Augenzeugenberichte Loveparade:
"Wir waren hilflos"
19 Tote, mehr als 340 Verletzte - das ist die Schreckensbilanz der Loveparade 2010. stern.de hat kurze Berichte von denjenigen zusammengestellt, die die Katastrophe von Duisburg an eigenen Leib erleben mussten.
Die Massenpanik auf der Loveparade mit 19 Toten und mehr als 340 Verletzten hat landesweit für Bestürzung gesorgt. Für diejenigen, die die Tortur am eigenen Leib erleben mussten, wurde das ursprünglich so fröhliche Fest zu einer einzigen Tortur. stern.de hat kurze Augenzeugenberichte zusammengestellt.
"Ich bin durch die Hölle gegangen. Ich kann das nicht verarbeiten.
Die Leute sind einander auf den Köpfen rumgetrampelt. Wir waren
hilflos", sagt der 27-jährige Martin Hahn. Am Samstag war er dem Massengedränge auf der Loveparade entkommen, am Sonntag kehrte er zum Gelände zurück und legte einen Blumenstrauß ab.
"Der Tunnel war verstopft. Es wurde richtig voll. Ich fühlte mich ohnmächtig", sagt Maja Jakov (32), die bei der Loveparade dabei war. Am Sonntag ist sie zum Gelände zurückgekommen: "Gestern hab ich mich zunächst gefreut, heute ist nur noch Trauer."
"Neben mir ist ein Mädchen gestorben", sagt der 17-jährige Dustin aus Erkrath. Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen. Es sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. Er selbst konnte sich kaum bewegen: "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise hätten fünf bis sechs Personen übereinander gelegen. "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen", berichtet Dustin. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."
"Es war nicht das richtige Gelände, es war einfach zu eng", erzählt der 17-jährige Thomas aus Köln. Seine Jeanshose ist am rechten Bein komplett zerrissen, um sein Knie trägt er einen Verband. Security und Polizei seien mit der Situation überfordert gewesen. Ob er noch einmal zu einer Loveparade oder einer ähnlichen gehen möchte, wisse er noch nicht.
"Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen", berichtet der 21-jährige Fabio. "Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei aber erst einmal nichts.
"Das war programmiertes Chaos", kritisiert ein weiterer Augenzeuge am Samstagabend. "Der Tunnel ließ keine Fluchträume zu." Auch ein anderer Augenzeuge erklärt, die Veranstalter seien nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen.
"Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein
Gelände für 350 000 Menschen bereitstellen", moniert Udo Sandhöfer, Augenzeuge und Kameramann beim Fernsehsender n-tv. "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor."
"Wenn man dann den Leuten direkt vor der Nase den Weg quasi
versperrt, dann ist klar, dass das irgendwann hochkocht und ja, dann
passiert so etwas", so ein weiterer Augenzeuge.
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