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"Facebook Orte" ist hier: Deutschland

Facebook hat seinen Geodienst "Places" unter dem Namen "Orte" auch in Deutschland gestartet. Wer mitmacht, kann seinen Freunden automatisch mitteilen, wo der sich gerade aufhält.

Von Ralf Sander

Martin Müller ist hier: Taverna Dionysos." Sätze wie dieser gehören von nun an auch im deutschen Bereich von Facebook zum Alltag. Das weltgrößte soziale Netzwerk hat seinen Dienst Places, der in den USA und Großbritannien bereits aktiv ist, in Deutschland und der Schweiz gestartet. Mit "Facebook Orte" kann sich der Nutzer per Smartphone an seinem aktuellen Ort wie zum Beispiel einem Restaurant, einem Konzert oder einer Bahnstation "einchecken". Er wird dann für seine Facebook-Freunde auf einer Karte sichtbar. Facebook Places offenbart zunächst nur Angaben über öffentliche Orte, die eindeutig beschrieben sind, Privatwohnungen werden nicht angezeigt. Allerdings ist es jedem Nutzer möglich, neue Orte hinzuzufügen. Hier könnte es datenschutzrechtliche Probleme geben, schließlich ist es möglich, unerlaubt die Orte anderer Personen einzutragen.

Der Orte-Dienst funktioniert mit Smartphones, die über den eingebauten GPS-Empfänger selbstständig ihre Position ermitteln können. Startet ein Nutzer entweder die Facebook-App auf dem iPhone oder ruft die mobile Website touch.facebook.com auf, wird die Ortsinformation direkt auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht. Vorausgesetzt "Places" ist aktiviert. Die iPhone-App ist bereits um die Funktion erweitert worden, die Android-Version lässt noch für unbestimmte Zeit auf sich warten.

Facebook Orte gehört zur boomenden Gruppe der Geodienste. Konkurrenzprodukte wie Foursquare und Gowalla erfreuten sich in den vergangenen Monaten rasant steigender Nutzerzahlen. Mit seinen mehr als 500 Millionen Nutzern wird der Riese diesen Markt aber auf einen Schlag umkrempeln. Gemeinsam ist allen Diensten, dass sie die Möglichkeit bieten, Freunde bei derselben Veranstaltung, am selben Urlaubsort oder einfach im Café nebenan zu entdecken oder aber - per Facebook & Co. - an ihrem Leben zumindest virtuell ein Stückchen mehr teilzuhaben. Die Freunde können einem auf Schritt und Tritt folgen. Doch Kritiker wittern Nebenwirkungen bei solchen Geodiensten.

Kritik von Datenschützern

Als Facebook Places Mitte August in den USA startete, hagelte es sofort Kritik von Datenschützern. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU bemängelte, dass ein Nutzer ihn begleitende Freunde auch ohne deren Zustimmung an einem bestimmten Ort melden konnte. Außerdem sei problematisch, dass auch Software von Facebook-Partnern auf die Ortsangaben zugreifen könnten. Eine weitere Sorge von Datenschützern ist, dass Facebook Bewegungsprofile seiner Nutzer erstellen könnte. Für den Start des Orte-Dienstes in Deutschland und der Schweiz hat Facebook auf die besonders hierzulande harsche Kritik reagiert und die Datenschutzeinstellungen überarbeitet. In der offiziellen Ankündigung beschreibt Facebook die Nutzungsbedingungen wie folgt:

  • Facebook Orte ist in der Grundeinstellung deaktiviert, muss also vom Nutzer erst angeschaltet werden. Ein solches "Opt-in"-Verfahren haben Datenschützer schon früher für viele andere Facebook-Angebote gefordert.
  • Wenn Nutzer alleine oder mit anderem an einem Ort einchecken, erscheint ein entsprechender Beitrag auf ihrem Profil in den Neuigkeiten sowie auf der Übersichtsseite des Ortes unter der Rubrik "Personen, die jetzt hier sind". Diese Angaben können gelöscht werden.
  • Beim Aktivieren von Facebook Orte ist voreingestellt, dass die Informationen über den Aufenthaltsort nur den Freunden zugänglich sind. Diese Einstellungen können in den Privatsphäreoptionen feiner definiert werden.
  • Laut Facebook können minderjährige Nutzer ihre Standortinformationen nicht "allen" zeigen, sondern nur ihren Freunden. Wird ein Minderjähriger von einem Erwachsenen markiert, ist der Name des Jugendlichen dennoch nur für seine Freunde sichtbar. Allerdings überprüft Facebook nicht, ob Altersangaben korrekt sind.
  • Markierungen können nicht unbemerkt geschehen, kündigt Facebook an. Die eigenen Freunde können eine andere Person nur markieren oder an einem Ort einchecken, wenn dieser der Nutzung von Facebook Orte zugestimmt hat. Wer markiert wird, bekommt eine Nachricht. Die Funktion lässt sich außerdem ganz abstellen.
  • Facebook weist in der Ankündigung mehrfach darauf hin, dass das neue Angebot kein automatischer Ortungsdienst sei und dass keine Bewegungsprofile erstellt würden.

Die Informationen über den eigenen Aufenthaltsort sind sehr sensibel. So sensibel, dass sogar Facebook das so ungeliebte "Opt-in"-Prinzip eingesetzt hat und nun darauf hoffen muss, dass die Nutzer aus eigenen Antrieb den Orte-Dienst nutzen wollen. Der aktuelle Aufenthaltsort ist für die Werbewirtschaft eine wertvolle Information. Wer ihn preisgibt, kann gezielt mit Anzeigen oder Angeboten bedacht werden. Außerdem gibt eine Auswertung der besuchten Orte Aufschluss über Gewohnheiten und Interessen von Nutzern, auch wenn die Daten anonymisiert verarbeitet werden.

Vorsicht ist angebracht

Unbedacht seinen Aufenthaltsort preiszugeben, kann aber auch weniger abstrakte, sondern sehr konkrete Probleme herbeiführen. Auch mit den neuen Einstellungsmöglichkeiten sind einige Szenarien vorstellbar, wie sie stern.de bereits zum Start von Facebook Places in den USA gezeichnet hatte:

  • Eine Person ist krank geschrieben. Facebook Orte verrät aber, dass sie sich nicht im Bett, sondern in einem Café aufhält. Dort steht aber nicht, dass dieses Café möglicherweise genau zwischen Arztpraxis und Wohnung liegt.
  • Man hat seiner Partnerin erzählt, dass man keine Zeit für ein Treffen hat, wird aber dann per Facebook Places in einer Kneipe erwischt - weil man von einer anderen Person oder sogar vom Kneipenwirt, dort markiert wurde.
  • Wenn man per Facebook Places anzeigt, dass man nicht in seiner Wohnung oder seinem Haus ist, könnte das auch Diebe interessieren.

Wo man die Einstellungen für Facebook Orte findet

Anschalten oder deaktivieren - die Einstellungen für Facebook Orte findet man in jedem Fall im Menü "Konto -> Privatsphäreeinstellungen". Die vorletzte Zeile lautet "Orte, die ich besuche". Ist die Funktion deaktiviert, steht in der Spalte "Andere" ein Haken. Ein Klick auf "Benutzerdefinierte Einstellungen" unten links führt zur Übersichtsseite mit den Details aller Privatsphäreeinstellungen. Bei "Orte, die ich besuche", sollte "nur ich" stehen. Diese Zeile gibt es übrigens schon seit einigen Wochen. Jetzt neu hinzugekommen ist die Zeile mit der sperrigen Bezeichnung: "Mich im 'Personen, die jetzt hier sind'-Abschnitt anzeigen nachdem ich angegeben habe, wo ich mich befinde". Standardmäßig befindet sich dahinter kein Haken. Um Facebook Orte zu aktivieren, muss man ihn setzen. Und die Einstellungen, ob man von Freunden markiert werden darf, sind im Abschnitt darunter zu finden. Wenn man will steht dann auch hinter dem eigenen Namen "ist hier: Ort XY".

P.S: Was halten Sie von Facebook Places in Deutschland? Werden Sie es nutzen? Diskutieren Sie mit auf der Facebook-Seite von stern.de.

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