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Was die Änderungen bei Facebook bedeuten

Facebook hat seine komplizierten Privatsphäreeinstellungen vereinfacht - "weil unsere Nutzer es wollen." Die Änderungen sind ein Schritt in die richtige Richtung - doch zufrieden sind Kritiker nicht.

Von Ralf Sander

Der Druck war so groß, dass auch das größte soziale Netzwerk ihm nicht mehr standhalten konnte. Nach wochenlanger Dauerkritik hat Facebook seine Privatsphäreeinstellungen stark vereinfacht. Firmengründer Mark Zuckerberg gestand bei der Präsentation der Neuerungen ein, Fehler gemacht zu haben. Facebook habe in den vergangenen Monaten viele Dinge auf einmal geändert: "Das haben wir nicht so kommuniziert, wie wir es gekonnt hätten, viel ging unter."

Facebook hat stürmische Zeiten hinter sich: Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Zuckerbergs Unternehmen und andere Communitys wie Myspace durch Schlamperei Nutzerdaten an Werbekunden weitergegeben hatten. Zuvor war Facebook wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten kritisiert worden. 50 Einstellungen mit mehr als 170 Auswahlmöglichkeiten umfassten die alten Privatsphäre-Menüs. Nutzer konnten wegen der komplexen und verwirrenden Bedienoberfläche nur schwer die Kontrolle behalten über die Informationen, die sie mit anderen teilen wollen. In einer beeindruckenden Grafik zeigt Mark McKeon, wie sich die Grundeinstellungen eines jungfräulichen Facebook-Profils von 2005 bis April 2010 verändert haben: Mit jeder Änderung der Datenschutzbestimmungen gab der Facebook-Nutzer "ab Werk" mehr von sich preis, es sei denn, er unternahm aktiv etwas dagegen.

Nun also eine Kehrtwende

Facebooks neue Datenschutzkontrollen, die in den kommenden Tagen und Wochen eingeführt werden sollen, sind ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Kontrolle über die eigenen Daten. Künftig sollen Nutzer über eine einzige Einstellung festlegen können, mit wem sie die von ihnen veröffentlichten Inhalte teilen möchten. Eine neue Übersichtsseite bietet einige wenige grundlegende Auswahlmöglichkeiten dafür, wer was sehen darf: "Nur Freunde", "Freunde von Freunden" und "Alle". Eine Tabelle zeigt dazu jeweils an, was die Einstellungen im Detail bedeuten. So lassen sich mit einem Mausklick Grundeinstellungen für das gesamte Profil festlegen. Zusätzlich gibt es noch einen Menüpunkt namens "Empfehlung" für eine Konfiguration, die Facebook für sinnvoll erachtet. Sie liegt zwischen "Freunde von Freunden" und "Alle". Jede Einstellung kann nachträglich im Detail vom Nutzer verändert werden. (Wie die neuen Datenschutz-Menüs im Detail aussehen, zeigt unsere Bilderstrecke.)

Abgesehen von diesen grundsätzlichen Vereinfachungen gibt es weitere wichtige Änderungen bei den Privatsphäreeinstellungen und den Datenschutzbestimmungen.

