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Instagram führt neue Nutzungsbestimmungen ein - zum Ärger vieler User: Demnach will die Plattform nicht nur die Daten seiner Nutzer mit Facebook teilen, sondern auch deren Fotos ungefragt verkaufen.
Twitter verschärft den Wettstreit mit Facebook um die Fotos der Nutzer. Die neue Smartphone-App von Twitter bietet wie Instagram die Möglichkeit, Bilder mit einer Auswahl an Farbfiltern zu verändern.
Die angekündigte AGB-Änderung beim Fotodienst Instagram vertreibt die Poweruser. Zwar änderte der Konzern die Nutzerrichtlinien nach nur einem Tag - die Stammnutzer scheinen aber vergrätzt zu sein.
Der Protest der Instagram-Nutzer auf die neue Regeln war nicht zu überhören, tausende Accounts wurden stillgelegt. Nun meldet sich der Fotodienst zu Wort: Alles nur ein Missverständnis.
Die Aufregung um Google Street View geht am Thema vorbei: Nicht die Suchmaschine ist der neue Big Brother – sondern jeder von uns. Der Papst mag nicht, wenn man unangemeldet zu Besuch kommt. Als Google durch Rom kurvte, um die ewige Stadt für Street View zu erfassen, waren die Kamerawagen im Vatikanstaat offenbar nicht erwünscht. Ganz Rom kann man aus der Fußgängerperspektive bewundern, bis auf die 44 Hektar rund um den Petersdom. Das ist aber nicht schlimm. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie schön bei Benedict XVI die Gärten blühen oder wie die Sixtinische Kapelle aussieht, sogar von innen, kommt trotzdem mit Google Maps zum Ziel. Man zieht einfach das kleine Street View-Männchen auf einen der blauen Punkte auf der Karte, und schon gibt es viele, viele Bilder zu sehen, die eifrige Vatikanstadt-Besucher aufgenommen und selbst ins Netz gestellt haben. Das funktioniert auch zwischen Kiel und Koblenz, Bochum und Berlin. Schon vor dem Deutschland-Start von Street View kann ich zum Beispiel die Reihenhaus-Idylle in der Kolmarerstraße in Bochum bewundern – dank Nutzer „alex5609“, der den Blick auf die dreistöckigen Gebäude gern der ganzen Welt zeigen möchte. Also hat er den Schnappschuss bei Panoramio ins Netz gestellt, einem Foto-Service à la Flickr, der seine Nutzer immer schon gefragt hat: „Wo habt ihr das denn aufgenommen?“ Über die Jahre ist durch das Verknüpfen mit Längengrad und Breitengrad (so genanntes „Geotagging“) ein detailliertes Bild der Welt entstanden, die perfekte Ergänzung zu Googles Kartendiensten. Zunächst tauchten Panoramio-Fotos nur bei Panoramio selbst auf, dann bei Google Earth und seit kurzem auch in Google Maps. Da sind sie nun endgültig nicht mehr zu übersehen – und manch einer mag erstaunt entdecken,sehr prominent im Netz plaziert zu sein, wenn jemand nach dem Brandenburger Tor sucht, dem Louvre oder einem Platz an der Sonne auf Ibiza. Wo auch immer man mal war. Irgendwer drückt ab, klick!, stellt das Bild ins Netz, und schon kann es jeder bewundern. Verpixelt ist gar nichts, anders als bei Street View, und oft genug geben die Nutzerfotos weit tiefere Einblicke in unseren Alltag als Googles Kamerawagen, die einmal alle paar Jahre durch die Straße vor der eigenen Haustür fahren. Gewiss, Google hat nicht gefragt, und das mag man frech finden. Aber viele, die ihre Schnappschüsse aus den Ferien oder von der letzten Party an Flickr, Facebook oder Panoramio weiterreichen, fragen genausowenig – und oft sind andere Leute mit im Bild, die nicht unbedingt glücklich darüber sein müssen, gleich mit im Netz zu landen. Doch Fotos sind ja nur ein kleiner Teil des Puzzles: Wie viele von denen, die sich über Street View als vermeintlichen Street Voyeur empören, sind zugleich eifrige Facebook-, StudiVZ- oder Xing-Nutzer? Mit erstaunlicher Unbekümmertheit vertrauen mittlerweile viele Millionen Menschen ihr halbes Leben sozialen Netzwerken an – plaudern über Lieder und Filme, die sie mögen, Autos, Bücher und andere Dinge, die sie nicht mögen; den Chef, der ihnen auf die Nerven geht; die neue Kollegin, die so süß aussieht, wenn sie lacht; die große Liebe und kleine Geheimnisse, etliche zum Teil sehr intime Details aus ihrem Alltag. Ganz so, als säße man im kleinen Kreis beisammen, wirklich nur unter Freunden, und niemand würde mithören. