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16. April 2008, 10:12 Uhr

Technisch aufwendig und nicht immer erfolgreich

Union und SPD haben sich nach langem Streit über das heimliche Ausspähen von Computern geeinigt. Die praktischen Probleme der Online-Durchsuchung bleiben gravierend: Das Verfahren gilt als aufwendig, fehleranfällig und nicht unbedingt beweiskräftig - besonders wenn das Ziel sich mit PCs auskennt.

Innenminister Schäuble möchte sich gerne auf den Rechner von Verdächtigen umschauen© Jörg Sarbach/AP

Seit Jahren warnen Sicherheitsbehörden in Deutschland Computernutzer vor gefährlichen Viren, trojanischen Pferden und Phishingprogrammen, die Bankdaten ausspähen. PC-Besitzer sollen stets auf der Hut sein und ihre Antivirenprogramme auf dem neuesten Stand halten. Ironischerweise erschweren genau diese Maßnahmen den Fahndern bei der heimlichen Online-Durchsuchung den Zugriff auf die Computer von Verdächtigen.

Ist der Computer geknackt, können Fahnder aus technischer Sicht auf viele Informationen zurückgreifen: Nicht nur eine einmalige Durchsuchung ist denkbar, sondern eine wochen- oder monatelange Überwachung. Dabei können E-Mails oder Internettelefonate noch vor der Verschlüsselung abgefangen werden, Tastenanschläge protokolliert und damit Passwörter abgefischt werden. Schon länger plädieren Ermittlungsbehörden wie das Bundeskriminalamt für solche Möglichkeiten, um Terroristen auf Augenhöhe begegnen zu können.

Technisch machbar ist noch mehr. Viele handliche Laptops sind standardmäßig inzwischen mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattet. Hat sich eine jemand in einen Computer gehackt, könnte man so auch die Umgebung des Verdächtigen in Bild und Ton überwachen.

Doch das Vorbereiten einer heimlichen Online-Durchsuchung ist gerade bei technisch begabten Verdächtigen langwierig und sehr teuer. Wollen Polizisten oder Verfassungsschützer heimlich in einen Computer eindringen, müssen zunächst Experten den Zielrechner analysieren: Dazu zählt das verwendete Betriebssystem, der Internetzugang, Schutzprogramme und die Kommunikationsdienste, die der Verdächtige nutzt.

Einbruch nicht erlaubt

Wenn man einen Computer nur über das Internet erreichen will, ist man davon abhängig, wie oft und lange ein Verdächtiger im Netz ist. Dass die neugierigen Ermittler dabei ihre Zielperson treffen, ist nicht hundertprozentig sicher. Der Karlsruher Sicherheitsberater Dirk Fox hatte in einem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht geschrieben: "Will man sicherstellen, dass die Durchsuchungssoftware auf keinem anderen als dem gewünschten Zielsystem installiert wird, gibt es keine Alternative zur manuellen Installation." Soll heißen: Fahnder müssten demnach eigentlich in die Wohnung des Verdächtigen einbrechen und dort auf dem Rechner ihre Programme installieren, um nicht den Falschen zu erwischen. Dies allerdings ist nach der erzielten Einigung zwischen Justiz- und Innenministerium nicht erlaubt. Also muss alles versucht werden, dass der Verdächtige nichts von der Geheimdurchsuchung mitbekommt. Antivirenprogramme schlagen bei Schnüffelangriffen schnell Alarm. Die Fahnder werden wohl darauf angewiesen sein, dass ihre Zielpersonen es mit der Computersicherheit nicht so Ernst nehmen.

Nach Einschätzung von Experten können Fahnder allerdings nicht immer ihre Spuren löschen, die sie mit ihrer Software auf dem Rechner des Verdächtigen hinterlassen. Sichert der Nutzer etwa über ein sogenanntes Backup seine Daten und stellt das System Monate später wieder auf den alten Stand zurück, könnte das bereits gelöschte Spionageprogramm wieder auftauchen.

Fragwürdige Beweislast

Auch die Beweislast der gewonnenen Informationen ist fragwürdig: Daten könnten zum Beispiel von Polizisten manipuliert oder die Beamten selbst auf eine falsche Fährte gelockt werden, wenn der Nutzer die Online-Durchsuchung bemerkt. Zudem kann ein Rechner nicht zweifelsfrei einer bestimmten Person zugeordnet werden, wenn zum Beispiel ein DSL-Anschluss gemeinsam genutzt wird. Das bedeutet: Die erbeuteten Daten sind vielleicht für Kriminalbeamte hilfreich, die Anschläge verhindern wollen oder sich neue Ermittlungsansätze erhoffen. Staatsanwälte benötigen dagegen Beweise, mit denen sie eine Verurteilung erreichen können. Nach Einschätzung des Freiburger Strafrechtsexperten Ulrich Sieber haben die Ermittler aber selbst bei herkömmlichen Verfahren diese Probleme.

