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Nespresso für Saft: Warum Google Millionen für eine völlig nutzlose Saftpresse blechte

Frischer Saft wie aus einer Nespresso-Kapsel, das versprach Juicero. Und Investoren steckten Hunderte Millionen in den Laden. Jetzt stellt sich heraus: In den teuren Fruchtpaketen steckt nix als geschreddertes Gemüse - und die Maschine braucht man auch nicht.

Von Malte Mansholt

Die Saftpresse Juicero steht auf einer Küchenzeile

Frisch gepresster Saft aus Tüten: Das ist Juicero. Für den Kaffee hat man im Werbematerial aber einen klassischen Kaffeedrücker bereit stehen

Frisch gepresste Säfte und Smoothies liegen voll im Trend - in den an Fertigprodukte gewöhnten USA noch viel mehr als hier. Und auch der bequeme Kapsel-Kaffee à la ist rund um den Globus sehr erfolgreich. Da lag es nahe, die beiden Trends miteinander zu verbinden. Das Ergebnis heißt Juicero. Und ist gleichzeitig lächerlich teuer und weitgehend nutzlos.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Wie bei einer Nespresso-Maschine stellt man sich den Juicero getauften Hightech-Entsafter in die stylische Einbauküche. 400 Dollar (etwa 370 Euro) kostet der Spaß. Dann darf man sich die garantiert nicht biologisch abbaubaren Obst- und Gemüse-Pakete dazukaufen, aus denen die Maschine dann frischen presst. Die Packs gibt es im Abo ab 30 Dollar die Woche, für satte fünf Portionen Saft.


Frischer Saft aus dem Plastikpack

Wer nun an Krüge frisch gepressten Orangensaft denkt, wird aber enttäuscht: Eine Portion reicht für ein einziges Glas. Wer seine vierköpfige Familie jeden Tag mit frischem Saft versorgen will, ist also mit mindestens 180 Dollar dabei - jede Woche. Ein Schnäppchen. Vor allem, weil die Portionen nach etwa einer Woche ablaufen. Und man sie dann nur noch wegwerfen kann: Die Maschine akzeptiert selbst wenige Stunden abgelaufene Packs nicht mehr.

Kein Wunder also, dass die Investoren Juicero-Gründer Doug Evans die Bude einrannten. Schließlich schlägt bei der Kombination aus teurer Hardware und noch teureren Folgekosten jedes Investorenherz gleich schneller. 120 Millionen konnte Juicero so einsammeln, unter anderem stieg auch die Investment-Abteilung der Google-Mutter Alphabet ein. Gründer Evans verglich sich schon mal, ganz bescheiden, mit Apple-Ikone Steve Jobs. Aber jetzt gibt es Ärger.

Das sagt der Hersteller

Denn die Investoren bekamen einfach nicht, was versprochen wurde, berichtet "Bloomberg". Zum einen sei die Maschine deutlich größer als behauptet, erklärte ein anonymer Investor. Zum anderen scheint sie weitgehend nutzlos zu sein: Man kann die Saft-Pakete nämlich auch einfach mit der Hand ausdrücken. Das funktionierte im Bloomberg-Test hervorragend: Während die Maschine in zwei Minuten 240 Milliliter aus dem Paket holte, schaffte es der Tester mit der Hand 30 Sekunden schneller - und holte trotzdem 225 Milliliter heraus.


Das wollte der aktuelle Juicero-Chef Jeff Dunn nicht auf sich sitzen lassen. Die smarte Saftpresse, die über Wlan im Internet hängt, sei für das korrekte Pressen unerlässlich. In einem Statement bei "Medium" nennt er dafür drei Gründe: Erstens könnte der Hersteller nur mit der Maschine später als kontaminiert entdeckte Pakete automatisch sperren lassen, zweitens sei der optimierte Druck für den perfekten Geschmack nur über den Entsafter zu gewährleisten und drittens würden die gesammelten Daten der Maschine erst die komplexe Lieferung der frischen Zutaten ermöglichen.

Den wichtigsten Grund ließ er allerdings weg: Juicero verkauft seine Saftpakete nämlich nur an Besitzer der Maschinen. Die Frage, sie sich ohne einen der Entsafter zu kaufen, stellt sich also eigentlich gar nicht.

Möhrenmatsche für 5 Dollar

Um die eigene Qualität zu beweisen, zeigte ein Video bei Vimeo den Inhalt der Beutel. In denen steckt nämlich tatsächlich kein fertiger Saft. Stattdessen offenbart der geöffnete Beutel im Clip eine Matsche, die wie geschredderte Möhren aussieht. Warum man für so eine kleine Menge verarbeitetes Gemüse knapp 5 Euro bezahlen soll, beantwortet Juicero damit aber nicht. Muss man vielleicht auch gar nicht: Bei Nespresso und Co. funktioniert die Masche schließlich prima.

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