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wohl nirgendwo im Internet geben wir uns so sehr die Blöße wie in sozialen Netzwerken und bei vielen anderen Diensten, die uns immerzu ermuntern, etwas aus unserem Leben preiszugeben. Im Gegenzug lockt das Versprechen, Aufmerksamkeit zu gewinnen, neue Freunde zu finden oder maßgeschneiderte Digital-Dienste zu bekommen, die unseren Alltag schöner und bequemer machen sollen – man muss nur Einblick geben in seine Vorlieben und Gewohnheiten. Das geht alles so einfach und scheint so verheißungsvoll, dass viele das Motiv der Firmen vergessen: Natürlich wollen sie Geld verdienen, und die meisten Angebote finanzieren sich über Werbung. Also sammeln Facebook & Co. fleißig jedes Info-Schnipselchen über ihre Nutzer, das sie finden können, um zielgenaue Anzeigen zu verkaufen. Je geringer die Streuverluste, um so höher der Werbepreis. (Mehr dazu im aktuellen Stern sowie diesem lesenswerten Kommentar meines FAZ-Kollegen Carsten Knop: „Street View ist nicht das Problem.“ ) „Wenn jemand vor Ihrer Haustür entlang fährt, der Sie fotografiert, fühlt es sich sehr direkt wie eine Verletzung der Privatsphäre an“, sagt Alessandro Acquisti , ein Internet-Sicherheitsexperte an der Carnegie Mellon-Universität in Pittsburgh, mit dem ich mich ausführlich für den Stern-Titel unterhalten habe. Doch im Gegensatz zu Street View passiert das Datensammeln in der Online-Welt unauffällig im Hintergrund. „Es bleibt unsichtbar“, sagt Acquisti, „deshalb reagieren die meisten Menschen weit weniger aufgebracht.“ Während die Firmen uns über die Schulter schauen, weil sie sich ein Milliardengeschäft davon erhoffen, sehen wir Nutzer darin ein Gesellschaftsspiel. Im Grunde machen soziale Netzwerke die ganze Welt zum Dorf: Jeder kennt jeden, und alle wissen immer über die anderen Bescheid. Man kann sich heraushalten, klar, aber wer das tut, stellt sich ins Abseits. Also teilen wir fleißig mit, was uns beschäftigt, wohin die nächste Reise geht, was wir von der Schwiegermutter halten, vom Vermieter, von den Nachbarn – und begeben uns freiwillig unter ständige Beobachtung. „Früher dachten wir bei Big Brother an die Regierung – heute sind wir selbst zu Big Brother geworden“ , sagt Acquisti. Das heißt nicht, dass dahinter böse Absichten stecken, im Gegenteil. Wir beobachten und verfolgen einander „auf eine sehr nette, freundlich gemeinte Art“, wie Acquisti betont. Aber es bleibt eben doch Beobachtung. Technikpropheten versuchen, uns einzureden, dass Datenschutz und Privatsphäre im Internetzeitalter eh passé sind. Ich halte das für gefährlichen Unsinn. Zum einen drohen jedem, der zu viel von sich öffentlich macht, sehr konkrete Nachteile: Das reicht vom Job, den man nicht bekommt, weil die Personalstelle bei Facebook zuviel Unbequemes entdeckt, bis zum schlechteren Kreditzins, weil die Bank im Netz stöbert und zu dem Schluss kommt, dass der Kunde ein Wackelkandidat ist. Das muss nicht mal stimmen, der Eindruck genügt. Die andere Gefahr ist schleichend – ein Verlust der Freiheit im Kopf: massenkonformes Verhalten und Selbstzensur aus Furcht davor, negativ aufzufallen. „Die Freiheit des Einzelnen hängt direkt davon ab, dass wir nicht bei Schritt und Tritt überwacht werden“ , sagt der Autor und Internetexperte Nicholas Carr . „Es geht um mehr als die Unterwanderung des Datenschutzes – es geht um unseren freien Willen.“ Vorige Woche hat Facebook den nächsten Schritt getan: Mit „Places“ können wir unseren Freunden nicht nur durch den Tag folgen, sondern auch von einem Ort zum anderen. Mit Places sagen Nutzer, wo sie gerade sind – und mehr noch, sie können auch sagen, welche Facebook-Freunde sonst noch da sind. Ohne, dass die anderen es unbedingt mitbekommen. Die möglichen Folgen hat das Online-Magazin „Slate“ sehr gut beschrieben : Die vielen kleinen, meist harmlosen Lügen, die wir uns gegenseitig täglich erzählen, fliegen plötzlich ganz leicht auf. „Wie wär’s mit Kino?“ – „Ach nee, ich kann heute nicht, muss noch arbeiten...“ Dumm, wenn man dann bei einer Party erwischt wird, weil jemand mit Places gespielt hat. Es gibt etliche solche Situationen, die unangenehm werden können, wenn plötzlich alle Online-Freunde jederzeit wissen, wo man wann gewesen ist. „Mit diesem System wird Facebook zur Aufrichtigkeits-Polizei“, schreibt Slate. Places lässt sich abstellen, zum Glück. Dann erfasst Facebook nur diejenigen, die aus eigenem Antrieb der Welt mitteilen, wo sie gerade herumschwirren. Eine Garantie, nicht trotzdem online bloßgestellt zu werden, ist das freilich nicht – es reicht ja schon, wenn irgendwo in der Nähe jemand auf den Auslöser drückt und das Bild publik macht. Im Augenblick mag das noch in der Masse untergehen, doch im Internet verkommt nichts, und Bilderkennungssysteme werden ständig besser. Irgendwann, in wahrscheinlich gar nicht ferner Zukunft, werden Google und andere so weit sein, dass sie ein „Face View“ einführen können: die Suche mit Gesichtserkennung. Das ist dann ein bisschen unheimlicher als Street View – und  die Datenschützer haben wirklich Grund zum Protestieren.
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