Startseite

Das müssen Facebook-Nutzer jetzt wissen

Facebook führt am Freitag neue Datenschutzrichtlinien ein und wird seine Nutzer noch genauer durchleuchten. Doch was ändert sich konkret? Wir stellen die wichtigsten Neuerungen vor.

  2015 ändern sich die Nutzungsbedingungen bei Facebook. Wir erklären die wichtigsten Neuerungen.

2015 ändern sich die Nutzungsbedingungen bei Facebook. Wir erklären die wichtigsten Neuerungen.

Facebook aktualisiert am Freitag seine Nutzungsbedingungen, die mehr Transparenz und Kontrolle über die eigenen Informationen erlauben sollen. Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Regelungen sind Werbeanzeigen, die dann auch auf Grundlage des Internetsurfverhaltens eines Nutzers ausgewählt werden.

Wer sich nach dem 30. Januar 2015 in dem sozialen Internetnetzwerk einloggt, stimmt den neuen AGB automatisch zu. Eine Möglichkeit zum Widerspruch ist nicht vorgesehen. Wir stellen die wichtigsten Änderungen vor.

Was ändert sich bei Facebook?

Die Änderungen betreffen die Nutzungsbedingungen, die Datenrichtlinie und die sogenannte Cookies-Richtlinie. Sie wurden aktualisiert, um "neuen, von uns erarbeiteten Funktionen Rechnung zu tragen und diese Dokumente leicht verständlich zu machen", wie Facebook erklärt. So wird die Datenrichtlinie "kürzer und präziser", weil das Netzwerk wichtige Aspekte zur Konto-Einstellung seiner Nutzer in den Leitfaden "Grundlagen zum Datenschutz" verschoben hat, das sind interaktive Anleitungen zu den am häufigsten gestellten Fragen. Diese sind wie Mini-Präsentationen in einem Lernangebot aufgebaut. Darin wird etwa erklärt, wie man User blockieren kann, Markierungen auf Fotos entfernt oder wie man eine Zielgruppe für seine Beiträge festlegt.

Die Änderungen ermöglichen unter anderem die Einführung neuer Funktionen, wie beispielsweise eine "Kaufen"-Schaltfläche, die den Erwerb von Produkten ermöglicht, ohne Facebook zu verlassen. Sie wird derzeit getestet.

Wie werden die Werbeanzeigen auf meinem Facebook-Profil künftig ausgewählt?

Facebook weiß eine Menge über seine Nutzer, allein aus den Profildaten kennt das Netzwerk wichtige Details. Darüber hinaus leitet Facebook die Interessen von Mitgliedern anhand ihrer Aktivitäten auf der Plattform ab - zum Beispiel über die Seiten, die einem gefallen. Künftig erschließt sich Facebook die Interessen auch darüber, welche Apps ein Mitglied nutzt und welche Internetseiten es außerhalb von Facebook besucht. Das Netzwerk argumentiert, Werbung solle für den Nutzer "relevant und interessant" sein: "Vor diesem Hintergrund verwenden wir sämtliche Informationen, die wir über dich haben, um dir relevante Werbeanzeigen anzuzeigen."

Wie funktioniert das?

Wer im Internet nach Angeboten für seinen nächsten Urlaub sucht, könnte bei seinem nächsten Facebook-Besuch auf seinem Profil Werbung für Reisen angezeigt bekommen. Kauft jemand über das Internet eine Stereoanlage, werden ihm auf Facebook höchstwahrscheinlich Anzeigen für Lautsprecher oder anderes Zubehör eingeblendet. Technisch möglich ist das unter anderem über sogenannte Cookies. Diese kann ein Nutzer zwar ausstellen, er geht damit aber das Risiko ein, dass Internetseiten nicht so angezeigt werden oder funktionieren, wie sie eigentlich sollten.

Gibt Facebook meine Daten an Werbetreibende weiter?

Natürlich teilt Facebook mit seinen Werbepartnern Informationen über seine Nutzer. Dabei geht es beispielsweise um die Reichweite und den Erfolg einer Werbung. Diese Angaben enthalten laut Facebook aber keine Informationen, die es erlauben, jemanden persönlich zu identifizieren. Namen oder E-Mail-Adressen werden nicht ohne Zustimmung weitergegeben.

Wie kann ich beeinflussen, welche Werbung mir angezeigt wird?

Facebook führt eine Funktion ein, mit der Nutzer "mehr Kontrolle" über die ihnen angezeigten Werbeanzeigen bekommen sollen. Wenn sie in Deutschland verfügbar ist, kann sich ein Nutzer über das Symbol oben rechts an einer Annonce anzeigen lassen, warum diese Anzeige für ihn ausgewählt wurde und welchen Zielgruppen er zugeordnet wurde. Diese kann er dann ändern. Trotzdem kann eine eigentlich abgeschaltete Werbung noch einmal erscheinen, wenn das Unternehmen sie noch einmal für eine andere Zielgruppe geschaltet hat - und diese im Werbeprofil nicht deaktiviert ist. Auf die Anzahl der Werbeanzeigen hat der Nutzer ohnehin keinen Einfluss.

Kann ich die Werbung ausschalten?

Das ist möglich, aber nicht über die Internetseite von Facebook selbst. Facebook verweist unter anderem auf die Plattformen #link;www.aboutads.info/choices;About Ads# und #link;www.youronlinechoices.com/de/praferenzmanagement;Your Online Choices#. Sie umfassen mehrere Anbieter, die wie Facebook Werbung auf Grundlage der Internetnutzung erstellen - darunter auch Amazon, Google und Yahoo. Hier sehen Nutzer, welches Unternehmen bereits nutzungsbasierte Online-Werbung anbietet. Bei einer Deaktivierung bekommt man zwar weiter Werbung angezeigt, sie basiert aber nicht mehr auf vermeintlichen Interessen, die aus dem Surfverhalten abgeleitet wurden.

Was sagen deutsche Politiker zu den neuen Facebook-Regeln?

Die neuen Datenschutzregeln von Facebook stoßen vor allem im Bundesjustizministerium auf Kritik. Die Nutzer müssten selbst entscheiden können, ob die neuen Regeln aktiviert werden sollten, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Kelber dem "Tagesspiegel". Per Voreinstellung sollten die Funktionen auf "aus" gestellt sein.

"Wenn Facebook permanent verfolgt, wie wir auf bestimmte Angebote im Netz reagieren, besteht eine große Gefahr, dass wir vorhersehbar und damit auch manipulierbar werden", sagte Kelber. Unklar bleibe, welche Daten zu welchem Zweck verarbeitet, genutzt und ausgewertet würden. Am morgigen Stichtag würden Nutzer automatisch beim Einloggen ihre Einwilligung geben. "Man wird gezwungen, das Gesamtpaket zu wählen. Facebook lässt nur die Wahl: Alles oder Nichts."

  Das Facebook-Konto löschen? Wer sein Profil für immer aus dem sozialen Netzwerk entfernen will, hat's nicht gerade leicht.
Facebook-Account löschen
Wie Sie Mark Zuckerberg den Rücken kehren

Sie wollen Ihr Facebook-Profil löschen? Kein Problem: Mit wenigen Klicks können Sie ihr Facebook-Konto deaktivieren oder für immer ins Datennirwana schicken. Eine Anleitung für Ausstiegswillige.

Christoph Fröhlich
cf/Ulrike Tschirner/AFP/AFP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools