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14. August 2007, 10:44 Uhr

Das Internet ist schlecht wie die Welt

Die Klage eines Vaters gegen das Internetportal SchülerVZ wegen pornographischer und angeblich volksverhetzender Inhalte auf seinen Seiten offenbart das Problem einer ganzen Branche: Noch weiß niemand so genau, wie man Inhalte in Foren kontrollieren kann. Das hat vor allem für Eltern eine erhebliche Bedeutung. Von Henry Lübberstedt

Wer haftet dafür, was die Computer-Kinder in der digitalen Welt zu sehen kriegen? Ein Geschwisterpaar auf der Bildungsmesse "didacta" im Februar dieses Jahres© DPA

Wir erziehen unsere Kinder so, dass sie möglichst nicht vom Auto überfahren werden, dass sie möglichst nicht ertrinken - oder gar mit Fremden mitgehen. Wir bringen ihnen etwas bei, dass wir soziale Intelligenz nennen. Lange funktionierte dieses System ganz gut - bis das Internet zum Massenmedium wurde.

"Wenn Du das rote Männchen siehst, stehen bleiben!", "Sei Fremden gegenüber misstrauisch!", "Fass' den Herd nicht an, der ist heiß!" Du kannst erst wieder an die Playstation, wenn Du Deine Hausaufgaben gemacht hast!" Regeln aufstellen, Grenzen setzen und deren Einhaltung kontrollieren – für alle Eltern war und ist das immer selbstverständlich. Erziehung sichert das Überleben ihrer Kinder und macht sie zugleich für das Leben fit.

Das Internet erhöht den Druck auf die Eltern

Die Vermittlung dieser sozialen Intelligenz klappt im analogen Leben meist ganz gut, im digitalen Leben hingegen versagen viele Eltern. Keineswegs mutwillig. Wer das Netz im täglichen Leben nicht benutzt, entwickelt hier auch keine Kompetenz, die er an die Nachkommen weitergeben könnte. Der Druck auf die Eltern wächst, denn mit Hochdruck arbeitet die Welt daran, das reale Leben im Internet nachzubauen. Leider treffen Sie im Netz auf Anbieter, denen das auch nicht klar ist.

Beispiel Schule. In Internetforen für Schüler geschieht im Grunde genau das, was auf Schulhöfen seit jeher abgeht: da bringt einer ein Pornoheft von seinen Eltern mit, ein anderer gibt mit seinem ersten sexuellen Erfahrungen an. Die, die nicht mitreden können, tönen umso lauter, was sie so alles machen würden und was von den Mädels im Bett mindestens zu erwarten sei. Da wird geklaut, verprügelt, derb beleidigt. Schulhöfe sind alles, nur kein Ort, an dem es politisch korrekt zugeht. Und darum gibt es eine Aufsichtsperson auf dem Hof. Und eben diese Aufsicht fehlt bei vielen Netzangeboten.

SchülerVZ steht stellvertretend für die gesamte Branche

Ungeachtet guter Absichten betreiben die Anbieter von Foren und Portalen ihr Geschäft mit zum Teil für Kinder gefährlicher Sorglosigkeit. Das wegen Pornos und weltanschaulich entgleistem Gedankengut einiger User in die Schlagzeilen geratene Angebot"“SchülerVZ" steht dabei nur stellvertretend für die gesamte Medienbranche. Jeder Forenbetreiber ist für die Sauberkeit seines Angebotes verantwortlich. Und fast jeder tut sich schwer mit der Aufgabe. Einerseits möchten die Betreiber ihren Kunden eine Plattform zum spontanen, gemeinsamen Austausch bieten, andererseits müssten sie jeden einzelnen Beitrag noch vor der Veröffentlichung kontrollieren. Eine aufwändige, personalintensive und damit kostspielige Angelegenheit.

Der Kampf gegen Störenfriede im Netz gleicht dem Kampf gegen Windmühlen. Aussperren kann man diese Störenfriede fast nicht. Einem geblockten User ist es im anonymen Netz ein Leichtes, sich mit einer neuen E-Mail-Adressen einen neuen Nicknamen wieder genau bei dem Portal anzumelden, bei dem er zuvor rausgeflogen ist. Ohne Polizei und Staatsanwalt ist Wiederholungstätern nicht beizukommen. Und selbst bei erfolgreicher Anzeige und Hausverbot, können sich diese User über einen anderen Telefonanbieter wieder eine neue Identität zulegen und weiter machen.

