich habe übrigens ein Sternabo und kriege regelmässig Post mit Angeboten von Versicherungen von GJ. Soviel zur Ethik ihres Arbeitgeber lieber Redakteur......
Mal ehrlich, wir tragen freiwillig einen Bewegungsmelder mit uns, nett sich Handy, bezahlen mit EC und Kreditkarte und werfen direkt hinter der Kasse den Bon weg, mal draufgeschaut was da draufsteht ( Kontonummer, BLZ oft auch Name ) haben Paybackkarten, HappyDigets, kaufen auf Ebay und kriegen Vorschläge "für ähnliche Artikel, freuen uns wenn amazon Hallo sagt und Buchvorschläge macht wie Kunden die auch das Buch wie Sie bestellt haben lesen auch, vistaprint uns kostenlose Angebote macht... ich könnte die Liste beliebig verlängern.
Macht euch nichts vor, wer egal wie an der digitalen Welt teilnimmt hinterlässt eine Spur. Sogar wer nicht teilnimmt wird gespeichert, den Unternehmen wie Schufa oder Infoscore bewerten jeden ohne Ausnahme, auch ohne direkte persönlichen Daten dazu reicht schon Alter und Adresse.
Selbstbestimmung über Daten ist eine Illusion. Insofern ist dieser Artikel schon reichlich lächerlich inklusive aller Kommentare die glauben es gäbe eine Möglichkeit der Kontrolle. Jeder von uns geht irgendwo in die Falle... deshalb verdienen Unternehmen wie google so viel Geld. Die wissen genau, wir kriegen zum Schluss alle...
PWB-NZ (05.09.2008, 00:30 Uhr)
Dat Dingens stinkt ...
Nachrichten gelesen. Chrome sofort installiert - ja, schön schnell, übersichtlich, einfach. Etwas darauf geachtet was da plötzlich an Daten rausgeht - beachtlich. Etwas darauf geachtet wieviele Festplattenzugriffe plötzlich durchgeführt werden - unglaublich. Chrome sofort wieder deinstalliert. Mein Rechner gehört mir. Google Chrome? Stinkt. Don't touch it.
parlazzo (04.09.2008, 21:49 Uhr)
Angstschweiß die 2.
Hoffe diesmal de richtige link
http://www.stern.de/computer-technik/internet/:Kommentar-Google/638037.html#kommentar1
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