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18. Juli 2009, 11:29 Uhr

"Ein unglaublicher Generationenkonflikt"

Peter Schleußer hat die Online-Petition "gegen das Verbot von Action-Computerspielen" eingereicht, die inzwischen von mehr als 60.000 Bürgern unterschrieben wurde. Im stern.de-Interview spricht Schleußer über seine Beweggründe und den Konflikt zwischen Spielern und Politikern.

Killerspiel, Schleußer

Die Petition richtet sich gegen die Pläne, "Action-Computerspiele" verbieten zu lassen© Jörg Sarbach/AP

Ihre Petition "gegen ein Verbot von Action-Computerspielen" ist bereits mehr als 60.000 Mal unterschrieben worden. Wie haben Sie so viele Unterstützer gewonnen?

Das hat sich ganz von allein herumgesprochen, ich selbst habe gar keine Werbung gemacht. Dass die Petition online ist, habe ich überhaupt erst erfahren, als es schon 30.000 Unterzeichner gab und ein Journalist bei mir angerufen hat.

Warum haben Sie überhaupt eine Petition eingereicht?

Ich bin ein Computerspieler der ersten Stunde, ich gehöre der C64-Generation an. Mein erster Rechner war ein VC20, und Programme wie "Frogger" habe ich noch von Hand in den Computer eingetippt, um sie spielen zu können. Als ich gehört habe, dass die Innenminister jetzt Action-Spiele, die sie Killerspiele nennen, verbieten wollen, dachte ich, dass man etwas dagegen tun muss.

Aber warum haben Sie sich für eine Petition entscheiden und nicht für eine andere Protestform, zum Beispiel für eine Demonstration?

Ich habe neulich selbst eine Petition unterzeichnet, gegen die Internet-Zensur-Versuche der Ursula von der Leyen. Was die da vorhat, untergräbt die Gewaltenteilung, da soll eine Exekutiv-Behörde die Kontrolle ausüben, ohne selbst kontrolliert zu werden. Nichts gegen die Sperrung von kinderpornografischen Seiten, aber bitte nicht so.

Und da haben Sie sich entschlossen, selbst eine Petition einzureichen?

Anlass war ein Artikel in der Spielezeitschrift "Gamestar". Die hatte dazu aufgerufen, Protestschreiben an Bundestagsabgeordnete zu schicken. Da habe ich mich gefragt: Warum so umständlich? Mach ich doch lieber auch so eine Online-Petition!

Und? War das wirklich nicht umständlich?

Nein. Die Internet-Seite des Bundestages gefällt mir gut. Es ist relativ einfach, so eine Petition einzurichten. Außerdem hatte ich schon Starthilfe, weil ich mich auf den vorformulierten Text der "Gamestar" stützen konnte.

Was erhoffen Sie sich von der Petition?

Gesteigerte Aufmerksamkeit. Dass sich auf politischer Ebene mit den Sorgen der Spieler auseinandergesetzt wird.

Das könnte ja auch nach hinten losgehen. Wenn die Politiker sich mit dem Thema befassen, könnte am Ende ja sogar eine Verschärfung der Gesetze herauskommen.

Daran arbeiten die doch ohnehin längst. Mir geht es darum, ins Gespräch zu kommen, zu informieren. Das Problem ist, dass diejenigen, die die Petition unterschreiben, schon einen ganz anderen Sprachgebrauch haben, als die, die darüber beraten und entscheiden. Da gibt es einen unglaublichen Generationenkonflikt, wie es ihn vielleicht noch nie zuvor gegeben hat. Wer mit dem PC aufgewachsen ist, sieht auch in einem fotorealistischen Spiel wie "Far Cry" nicht mehr als ein Spiel. Und schon gar nicht die Wirklichkeit. Die Medienkompetenz der Jugendlichen übersteigt die der Politiker bei weitem.

60.000 Unterzeichner ist für eine Petition überdurchschnittlich viel, angesichts von 80 Millionen Bundesbürgern aber verschwindend wenig. Haben Sie keine Angst, dass man diese Zahl sogar gegen Sie verwenden könnte?

Das glaube ich nicht. 60.000 ist doch enorm. Und die Regel, dass der Petent ab 50.000 Unterstützern im Ausschuss gehört werden muss, habe ja nicht ich mir ausgedacht, sondern die Politiker.

Interview: Ulf Schönert
 
 
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