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29. März 2007, 15:39 Uhr

Hoffnung bringt der Download

Die nach eigenen Angaben seit Jahren krisengeschüttelte Musikindustrie hat neue Zahlen herausgegeben. Fazit der Branche: Es sehe immer noch schlimm aus, aber der legale Download von Musik lasse auf bessere Zeiten hoffen. Gegen Raubkopierer soll eine harte Gangart beibehalten werden.

Bezahlte Musikdownloads sind die Hoffnung der Plattenindustrie© Oliver Stratmann/DDP

Das Internet wird immer stärker zum Hoffnungsträger für die Musikindustrie. Im vergangenen Jahr stiegen die Download-Umsätze um 40 Prozent auf 42 Millionen Euro, erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Phonoverbände, Peter Zombik, in Berlin. Der Downloadmarkt konnte den Umsatzrückgang bei den klassischen Tonträgern jedoch noch nicht ganz kompensieren. So ging der Branchenumsatz 2006 weiterhin leicht um 2,4 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro zurück. Hauptumsatzträger der Branche war weiterhin die CD mit 85 Prozent, gefolgt von Musikvideos mit neun Prozent.

Auch der Verkauf von CDs über das Internet wird immer wichtiger: Mit 17,9 Prozent ist das Web inzwischen der zweitwichtigste Vertriebskanal hinter den Elektrofachmärkten. Erfreut zeigte sich die Branche über den wachsenden Anteil deutscher Musik in den Charts. So stieg der Chartanteil von Alben aus deutscher Produktion 2006 auf 38,1 Prozent. Im Jahr 2000 hatte er noch bei 19,5 Prozent gelegen. Noch besser sieht es in den Singlecharts aus: Mit einem Anteil von 53,2 Prozent stachen deutsche Produktionen hier ebenfalls die internationale Konkurrenz aus.

Kampf gegen Internetpiraterie

Im Kampf gegen Internetpiraterie hat die Musikwirtschaft ebenfalls Erfolge zu vermelden: Die Zahl der illegalen Downloads sei von 412 Millionen im Jahr 2005 auf 384 Millionen in 2006 gesunken. Damit sei der niedrigste Stand seit Beginn der aktiven Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen im Jahr 2004 erreicht worden, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Phonoverbände, Michael Haentjes. Gelöst sei das Problem jedoch noch lange nicht: "Auf einen legalen Download kommen immer noch 14 illegale."

Daher will die Branche den Druck auf Musikpiraten weiter steigern. "Seit Jahresbeginn haben wir bereits 15.000 Strafverfahren eingeleitet", berichtete Haentjes. "Jeder, der illegal Musik hochlädt, wird früher oder später von uns erwischt." Die Erlöse aus Schadenersatzzahlungen werde die Musikwirtschaft in Projekte an Schulen investierten, kündigte Haentjes an.

Auf eine gekaufte CD kommen drei kopierte

Sorgen bereitet der Branche auch die unverändert hohe Zahl von Privatkopien: "Auf eine gekaufte CD kommen inzwischen drei kopierte", erklärte Zombik. Dabei seien private Kopien auf MP3-Playern, USB-Sticks, Handys oder Festplatten noch gar nicht berücksichtigt. Inzwischen brenne jeder zweite Deutsche ab zehn Jahren CDs oder DVDs. Die Phonoverbände bekräftigten daher ihre Forderung nach effizienteren rechtlichen Rahmenbedingungen zum Schutz geistigen Eigentums. Haentjes mahnte insbesondere ein Verbot von Aufnahmesoftware an, mit der sich CDs aus Internetradios zusammenstellen lassen. Außerdem kritisierte der Chef der Edel Music AG den vorliegenden Gesetzentwurf zum Urheberrecht. Eine Deckelung der Abmahngebühren verlagere die Kosten auf die Seite der Geschädigten, erklärte Haentjes. "Es handelt sich hier um Diebstahl. Wenn wir als Bestohlene auch noch für die Strafverfolgung zahlen müssen, finde ich das in höchstem Maße unfair." Mit der Regelung will die Bundesregierung Surfer, die keine geschäftlichen Interessen verfolgen, vor überzogenen Abmahnungskosten schützen.

AP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
subsinker (29.03.2007, 17:06 Uhr)
DRM behindert leider
Einen schönen Abend an die Stern-Gemeinschaft.
Was mir spontan dazu einfällt, ist ein entscheidender Punkt:
Leider verzichte ich immer mehr auf CD-Käufe, und begnüge mich ausschließlich mit Radio, Internet-Radio, welches ich auch genau auf meinen Musikgeschmack zurechtgeschnitten hören kann, oder auch Pod Casts.
CDs nehmen wir auf dauer zu viel Platz weg, und herunterladen kann und möchte ich nichts. Heutige MP3-Downloads sind DRM geschützt, welche auf Windows keine Probleme machen. Interessant wird es dann, wenn man ein OpenSource-Betriebssystem hat, bspw. Linux, oder einen billigeren, nicht DRM-fähigen MP3-Player. Beide haben so ihre Probleme mit der Wiedergabe solcher DAteien, bzw. verweigern gar die Erkennung dieser als Musikdateien.
Ich lasse mich nicht von der Musikindustrie dazu zwingen, zurück zu Windows zu kehren. Ich denke, wenn man noch mehr Umsatz erzielen möchte, sollte die Musikindustrie sich Gedanken machen, wie man die Dateien schützen kann, ohne dass nur teure, monopolistische Betriebssysteme und/oder MP3-Player sie wiedergeben können.
Ist das passiert, bin auch ich gerne wieder bereit, mein privates Musikarsenal wieder aufzustocken.
Schöne Grüße,
Sascha Thiebach
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