HOME

Erfolgreicher denn je - trotzdem ändert Netflix seine Strategie

Mehr als 100 Millionen Abonnenten, über 2,5 Milliarden Dollar Umsatz: Netflix ist erfolgreicher als je zuvor. Trotzdem schmiss der Streamingdienst zuletzt einige Serien aus dem Programm. Es ist der Beginn einer neuen Strategie.

Es war eine gewagte Wette, doch sie hat sich für Ted Sarandos ausgezahlt: Im März 2011 sicherte sich der heute 52-jährige Chief Content Officer (quasi der Verantwortliche für alle Inhalte) im Namen von die Rechte an der Politserie "House of Cards" - ohne je auch nur eine Pilotfolge gesehen zu haben. Er verließ sich bei der Kaufentscheidung nicht nur auf sein Bauchgefühl, sondern auch auf Daten, die der Streamingdienst im großen Stil über seine Nutzer sammelt. "House of Cards" wurde ein unglaublicher Erfolg und zur Blaupause des ganzen Konzerns.

Netflix wächst, der Gewinn kaum

Mittlerweile ist Netflix eine feste Größe im weltweiten Filmzirkus. Gefühlt im Wochentakt stehen neue Eigenproduktionen zum Abruf bereit. Hollywood-Stars geben sich die Klinke in die Hand: , Tilda Swinton, Drew Barrymore, Jake Gyllenhaal, Keanu Reeves, Selena Gomez. Auf der San Diego Comic Con zeigte der Konzern nun den Trailer für sein nächstes Blockbusterprojekt, den Fantasy-Action-Streifen "Bright". Die Hauptrolle spielt Will Smith, mit Kosten von 100 Millionen Dollar ist es der bislang teuerste Netflix-Film überhaupt.

Der Konzern scheint vor Kraft zu strotzen: Mit mehr als 100 Millionen Abonnenten und einem Umsatz von 2,5 Milliarden steht Netflix besser da als je zuvor. Nur eine Zahl passt nicht so recht in das Bild: Am Ende des Rekordquartals landeten nur 58 Millionen Euro Gewinn in der Kasse. Das sind zwei Prozent des . Das zwingt Netflix zu einem Strategiewechsel.

Wen interessieren schon Zahlen?

Lange Zeit galt für Ted Sarandos und Netflix-CEO Reed Hastings nur eine Devise: Wachstum um jeden Preis. Im großen Stil sicherte man sich vielversprechende , Filme und Dokumentationen, auch wenn sie noch so nischig waren. Die Einschaltquoten seien ohnehin nicht so wichtig, betonte Ted Sarandos immer wieder. Die Qualität einer Serie ließe sich nicht an Abrufzahlen messen - und Gift für die Kreativität sei der ständige Blick auf die Zahlen obendrein.

Doch den Erfolg von "" und "Orange Is The New Black", beides Projekte aus den Anfangstagen, konnte der Konzern nur selten wiederholen. Mit "Stranger Things" landete man im letzten Sommer einen Überraschungshit, die Dokuserie "Making A Murderer" sorgte vor anderthalb Jahren für Aufsehen und das Teeniedrama "Tote Mädchen Lügen nicht" sorgte für eine weltweite Debatte. Die Royal-Serie "The Crown" ist jetzt für den Emmy nominiert.

Teure Flops

Doch im kalifornischen Los Gatos, dem Firmensitz von Netflix, musste man auch teure Flops verkraften. Im Gegensatz zu früher ist man nun aber auch bereit, den Stecker zu ziehen: Die mit viel Tamtam gestartete Musikserie "The Get Down" von Star-Regisseur Baz Luhrmann ("The Great Gatsby") wurde nach nur einer Staffel eingestellt.

"Sense8", das ambitionierte Projekt der Wachowski-Geschwister ("Matrix"), das quer über den Globus gedreht wurde, war offenbar ebenfalls zu kostspielig. Auch wenn Sarandos die Serie stets als "Erfolg" bezeichnete, war nach der zweiten Staffel (startete im Mai) Schluss. Nach zahllosen Fan-Protesten beugte sich Netflix ein Stück weit und kündigte zumindest an, die Serie in einem zweistündigen Filmspecial zu Ende zu erzählen.

Das größte Fiasko war "Marco Polo", das als Antwort auf "Game of Thrones" lanciert wurde. Das Historien-Epos konnte die hohen Erwartungen nicht ansatzweise erfüllen. Nach Staffel zwei wurde die Serie eingestellt. Am Ende klaffte ein Loch in dreistelliger Millionenhöhe in der Kasse. Teuer ist nun mal nicht immer gut, das weiß nun auch Netflix.

Vom TV- zum Kinoschreck

Auch wenn Netflix das offiziell nicht bestätigt: Das vielbeschworene Mantra "Quoten interessieren uns nicht" scheint ein Ende gefunden zu haben. Zwar gibt man ungewöhnlichen Formaten nach wie vor eine Chance - etwa der Serie "Glow", in der es um eine weibliche Wrestlinggruppe im Amerika der 80er geht. Doch was nicht läuft, wird auch genauso schnell aussortiert. Bei der im April gestarteten Comedyserie "Girlboss" kam das Aus bereits nach knapp zwei Monaten.

Es dürfte nicht die letzte Serie gewesen sein, bei der der Rotstift angesetzt wird. Denn wenn am Ende nur 50 Millionen Dollar pro Quartal hängen bleiben, überlegt man es sich besser zweimal, ob man viele Millionen in ein mäßig erfolgreiches Format steckt. Zumal Netflix nach dem TV-Geschäft nun auch die Kinowelt umkrempeln will: 40 eigenproduzierte Filme sollen in diesem Jahr zum Abruf bereitgestellt werden.

"So wie wir das Fernsehgeschäft verändert und neu erfunden haben, indem wir die Zuschauer an die erste Stelle gesetzt haben, glauben wir, dass Internetfernsehen auch die Filmbranche wiederbeleben kann", heißt es im Quartalsbericht des Unternehmens. An Selbstbewusstsein hat es Ted Sarandos und Netflix-Chef Reed Hastings jedenfalls noch nie gemangelt.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.

Partner-Tools