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22. Juli 2009, 14:44 Uhr

Xing soll virtuelles Büro werden

Das Online-Netzwerk Xing öffnet seine Plattform für Anwendungen externer Entwickler und erweitert seine Funktionen erheblich. Zum Start des Partnerprogramms seien 16 neue Applikationen verfügbar. Ein Schritt, um die Anzahl der zahlenden Nutzer zu erhöhen.

Xing, Linkedin, Open social,

© Bob Strong/Reuters

Xing ist eine beliebte Plattform bei Jobsuchenden - kaum ein Headhunter verzichtet auf die Recherche in dem Online-Netzwerk. Doch nun will das Unternehmen aus Hamburg auch für jene interessanter werden, die gerade keine neue Herausforderung suchen: Am Mittwoch hat sich Xing mit einem Partnerprogramm für externe Entwickler geöffnet und zum Start 16 neue Funktionen eingeführt. Diese sollen Xing mehr und mehr zum virtuellen Büro werden lassen - und so mehr zahlende Kunden anlocken.

Warum alles selber machen, wenn es andere tun können? Nach diesem Motto setzt Xing beim Ausbau verstärkt auf externe IT-Profis. Damit deren Software auf der Plattform läuft, stellt das börsennotierte Unternehmen Programmierschnittstellen zur Verfügung. Es setzt dabei auf "Open Social" - einen Standard, den der Internetkonzern Google entwickelt hat.

Höhere Innovationsgeschwindigkeit

Der Vorteil für Xing: "Unsere Innovationsgeschwindigkeit erhöht sich dramatisch, weil wir nicht alles selbst machen müssen", sagt Unternehmenschef Stefan Groß-Selbeck. Die 240 Mitarbeiter bräuchten ungleich länger, um so viele neue Funktionen einzubauen. Der Vorteil für die zuliefernden Programmierer: Dank der Schnittstellen können sie ihre Software ohne großen Aufwand in verschiedenen sozialen Netzwerken vermarkten und erreichen somit mehr Nutzer - im Fall von Xing 7,5 Millionen weltweit, davon 3,2 Millionen in Deutschland.

Allerdings wählt das Netzwerk gezielt Programme aus, die "Mehrwert für professionelle Nutzer" bieten, wie Groß-Selbeck sagt: "Unsere Mitglieder wollen keinen Zeitvertreib." Eine weitere Maßgabe: Der Datenaustausch muss stets verschlüsselt per SSL-Standard erfolgen.

Die Programme drehen sich daher vornehmlich ums Geschäft: Bürokräfte wie Karriere-Kraftmeier können Termine abstimmen, Dateien austauschen, Powerpoint-Folien zeigen und online gemeinsam an Projekten arbeiten. Nachrichten liefern unter anderem das Webportal "Wallstreet Online" und die Zeitung "Welt kompakt". Was die Twitter-Welt über die eigene Firma äußert, lässt sich ebenfalls verfolgen. Die Programme stehen allen Nutzen zur Verfügung, teils können aber nur zahlende Premiummitglieder das virtuelle Büro voll nutzen.

Die Fachwelt lobt das mit 35,3 Millionen Euro Jahresgewinn höchst profitable Unternehmen für den Ausbau: "Die Applikationen sind auf Praxisnutzen getrimmt", sagt Experte Matthias Schwenk. Damit könne das 2003 gegründete Unternehmen die Mitglieder stärker an sich binden, meint der Unternehmensberater aus dem schwäbischen Bad Saulgau, der sich auf Web-2.0-Applikationen spezialisiert hat.

LinkedIn holt auf

Denn der Wettbewerb um die klugen Köpfe wird härter: Das Hamburger Unternehmen ist in Deutschland zwar mit großen Abstand das beliebteste Karriereportal, doch der amerikanische Konkurrent LinkedIn holt auf. Seit Februar ist das Portal auch auf Deutsch verfügbar, rund 600.000 Mitglieder zwischen Flensburg und Garmisch haben sich mittlerweile angemeldet. Die Amerikaner bieten bereits seit Oktober 2008 insgesamt neun Zusatzprogramme rund um den Berufsalltag an.

LinkedIn bietet zudem mit seinen weltweit 41 Millionen Nutzern auf dem ganzen Globus eine Internationalität, die dem deutschen Marktführer bislang fehlt. "Xing muss sich sehr anstrengen, damit die exportorientierten deutschen Unternehmen auch ihre ausländischen Geschäftspartner auf der Plattform finden", sagt Berater Schwenk. Die neuen Applikationen sind vielleicht ein erster Schritt: Viele gibt es gleich in mehreren Sprachen.

Stichwort "Open Social" Das soziale Online-Netzwerk Xing ermöglicht externen Programmierern, eigene Anwendungen für die Plattform zu schreiben und dort zu integrieren. Das Hamburger Unternehmen setzt dabei auf die "Open Social"-Schnittstelle, deren Standards der Internetkonzern Google Ende 2007 festlegte. Die Schnittstelle regelt den Datenaustausch zwischen Online-Netzwerken und Web-Anwendungen. Entwickler wissen somit, worauf sie beim Programmieren achten müssen. Zudem können sie Software erstellen, die bei allen "Open Social"- Teilnehmern ohne große Anpassungen läuft.

Auch MySpace und Xing-Rivale LinkedIn nutzen "Open Social". Das weltweit größte Online-Netzwerk Facebook setzt dagegen auf einen eigenen Standard.

Christof Kerkmann/DPA
 
 
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