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15. Dezember 2005, 14:06 Uhr

Wikipedia kaum schlechter als die "Britannica"

Eine Studie des Wissenschaftsmagazins "Nature" hat ergeben, dass die Qualität der Wikipedia kaum unter der der renommierten Encyclopaedia Britannica liegt - zumindest bei wissenschaftlichen Artikeln.

Die Wikipedia lebt von ihren Communitymitgliedern© Wikipedia.de

Wissenschaftliche Einträge in der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia sind fast so exakt und umfassend wie die entsprechenden Artikel in der renommierten Encyclopaedia Britannica, die als Standard unter den Nachschlagewerken gilt. Das ist das Fazit einer Untersuchung der Fachzeitschrift "Nature", die knapp 50 Wissenschaftler Einträge aus beiden Enzyklopädien auf Fehler untersuchen ließ. Im Durchschnitt fanden die Experten dabei in der Encyclopaedia Britannica pro Artikel drei und bei Wikipedia pro Eintrag vier Ungenauigkeiten. Das umstrittene Wikipedia-Konzept, bei dem jeder unabhängig von seiner Ausbildung die Beiträge verändern darf, liefert demnach eine überraschend hohe inhaltliche Qualität, berichtet "Nature" (Bd. 318, S. 900).

Momentan enthält die 2001 gegründete Wikipedia etwa 3,7 Millionen Beiträge in 200 Sprachen. Allein in der englischsprachigen Version kommen täglich ungefähr 1500 Artikel hinzu. Im Gegensatz zu anderen Nachschlagewerken basiert die Online-Enzyklopädie jedoch nicht auf Expertenwissen, sondern erlaubt es jedem Interessierten, Beiträge zu schreiben und zu bearbeiten - unabhängig davon, ob es sich um einen Spezialisten oder einen absoluten Laien handelt. Potenzielle Fehler, so die Ansicht der Betreiber, werden von anderen Lesern sehr schnell entdeckt und sofort korrigiert, so dass die Qualität der Artikel mit der Zeit immer besser wird.

Die Encyclopaedia Britannica hat eine lange Tradition© Britannica.com

Dieses Konzept funktioniert zumindest bei wissenschaftlichen Beiträgen offenbar sehr gut, zeigt nun die von "Nature" in Auftrag gegebene Studie: Wie bei Artikeln aus Fachzeitschriften üblich, ließ das Magazin je 42 Wikipedia- und Britannica-Beiträge in einem so genannten Peer-Review-Verfahren von Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet begutachten. Die Themen der Einträge reichten dabei vom Vormenschen Australopithecus über den Satz des Pythagoras bis zur Biografie verschiedener Persönlichkeiten der Wissenschaftsgeschichte. Die Gutachter sollten nach drei Arten von Ungenauigkeiten - sachlichen Fehlern, fehlenden Informationen und irreführenden Aussagen - suchen, ohne zu wissen, welcher Eintrag aus welcher Enzyklopädie stammte.

Kritik an der Sprache

Das einzige, was die Gutachter einmütig in den Wikipedia-Beiträgen kritisierten, waren der sprachliche Stil und der Aufbau der Artikel. Insgesamt seien jedoch in beiden Nachschlagewerken relativ viele Fehler entdeckt worden, berichtet "Nature"-Autor Jim Giles. Die Encyclopaedia Britannica schnitt dabei zwar etwas besser ab, der Unterschied war aber bei weitem nicht so groß wie erwartet. Nach Ansicht der "Nature"-Redakteure könnte die Qualität der Wikipedia-Beiträge noch deutlich verbessert werden, wenn mehr Wissenschaftler mitarbeiten würden: Einer Umfrage zufolge kennen zwar 700 von 1000 Forschern die Online-Enzyklopädie, schon einmal mitgeschrieben haben jedoch weniger als 10 Prozent von ihnen.

Negative Wikipedia-Schlagzeilen

In den vergangenen Wochen hatte es einige negative Schlagzeilen über die Wikipedia gegeben. In der englischsprachigen Ausgabe hatte ein absichtlich falscher Artikel für Aufsehen gesorgt, der den US-Journalisten John Seigenthaler in Verbindung mit den Morden an John F. und Robert Kennedy stellte. Der Urheber des Artikels hat sich inzwischen bei Seigenthaler entschuldigt. In der deutschen Wikipedia hatte es einige Fälle von Urheberrechtsverletzungen gegeben, weil ein Autor Beiträge aus alten DDR-Lexika kopiert und veröffentlicht hatte.

DDP
 
 
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