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11. Dezember 2009, 12:08 Uhr

Königliche Fete für das Echtzeit-Netz

Bei der "Le Web"-Konferenz in Paris kommen Online-Unternehmer aus ganz Europa zusammen, feiern die Twitter-Kultur - und fragen sich, warum Amerika eigentlich immer erfolgreicher ist. Neben vielen Web-Kings sorgt eine echte Königin für royalen Glanz. Von Karsten Lemm, Paris

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Die jordanische Königin Rania bei ihrer Rede vor Teilnehmern der "Le Web"-Konferenz© Karsten Lemm

Für die Königin springen sie alle auf, Applaus!, und anschließend liegen sie ihr zu Füßen: Am Morgen des zweiten Tages schwebt Queen Rania von Jordanien in den Raum und verzaubert eine Viertelstunde lang die Teilnehmer der "Le Web"-Konferenz in Paris. Die Bilderbuchschönheit Ihrer Hoheit lässt Kamerablitze aufzucken, ihre Worte bringen Herzen zum Schmelzen: Die Königin berichtet, wie sie mit einer Online-Kampagne, "1Goal", 75 Millionen Kindern in armen Ländern eine Schulausbildung ermöglichen will. "Mit dem Echtzeit-Internet werden wir der Welt echten Wandel bringen", verspricht sie. Und sie schwärmt von E-Mail, Twitter, Facebook als Wege, mit ihren Untertanen besser in Kontakt zu kommen. "Im Internet haben die Menschen keine Angst", sagt Queen Rania. "Soziale Netzwerke haben ein Fenster zu meinem Leben aufgestoßen, sie zeigen den Menschen besser, wer ich bin."

Kein Zweifel, die jordanische Königin ist eine von ihnen: Sie atmet Bits und Bytes, versteht die Online-Welt wie wohl keine Zweite aus den Rängen der Staatslenker. Schade eigentlich, dass sie nach ihrem kurzen Auftritt gleich wieder verschwunden ist. Sie passt perfekt auf diese Konferenz, die größte ihrer Art in Europa - ein Treffen aufstrebender Jungunternehmer, Webdesigner, Blogger, Investoren, das in diesem Jahr zum sechsten Mal abgehalten wird. Über 2000 Teilnehmer sind aus allen Himmelsrichtungen angereist, um in einem Kulturzentrum fernab von Louvre und Eiffelturm, umgeben von schmucklosen Hochhäusern, die Zukunft des Internets zu erkunden.

Mitstreitersuche per Twitter

"Wir haben großartige Firmen in Europa", sagt Loic Le Meur, Organisator der Konferenz. "In Amerika werden Unternehmer als Helden gefeiert, wir in Europa dagegen neigen dazu, sie eher zu verstecken. Das versuchen wir mit Le Web zu ändern." Zwei Tage lang dreht sich alles um die aktuellen Trends der Online-Welt - soziale Netze, Mobildienste, Echtzeit-Informationen - und die Frage, wie man das Ganze am besten für sich nutzen kann. Billig ist der Spaß nicht: Teilnehmer zahlen weit über tausend Euro, und deshalb hat sich Vesna Gudlin mit anderen zusammengetan, die sie persönlich gar nicht kannte, um ihr Ticket erschwinglich zu machen. "Es gab ein Sonderangebot", erzählt die Marketing-Beraterin aus Göttingen. "Wer mindestens drei Tickets kauft, bekommt sie billiger." Per Twitter suchte sie Mitstreiter, fand sie binnen Minuten, recherchierte schnell bei Google, Facebook, Xing, ob es sich um vertrauenswürdige Leute handelte - und dann, digital in Echtzeit informiert, schlugen die Drei gemeinsam zu.

Seite 1: Königliche Fete für das Echtzeit-Netz
Seite 2: Einfallsreichtum der Amerikaner
Seite 3: Mekka für Jungunternehmer
Seite 4: Europäer wollen nicht die Welt erobern
 
 
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