  • Die neuen Einstellungen zur Privatsphäre gelten auch rückwirkend für alles, das in der Vergangenheit veröffentlicht wurde. Außerdem bleiben sie gültig für alle zukünftigen Weiterentwicklungen von Facebook.
  • Die beliebten Facebook-Anwendungen - Tests, Quizzes, Spiele - werden an die kurze Leine genommen. Bisher hatten diese Applikationen nach einer kurzen Rückfrage bei der Installation Zugriff auf das komplette Profil des Nutzers. Von nun an müssen Anwendungen angeben, auf welche persönlichen Daten sie zugreifen wollen. Der Nutzer kann zustimmen oder ablehnen.
  • Der Nutzer kann verhindern, dass Facebook-Seiten, die der Nutzer durch einen Klick auf "Gefällt mir" seinem Profil hinzufügt, öffentlich angezeigt werden.
  • Die Nutzer können auch generell verbieten, dass Webseiten und Anwendungen auf irgendwelche ihrer Daten zugreifen, sogar einschließlich der öffentlich verfügbaren Informationen.
  • Das Mitgliederverzeichnis von Facebook soll weniger Informationen preisgeben. In den Suchergebnissen werden nur noch Name, Profilbild und Geschlecht angezeigt.
  • Seit April gibt es das umstrittene Feature der "instant personalization". Zum einen kann Facebooks "Gefällt mir"-Knopf auch auf Websites außerhalb des Netzwerks eingebaut werden. Zum anderen können externe Websites ihre Inhalte gemäß den Vorlieben des Nutzers und seiner Freunde anpassen. Dafür erhalten die fremden Angebote Zugriff auf das Facebook-Profil des Besuchers. Diese Funktion lässt sich nun einfacher als bisher abschalten.

Weitere Details zu den neuen Einstellungen der Privatsphäre hat Facebook inzwischen auch auf Deutsch veröffentlicht.

Misstrauen bleibt

Facebook beriet sich nach eigenen Angaben mit dem US-Senator Charles Schumer sowie diversen Datenschutz- und Verbraucherschutz- Organisationen. Die Ergebnisse der Gespräche hätten großen Anteil an der Umsetzung der neuen Regeln, erklärte das Unternehmen.

Die neuen Einstellungsmöglichkeiten erscheinen als ein großer Fortschritt für Facebook und als riesige Verbesserung im Vergleich zum teilweise grotesken Durcheinander der bisherigen Optionenvielfalt. Dem stimmen auch die härtesten Kritiker zu. Allerdings hält sich die Begeisterung von Datenschützern und Kommentatoren doch in Grenzen. Drei Aspekte sind es, die beim Thema Facebook für weitere Diskussionen sorgen

Erstens: Neue Profile werden standardmäßig nicht auf der höchsten Sicherheitsstufe, also mit maximalen Beschränkungen, angelegt. Es ist eine Hauptforderung von Datenschützern, dass der Nutzer sein Profil aktiv nach außen öffnen soll, anstatt ein standardmäßig offenes Konto vor der Webwelt abschotten zu müssen. Zuckerberg entgegnet: "Es ist das Herzstück von Facebook, Informationen mit anderen zu teilen." Völlig geschlossene Profile widersprächen der Grundidee des Angebots.

Zweitens: Die Vereinfachungen gehen nicht weit genug. "Facebooks neue Privacy Settings sind immer noch ziemlich komplex", schreibt Danny Sullivan von "Search Engine Land". In einer detaillierten Analyse zeigt er, welche Einstellungsorgien immer noch möglich und nötig sind. Sullivan fordert, alle Einstellungen auf einer Seite zusammenzufassen.

Drittens: Zuckerberg verkündete, die Änderungen seien vor allem eine Reaktion auf die massive Kritik vonseiten der Nutzer. Viele Kritiker vermissen allerdings eine echte Problemeinsicht und wittern andere Gründe: Angst vor Einmischung und Regulierung durch Justiz und Behörden, sagt Jeffrey Chester vom Center for Digital Democracy. Angst davor, dass Facebooks Imageproblem Werbekunden vergrault, wie Marshall Kirpatrick in seinem Artikel "Die Halbwahrheiten des Mark Zuckerberg" vermutet. Angst, dass zu viele der weit mehr als 400 Millionen Nutzer tatsächlich verärgert das Weite suchen. Denn die ungeheure Reichweite ist Facebooks Kapital. Und das soll irgendwann an der Börse zu echtem Kapital werden.

Laut Zuckerberg stellen die neuen Datenschutzeinstellungen die letzten Privacy-Änderungen für eine lange Zeit dar: "Wir haben die vergangenen sechs Monate an dem System gearbeitet, und jetzt sind wir fertig." Die Kritiker sind es nicht.

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