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16. Juni 2003, 18:44 Uhr

Apple-Angst: Fab Four frisieren Steve Jobs

Der Apple-Oberguru beglückt seine Gemeinde mit den tollsten aller Produkte. Jüngster Geniestreich: Der Musikdienst iTunes. Schnell anmelden - denn vielleicht gibt es ihn nicht mehr lange. Ach Sie haben gar keinen Apple? Willkommen im Leben.

Guido Augustin

Apple-Oberguru beglückt seine Gemeinde mit den tollsten aller Produkte. Jüngster Geniestreich: Der Musikdienst iTunes. Schnell anmelden - denn vielleicht gibt es ihn nicht mehr lange. Ach Sie haben gar keinen Apple? Willkommen im Leben.

Der Gottvater des einzig wahren Computers hatte mal wieder alle Sonnenstrahlen auf seinem Haupte. Als Steve Jobs seinen Superduper-Musikdienst iTunes vorstellte. Voll integriert in alle Systeme vom Desktop-Gerät bis zum tragbaren MP3-Player und jeder Song für 99 Cent. Dollar-Cent wohlgemerkt. Den Letzten verging das milde Lächeln, als iTunes innerhalb weniger Wochen mehrere Millionen Songs verkauft hatte. Einziger unbedeutender Nachteil: Das wie alle Apple-Produkte Beste-von-Welt-System bleibt den Markentreuen vorbehalten, insofern von Natur aus eine Nischenlösung. Nix PC. Die Ameise ist stärker als der Grizzly.

Exkurs: Was der Bär aus Redmond mit den Mainzelmännchen gemeinsam hat

Der Bär aus Redmond derweil macht es wie das ZDF: Gerade haben die Mainzelmänner ihren lustigen ZDF-Medienpark "auf Eis gelegt", obwohl alle juristischen Schlachten gewonnen sind und angeblich Investoren bereit stünden, mit denen nicht zu Ende verhandelt worden sei, führt Pressesprecher Kehr aus. Trau schau wem. Und alles wegen der Gebühren, die bereits in der Vergangenheit für die Zukunft ausgegeben, mindestens für die nahe Zukunft verplant, von denen keiner mehr wissen wagt, ob sie noch kommen und zu wem. Ins Internet auf jeden Fall, denn das versteht das ZDF, wie die mondänen ARD-Kollegen ja auch, als festen Bestandteil des Programms.

Die Fackel der Erleuchtung kommt auch ins Tal der Windoofies

Jetzt bekommt Microsoft zwar keine Gebühren von verarmten Rundfunknutzern aus der verarmten deutschen Republik, doch auch kein Apple iTunes. Zumindest bis Ende des Jahres. Dann will Steve Jobs seine Fackel der Erleuchtung auch ins dunkle Tal der Windoofies tragen. Dafür bekommt er keinen Browser mehr. Zumindest nicht von Microsoft. Die Entwicklung des IE wurde jetzt eingestellt, da hält es Microsoft mit dem ZDF. Kosten drücken eben.

Und nun kommen die Beatles ins Spiel

Wer weiß, ob es iTunes noch auf Windows-Rechner schafft. Denn ausgerechnet jene Band, zu deren Ehren der heitere Steve Jobs seine Firma "Apple" benannte, könnte ihn zu Fall bringen. Der Reihe nach: Die Beatles, so eine Art Apple der Musik, allerdings mit messbarem Marktanteil, betreiben seit vielen Jahren eine Plattenfirma namens "Apple Corps". Deswegen, und nur deswegen, heißt Apple Computer Apple Computer. Und weil es schon in der Jugend des immergrünen Jobs bereits Namensrechte gab, versprach er seinerzeit, niemals nie ins Musikgeschäft einzusteigen. Irgendwann tat er’s doch, was ihn 26 Millionen Dollar kostete. Jetzt tut er's wieder - Ausgang offen.

Apple ist immer ganz weit vorne - zu weit?

Es ist aber auch immer das Gleiche mit dem digitalen Heilsbringer: Immer viele Schritte voraus entwickelt Apple Super-Geräte, die dann entweder ganz eingestellt werden oder von anderen brutal rechts überholt werden. Der beste aller PDAs wurde aus freien Stücken zu Grabe getragen, die grafische Oberfläche des Betriebssystems von Microsoft adaptiert und durchgesetzt. Auch der Macintosh war seiner Zeit voraus - und wurde doch nie von ihr eingeholt. Den kugelbunten iMac feierten Lautsprecher als Ei-gewordene Revolution - vorbei. Mittlerweile sollen 85 Prozent der Produktion an Ikea gehen - weil die bunten Büchsen leicht abzustauben sind und keiner sie klaut.

Guido Augustin Kolumnist für stern.de seit 1997 - und das H der H&A medien: Redaktion, Public Relations und Online-Konzepte.

Guido Augustin
 
 
 
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