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17. Januar 2006, 19:21 Uhr

Die Wissenschaft hat festgestellt: vorzeitig erblondete Zahnarzthelferinnen

MP3 ruiniert die Musikkultur. Das behaupten britische Forscher. Womit bewiesen wäre, dass Linksverkehr ein bisschen weich in der Rübe macht.

Thomas Hirschbiegel© HeikeRost.de

Aber was will man schon erwarten von einem Land, in dem grüne Matsche über lauwarmes Gammelfleisch geschüttet wird, wo es schon zum Frühstück Fettkartoffeln zu Fettfisch gibt, wo des Rechtschreibens unkundige Inder Victoria mit h auf Fußballerarme tätowieren, wo Bier so schmeckt wie ausdauernd getragene Tennissocken und alles regennasse Tristesse wäre, gäbe es nicht John Cleese? Und der mit den Fisselhaaren von Kajagoogoo, den heute keiner mehr kennt. Selbst seine ehemaligen Mitmusikanten nicht. Aber das nur nebenbei.

Gespielten Popwitzen wie Kajagoogoo gelang es übrigens schon vor Jahrzehnten die Musikkultur spielend zu ruinieren. Dazu brauchte es kein MP3, sondern nur ein paar grottenschlechte Songs. Apropos grottenschlecht: Dem Schöpfer danken sollte das Menschengeschlecht, dass heute niemand mehr über David Cassidy spricht, der gut zehn Jahre vor Mr. Fisselhaar rund um die Uhr in weißen Hosen steckte, die so eng waren, dass ihm die Hoden zu den Ohren heraussprangen. Was er mit seltsamen Geräuschen zu Discobeats kommentierte, die ausgerechnet auf pubertierende Zahnspangenträgerinnen und vorzeitig erblondete Zahnarzthelferinnen ungemein erotisierend wirkten.

Endlos ließe sich die Reihe böser Menschen fortsetzen, die mit ihren Klängen der Musikkultur Schlimmes angetan haben. Aber man kann schließlich ja nicht jeden Tag über Elvis Presley schimpfen und über die Typen, die mit ihrem Gejammer über ein Boot auf einem Fluss das schlimmste Lied von allen machten.

Was können denn die Flaschen dafür?

Und jetzt diese britischen Wissenschaftler, die der Technik die Schuld geben. Als ob ein unschuldiges Datenformat etwas dafür kann, dass Jung und Alt sich von morgens bis abends die Ohren volldudeln. Was können denn Bits und Bytes dafür, dass sich jemand ohne Unterlass Sarah Connor antut? Da könnte man genauso gut den Flaschen die Schuld geben an der Alkoholsucht. Dabei ist es den Flaschen völlig egal, was britische Forscher jedoch geflissentlich ignorieren.

Stattdessen sprechen sie von der Entwertung der Musik durch ihre ständige Verfügbarkeit. Musik als Geräuschkulisse bei Spiel, Sport und Unterhaltung, das gab es allerdings auch schon vor MP3. Damals hieß das eben Schellack, Radio, Tonband oder Kassette. Und das war weit weniger handlich und obendrein deutlich teurer als diese unzweifelhaft recht ansehnlichen MP3-Player, auf die ganze Musikbibliotheken passen. Oder eben nur ein Lied. Immer wieder. Bis ans Ende der Zeit.

Thomas Hirschbiegel Kolumnist für stern.de seit 1997 - und das H der H&A medien: Redaktion, Public Relations und Online-Konzepte.

Thomas Hirschbiegel
 
 
 
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