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Die Kinderporno-Jäger

Seit über zehn Jahren vereint Torsten Meyer und Peter Vogt ein Ziel: Der Kommissar und der Staatsanwalt kämpfen gegen Pädophile im Internet. Dabei feiert das Duo mit unkonventionellen Methoden immer wieder Erfolge.

Man nennt sie die Zwillinge, weil sie im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet eng zusammenarbeiten - nun schon seit zehn Jahren: Torsten Meyer, Erster Kriminalhauptkommissar im Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt in Magdeburg, und Peter Vogt, Oberstaatsanwalt in Halle/Saale. Sie erarbeiteten ein neues Konzept, das Meyer als einzigartig in der Bundesrepublik bezeichnet. Mit ungewöhnlichen Methoden und neuen Wegen haben die Ermittler viele Pädophile zur Strecke gebracht.

Als am 15. Juli 1998 im niederländischen Zandervoort massenhaft Datenträger mit Kinderpornos gefunden wurden, die meisten verbreitet übers Internet, hatten Meyer und Vogt ihre Zusammenarbeit gerade begonnen, Peter Vogt bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Kinderpornografie bei der Staatsanwaltschaft Halle, Torsten Meyer als Leiter der Koordinierungs- und Auswertungsstelle Kinderpornografie im LKA. Immer wieder gingen sie unkonventionelle Wege.

Keinen Internetanschluss bei der Staatsanwaltschaft

Das Besondere: Die Polizei hat in Sachsen-Anhalt bei den Staatsanwaltschaften einen einzigen Ansprechpartner, denn alle Fälle von Kinderpornografie gehen über Halle. Peter Vogt erinnert sich, dass es anfangs nicht einmal einen Internetanschluss bei der Staatsanwaltschaft in Halle gab. Das Medium, in dem er ermittelte, war ihm nur übers LKA zugänglich. Das Internet gewann seither ständig an Bedeutung für pädophile Kriminelle und entsprechend für die Ermittler. Bearbeitete die Staatsanwaltschaft Halle 1998 noch knapp 40 Fälle von Kinderpornografie, waren es 2007 schon 900. In 800 Fällen war der Tatort das Internet.

2003 sorgten Meyer und Vogt mit ihren Mitarbeitern weltweit für Schlagzeilen. Mit der Operation "Marcy" sprengten sie 38 Zirkel im Internet, in denen kinderpornografisches Material ausgetauscht wurde. 26.500 Tatverdächtige weltweit wurden ermittelt. Mehr als zehn Kinder wurden aus den Händen ihrer Peiniger befreit. Damals hatte das Ermittlergespann den Softwareriesen Microsoft um Bereitstellung von Daten der Zirkelnutzer gebeten und war damit entscheidend weitergekommen. Der Drahtzieher aus Magdeburg ist längst rechtskräftig verurteilt. Erstmals erkannte ein Gericht auf bandenmäßiges Handeln im Internet.

Kreditkartenwirtschaft stellte Daten bereit

Vier Jahre später wieder ein spektakulärer Erfolg: Bei der Operation "Mikado" baten die Ermittler erstmals die Kreditkartenwirtschaft um Mithilfe. Sie waren auf eine Kinderpornoseite im Internet gestoßen. Bekannt waren nur der Preis für den Zugang und einige andere Details. Die Kreditkartenanbieter kooperierten, und wieder konnten Hunderte pädophile Kriminelle ermittelt werden. Der Erfolg ist allerdings nicht unumstritten. Noch liegt eine Klage beim Bundesverfassungsgericht vor. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das sei mir egal", sagt Peter Vogt. "Es kränkt einen schon. Aber jeder hat das Recht, juristisch gegen Strafverfolgungsbehörden oder ihre Methoden vorzugehen."

Überraschender Dank von Bürgern

Gegenwind sind die beiden Ermittler gewohnt. Gerade nach spektakulären Erfolgen häufen sich Angriffe. "Es ist klar, dass die Kriminellen uns nicht lieben", resümiert Torsten Meyer. "Nach ihrer Auffassung sind wir schließlich schuld, dass sie im Gefängnis landen. Aber damit lernt man zu leben." Mitunter wenden sich Bürger aus anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland hilfesuchend an die Ermittler in Sachsen-Anhalt. Oder bedanken sich. Torsten Meyer berichtet von einer ihm fremden Frau aus Bremerhaven, die nach der Operation "Marcy" ihre Hochzeitskollekte an den Verein Dunkelziffer in Hamburg spendete, einen Verein, der sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert. Und die ihm, Meyer, zum Dank einen persönlichen Schutzengel schickte, der noch immer auf seiner Kommode zu Hause über ihn wacht.

AP/Annette Schneider-Solis/AP
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