Betrüger und Pädophile wird es im Netz immer geben

Dennoch: Um eine intensive Betreuung von Foren werden die Anbieter von Webportalen nicht herumkommen. Bereits heute nehmen Gerichtsurteile einzelne deutsche Forenbetreiber in die Pflicht bei der Aufsicht. Es ist nur eine Frage der Zeit bis ein Grundsatzurteil gefällt wird.

Für Eltern wäre das jedoch keineswegs ein Persilschein. Das Internet ist nicht Gut oder Böse, es ist ein Spiegel der Gesellschaft, auf den Eltern ihren Nachwuchs vorbereiten sollten - am besten mit Unterstützung der Schulen. Warum nicht eine Internet-Erziehung in Anlehnung an die Verkehrserziehung im Unterricht? Denn eines ist sicher: Menschen mit verengtem Weltbild, Betrüger, Pädophile und die gesamte Palette an unangenehmen Zeitgenossen wird es auch im Internet geben. Immer und überall. Wie im analogen Leben.

Korrektur: In der Bildunterschrift hieß es ursprünglich, bei der Messe "didacta" handele es sich um eine Computermesse. Die "didacta" ist jedoch eine Bildungsmesse. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen, und danken dem aufmerksamen Leser für den Hinweis. stern.de

Zur Person

Zur Person Henry Lübberstedt, 41, ist Redaktionsleiter von stern.de und Vater einer 2-jährigen Tochter.

