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24. Februar 2010, 16:50 Uhr

Infos aus der Kaffeeküche anzapfen

Früher war es der Flurfunk und die Kaffeeküche: Twitter, Facebook und Co. werden in Konzernen salonfähig, weil sie Wissen besser verfügbar machen. Und weil bestimmte Teile der Belegschaft nicht darauf verzichten wollen. Von Martin Ottomeier

Facebook, Twitter, Microsoft, Intranet, Kommunikation

Facebook wird in Unternehmen immer häufiger für die interene Kommunikation genutzt© Sean Kilpatrick/AP

Hello World." Mitte Januar gibt Bill Gates seine Zurückhaltung auf - und twittert. Über 60 Mitteilungen hat der Microsoft-Gründer seither über den erfolgreichen Kurznachrichtendienst versandt. Eine halbe Million Menschen folgt mittlerweile den Ausführungen. "Ich mag es, Rückmeldung zu erhalten", begründet Gates den Schritt in einem Fernsehinterview - Rückmeldung etwa über seine milliardenschwere Stiftung und wie die Leute es finden, wofür das Geld dort eingesetzt wird.

Gates ist nicht allein: Soziale Netze halten Einzug in die Unternehmen und erlauben neue Formen der Kommunikation. Wikis, Diskussionsforen, Communities oder Microbloggingdienste wie Twitter sollen nach außen den Kontakt zum Kunden verbessern. Und intern helfen, das Wissen der Mitarbeiter effizienter zu nutzen. "Die Unternehmen fangen an, sich sehr für diese Art von Technologie zu interessieren", sagt Jeffrey Mann, Analyst beim IT-Beratungsunternehmen Gartner.

Der Vorteil dieser Kommunikation: Sie vernetzt die Menschen besser. Wer seine Dienstreise im firmeninternen Microblog bekannt gibt, macht vielleicht Kollegen aufmerksam, an die man zuvor nicht gedacht hat und kann sich mit ihnen treffen.

Zudem steht Wissen besser zur Verfügung. "In Blogs und Wikis finden sich meist Informationen, die insbesondere für kleine Gruppen von Mitarbeitern interessant sind, von denen es aber sehr viele gibt", sagt Peter Schütt. Der IBM-Manager ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Wissensmanagement beim IT-Branchenverband Bitkom. Früher seien solche Informationen oft nur per Zufall in der Kaffeeküche ausgetauscht worden, so Schütt. Jetzt hilft die firmeninterne Suchmaschine. Marketingabteilungen nutzen Twitter, Facebook und Co., etwa um Kundenpflege zu betreiben und Informationen zu verbreiten.

Software für die firmeninterne Nutzung der Technik ist bislang ein Nischenmarkt. Auf rund 475 Mio. $ schätzt Gartner den Umsatz im Jahr 2008. Nach hohem Wachstum in den vergangenen Jahren dürfte der Umsatz im Krisenjahr 2009 zwar deutlich zurückgegangen sein, prognostizieren die Marktforscher. Doch das Interesse bleibt. Für ein Fünftel der IT-Anbieter ist das Thema in diesem Jahr besonders wichtig, hat der Bitkom ermittelt.

Firmenchefs setzen auf schnelle Kommunikation

Erste Unternehmen haben das Thema für sich entdeckt. So gibt es beim Rüstungs- und Autozulieferkonzern Rheinmetall etwa Mitarbeiterblogs, Webkonferenzen und virtuelle Teamräume. Auch Sekretärinnen haben dort Blogs und Communities gebildet. Beim Handelskonzern Otto macht die Personalabteilung über Twitter auf Veranstaltungen und Jobangebote aufmerksam. Und der Softwarekonzern SAP hat kürzlich einen internen Microbloggingdienst gestartet. "Das verbessert den Austausch untereinander und erleichtert die Kontaktaufnahme mit anderen Mitarbeitern", sagt ein Sprecher.

Der Einsatz steht aber noch am Anfang. "Bislang nutzen nur wenige Unternehmen diese Werkzeuge als Erweiterung zu ihren bestehenden Prozessen", sagt Schütt. Vielfach fehlt in der Chefetage auch das Wissen. Laut einer Umfrage der Cologne Business School unter rund 350 Führungskräften wissen über 20 Prozent der Manager und Chefs nicht, was sich hinter dem Begriff Web 2.0 überhaupt verbirgt. Zwölf Prozent kennen keine Blogs.

Ausgewertet wurde die Studie von der auf Internetmarketing spezialisierten Unternehmensberatung Brain Injection. Nach Beobachtung von Gartner-Experte Mann bereitet Web 2.0 vielen Managern auch Unbehagen. Sie würden darin etwas für die private Nutzung sehen, das nicht seriös erscheint. "Und sie sorgen sich um die Sicherheit", sagt Mann.

Dennoch werden sie über kurz oder lang wohl nicht um das Thema herumkommen. "Junge Menschen sind mit Facebook aufgewachsen und haben sich so neue Lösungskompetenzen erarbeitet, die sie auch in den Unternehmen nutzen möchten", sagt Schütt. Auch die Globalisierung mit den weltweit zusammenarbeitenden Mitarbeitern spielt der Technik in die Hand.

Und so nutzen auch immer mehr Firmenchefs die Technik. Virgin-Gründer Richard Branson, Google-Chef Eric Schmidt und der ehemalige Sun-Chef Jonathan Schwartz nutzen Twitter. Bill Gates jedenfalls findet die Plattform prima. "Bis jetzt macht das viel Spaß", sagt er.

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Martin Ottomeier
 
 
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