Thomas Seythal/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Spocks_Kommentar (17.04.2008, 15:42 Uhr)
Lacht nicht so laut....
ich hatte den Prototypen schon!
Er lädt ein eigens Betriebssystem nach und reserviert Plattenplatz außerhalb der üblichen Partitions-Tabellen. Dort macht er ein Backup mit hoher Komprimierung.
Dann schaltet er die Netzkarte von 100 oder 1000 MBit/s auf 10 MBit/s herunter, schaltet auf die freie Bandbreite einen Kanal und überträgt mit angehaltenem Paketzähler permanent. Daran ist er bei mir gescheitert, weil er nicht rausgekommen ist, er war der Firewall nicht bekannt.
Wer ihn hat muß übrigens die Netzkarte austauschen, nur Platte formatieren reicht nicht, der greift irgendwie die Chips auf der Karte an.
So, nun wißt Ihr, was zu tun ist.
bR4iNST0RM (16.04.2008, 17:06 Uhr)
Bares lacht!
Der Mensch ist neugierig! Da können sich auch die Politiker, Industriefunktionäre und Lobbyisten nicht von frei sprechen! Somit haben diese „Bespitzeler“ endlich die Gesetzesgrundlage geschaffen. Und natürlich sind Lobbyisten bei dem Gesetzesentwurf dabei gewesen. Profiling gibt es eben nicht nur bei den Kriminalserien im Fernsehen, sondern besonders in der Industrie, die ihre Ware gezielt an den Mann oder Frau bringen möchte. Für solche sind diese Daten bares Geld wert! Also nicht wundern, wenn man Arzneien im Internet bestellt und plötzlich Werbung im Briefkasten hat, die einen suggerieren woanders dieses Produkt günstiger kaufen zu können!
L.Gleichmann (16.04.2008, 15:47 Uhr)
Wo lebt der eigentlich?
So ein Kasperltheater, bin mal gespannt wie der bei einem User mit 56k Modem 150 Gigabyte durchsuchen will, zumal, wenn der zu Durchsuchende nur zeitweise im Web ist...., einfach lächerlich diese Typen, gaskrank und nicht ernst zu nehmend, leider machen sie Politik und texten das Volk mit solchem Müll zu.
Clibanarius (16.04.2008, 15:15 Uhr)
Wer noch glaubt, es gehe...
...gegen Terroristen, der glaubt auch daran, daß Gartenzwerge seinen Garten schon bestellen werden. Es wäre interessant, welche Lobbysten und Leihbeamte mit daran beteiligt waren, um Hinz und Kunz auszuspähen - auf anhieb fallen mir die Medien-"Industrie" ein. Und/oder die politischen Machthaber haben wirklich große Angst vor ihrem Volk. Denn wirkliche Terroristen werden so nicht in die Falle tappen.
courtwiesel (16.04.2008, 12:11 Uhr)
1884
Wer bezahlt den Whansinn wieder und wie schnell haben sich die bösen Buben wieder angepasst.Wann merkt der Junge endlich das er vollkommen überflüssig ist.
RenegadeXX (16.04.2008, 12:10 Uhr)
Wer sagt denn, dass man nur Terroristen jagen will?
Nicht vergessen, das BKA kauft auch Daten, um Steuersünder im Namen des Staates DDR ach Entschuldigung BRD sollte es natürlich heissen, aufzuspüren. So wird es doch auch einfacher, die bösen Online-Transaktionen der Bürger zu überwachen ;-) und diese rechtzeitig zur Selbstanzeige zu bewegen.
Jetzt fehlt dann noch ein Gesetz, dass es erlaubt alle Briefe aus dem Ausland zu öffnen, bevor diese von der Post ausgetragen werden oder gibt es das schon?
Ab wann wird man eigentlich als Terrorist eingestuft?
manndernichtdaist (16.04.2008, 12:04 Uhr)
huurrrraaaaa!
die sicherheitslücke die der trojaner ausnutzt wird für profihacker ebenso ausgenutzt -> kriminelle schauen mit.
jetzt werden wieder mehr leute offline bleiben - stecker rein, emails checken, stecker raus. so kann kein bka'ler länger den pc durchsuchen, da er ja offline ist.
problem: wer länger als 5 minuten drin ist, wird die halbe festplatte auf den datenspeichern der bka wiederfinden. geht ratzfatz so eine highspeed übertragung der daten.
frage: welcher terrorist hat brisante daten auf einem online pc? die politiker sind wirklich unglaublich DUMM. haben wohl zuviel hollywood kino angesehen.....
whismerh2 (16.04.2008, 11:59 Uhr)
Lächerlich
Wie bereits erwähnt Leute die was
zu verbergen haben werden Ihren Rechner schon zu schützen wissen.
Ich selbst bilde mir ein genug Wissen zu haben das der Hannebambel
eben nicht meinen Rechnder ausspionieren kann.
Schäuble alter Schnüffelsack
zieh Leine.
Leseratte79 (16.04.2008, 11:53 Uhr)
Gut das jetzt
alle bösen Buben bescheid wissen löl. Am Ende wirds doch so aussehen: Der technisch hoch aufgerüstete Terrorist bleibt unentdeckt oder ihm kann nichts nachgewiesen werden. Da der ganze Überwachungswahnsinn viel Geld kostet wird dann doch wieder der "kleine Bürger" wegen irgendwelcher Verstöße die sicherlich nicht die Sicherheit anderer gefährden belangt werden. Aber schön zu wissen das der Herr Schäuble über meine Webcam in meine Wohnung schauen dürfte...Webcam liegt jetzt im Schrank. und bevor hier wieder alle schreien "wer nichts zu verbergen hat bla bla bla"- jeder hat was zu verbergen und wenn es nur ein persönliche Mail an den Freund ist. ich möchte nicht das irgend ein Wildfremder (Polizisten z.B. unterliegen keinerlei Schweigepflicht) persönliche Mails oder Schriftverkehr von mir liest.
Medley (16.04.2008, 11:33 Uhr)
Lächerlich
Der informierte Bösewicht wird jetzt natürlich zwei getrennte Computer haben. Mit dem einen geht er Online auf dem anderen hat er die brisanten Dateien. Und ansonsten gibt es ja noch Internet-Cafe's und die gute alte Briefpost.
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