Von Henry Lübberstedt
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Michelmann (15.08.2007, 11:26 Uhr)
die Eltern sind dumm wie Brot....
also das das Internet eine teilweise sehr zweifelhafte Angelegenheit ist weiß man ja nun schon seit jeder einen Zugang hat. Es gibt soviel Möglichkeiten das Netz für Kinder zu kontrollieren. Beste möglichkeit ist sich einfach mal dazu zu setzen wenn die kleinen Surfen. Ansonsten gibts Software mit der sich bestimmte Inhalte geziel regulieren lassen. Aber wenn man natürlich das Netzt als Medium nutzt um seine Kinder ruhig zu bekommen, so wie Fernseher und Spielekonsolen muss man sich nicht wundern.
rorychen (14.08.2007, 18:10 Uhr)
Keine...
Man kann doch dem Internet (Foren oder Portalen) nicht den Schwarzen Peter auf Grund elterlicher Inkompetenz zuschieben. Was auch immer fragwürdiges in Foren geschieht, es mag nicht annähernd so schlimm sein, was viele in ihrer Schule, trotz Aufsichtspersonen, erleben mögen.
Wo wurden rechtsradikale CD’s verteilt? Auf Schulhöfen. Natürlich dürfte es einfacher sein sich derartiges Material im Internet zu beschaffen, aber wer nicht sucht, der nicht findet. Zumal, so ist nun mal in einer demokratischen Gesellschaft, auch unliebsame Ansichten vertreten werden dürfen.
Wo findet den Mobbing statt? Wenn mich im Internet einer „doof anmacht“, dann kann ich den Stecker ziehen und hab meine Ruhe. Aber kann ich dem in der Schule entfliehen? Die Antwortet sollte jeder kennen. Aber wo sind da die Aufsichtspersonen in Form der Lehrer??
Wo kommt es den zu physischer Gewalt? Im Internet sah sich mit Sicherheit noch niemand physischer Gewalt ausgesetzt. Amokläufe im Internet? Zumindest ohne menschliche Opfer!
Sollten wir nun alle die Schulen verklagen? Mitnichten, den die Schulen erfüllen einen wertvollen Dienst an der Gesellschaft, ähnlich dem Internet.
Das Problem bei allem, ist der Mensch.
Schule mobbt nicht, Internet verbreitet keine Pornographie! Es sind immer noch Menschen, in dem Falle Schüler oder Nutzer.
Und da sind wir am Knackpunkt des Themas angekommen. Das Problem lässt sich möglicherweise durch Zensur lösen. Aber wo kämen wir dahin? Wer entscheidet was gut und was schlecht ist? Sollten NPD und MLPD nicht genauso ihre unliebsamen Meinungen verbreiten dürfen wie SPD und Union? Sollte sich nicht jeder „Titten und Schwänze“ angucken dürfen, wann und ob er will?
Haben die meisten 7 Jährigen nicht schon mal in die Bravo geschaut oder vielleicht sogar Papis Playboy Sammlung entdeckt?
Sollten Erziehungsberechtigte nicht selbst um das Problem kümmern, anstatt es auf irgendwelche Betreiber abzuwälzen, nur um ihr eigenes Versagen und die unzweifelhafte Inkompetenz zu verschleiern?
Waren das nicht schöne Zeiten, als die Kommunisten noch die Bösen und der Westen die Guten waren?
Wir dürfen unter keinen Umständen anfangen Zensur, gleichzusetzen mit den geforderten Aufsichtspersonen, im Internet zu betreiben, denn wir sind erstens nicht China und zweitens wäre das ein doch schon größerer Schritt Richtung Untergang der Demokratie.
Es bleibt zu sagen, wer sich ein wenig mit dem Schuelervz oder anderen Portalen und Foren beschäftigt hat, wird feststellen: Entweder findet eine Selbstverwaltung der Nutzer statt, ähnlich wie in besagtem Schuelervz, wo sich ein Großteil der Nutzer doch deutlich gegen die „unangenehmen Zeitgenossen“ stellt, oder es gibt Administratoren und Moderatoren (welche wiederum nicht mit den Aufsichtspersonen gleichzusetzen sind) die für „Ordnung“ sorgen
„Unangenehmes Gedankengut“ findet sich meistens auf ganz bestimmten Seiten, wo wieder gilt, wer nicht sucht, der nicht findet. Und wenn Kinder auf entsprechenden Seiten rumsurfen, dann kann es dafür tausende Schuldige geben, aber weder Betreiber noch Medium!
NightflyerX (14.08.2007, 17:59 Uhr)
Spiegel der Gesellschaft
... mich blickt ein grimmiges Monster aus dem Spiegel an - logisch, jetzt müssen wir den Spiegel abdecken, filtern und verschöner damit das Monster nicht mehr so böse guckt...
[Wer Ironie findet darf sie behalten]
Ragism (14.08.2007, 17:54 Uhr)
Alles muss verboten werden!
Die deutsche Kontroll- und Regulationssucht kennt keine Grenzen.
Das Internet ist ein Ort, an dem man alle Informationen und Meinungen bekommt. Diese zu beschneiden wäre nicht nur demokratiefeindlich, sondern schmälert den Einfluss, den Eltern auf ihre Kinder haben können. Auch wenn es tief in den Herzen wehtut, versucht doch bitte, etwas offener zu sein. Wie Dylan sagte: Don't critisize what you don't understand.
ekaabo (14.08.2007, 17:45 Uhr)
kleiner fehler
in der bildunterschrift.
"Ein Geschwisterpaar auf der Computermesse "didacta" im Februar dieses Jahres"
... die didacta ist die größe bildungsmesse europas und keine computermesse :-)
Salzsteuer (14.08.2007, 17:32 Uhr)
Schlecht ?
Es sei mir die Frage gestattet ob bisher weltweit mehr Personen (incl. Kinder) durch Pornographie oder durch Religionen zu Schaden gekommen sind.
paullogen (14.08.2007, 16:50 Uhr)
Was bringts
die Dinge, die die Jugendlichen und auch Erwachsenen interessieren sind eben Sex und Co. Sonst würde es eben nicht so viele Angebote geben. Und was soll "Interneterziehung" bringen? Im Regelfall ist der 12 jährige Sohn fitter im Umgang mit den ganzen Geschhichten als seine Eltern.
Freaker (14.08.2007, 16:32 Uhr)
Alle die hier nur kacke von sich geben, dürfen nicht posten!
PUNKT
Wozu auch?
lukeserious (14.08.2007, 16:23 Uhr)
Unter 16 Jährige sollen sich nicht kreativ entfalten, sich Meinungen bilden, sich weiterbilden und am modernen Leben teilhaben
Punkt
wozu auch? Dann wären wenigstens die Trolle hier glücklich :-P
manndernichtdaist (14.08.2007, 16:19 Uhr)
unter 25 jährige brauchen keinen Führerschein
PUNKT
Wozu auch?
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