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24. Januar 2005, 16:56 Uhr

Datenschutz ade: Handschellen für Ebay

Keine Ahnung, was das ganze Gerede um den Datenschutz soll. Dabei haben wir doch längst die perfekten Datenbanken, um das Verhalten von Millionen von Menschen haarklein abzulesen. Es geht mal wieder um Ebay.

Guido Augustin© HeikeRost.de

Über jedes Ebay-Mitglied gibt es Informationen satt; was er gerade eingekauft hat, was er verkauft, wie er so drauf ist und vieles mehr. Und das sind mittlerweile 56 Millionen Menschen in aller Welt, die auf satte 1,4 Milliarden Auktionen kamen. Möglich macht den freien Blick auf der Menschen Verhalten das transparente Bewertungssystem, mit dem Käufer und Verkäufer sich gegenseitig bestätigen, nett zueinander gewesen zu sein.

So kann ich beispielsweise leicht verfolgen, was meine Nachbarin demnächst tragen wird, denn ich sehe ja online, welche schicken Blusen und knappen Röcke ihre knackige Figur demnächst zieren werden. Außerdem sehe ich, welche Bücher sie gerade verkauft und hoffe, dass mein Weihnachtsgeschenk nicht dabei ist. Immerhin besitzt sie genug Stil, eine Geburtstagsgabe für mich im Laden zu kaufen oder über einen Account, den ich (noch) nicht kenne.

Manche Käufe blieben lieber unentdeckt

Ein anderer Bekannter hinterlässt Spuren, die man auch aus dem All noch sehen kann: Fettkiller-Tabletten hat er gekauft für 5 Euro 95 Cent zuzüglich der horrenden Versandpauschale von 3 Euro 50 Cent. Unversichert, versteht sich und kurz nach Weihnachten. Entweder sind sie tatsächlich auf dem Postweg verloren gegangen oder sie wirken nicht. Jedenfalls scheint des Bekannten Wampe unverändert. Auch der Original Kettler Fittrainer, so eine Art Fahrrad im Stehen mit wackelndem Lenker, scheint nicht zu helfen. Wenigstes hat dafür, so lässt sich problemlos nachlesen, sein Konto um satte 498 Euro abgenommen

Von wegen: privat

Der nächste Einkaufsposten weckt meinen Jagdinstinkt. "Gruß aus Solingen", steht da in der Bewertung, und die Auktion ist nicht verlinkt. "privat" steht da. Privat. Aus Solingen, wo die Messer herkommen. Mein Bekannter gilt als friedliebend, verfügt über einen komplett ausgestatteten Haushalt mit gut gefülltem Messerblock und ward weder beim Waldspaziergang noch mit einem Taschenmesser gesehen. Was könnte also "privat" sein? Das Schöne ist ja, dass der Verkäufer sichtbar ist. Und einen Klick weiter listen dessen andere Auktionen: Oha, eine leichte Gänsehaut kriecht über den Rücken. Der um die Privatsphäre seiner Kunden bemühte Verkäufer vertreibt Original-Handschellen aus Solingen der Marke Clejuso. Offenbar ein Qualitätsprodukt erster Güte, das von Sicherheitskräften und Gefängnisaufsehern in aller Welt gerne eingesetzt wird.

Was er damit vorhat? Jetzt schnell zu Greenpeace gesurft, ob mein Bekannter dort als Mitglied für selbstloses Ketten an Castor-Gleise geführt wird. Nichts. Vielleicht geht er aber auch bald in den Irak zur Söldnerausbildung und bringt sein Werkzeug gleich mit. Kaum zu glauben. Der Stubenhocker. Interessant übrigens der Hinweis beim Solinger, dass zum Öffnen der Handschellen ein Schlüssel benötigt werde, der selbstredend zum Lieferumfang gehöre. Was denn sonst? Vielleicht aufrubbeln? Die Blitzrecherche bei einem anderen Stahlarmband-Anbieter in der Rubrik Militaria offenbart, dass es auch ein Modell gibt, das sich durch Druck auf einen kleinen Hebel vom Delinquenten selbst öffnen lässt. Für die Latexuniform des gleichen Anbieters gilt das übrigens nicht.

Guido Augustin Kolumnist für stern.de seit 1997 - und das A der H&A medien: Redaktion, Public Relations und Online-Konzepte.

Guido Augustin
 
 
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