. .
Online-Neuigkeiten und Internet-Trends
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
11. September 2007, 15:45 Uhr

Suchet - und Ihr werdet gefunden!

Handy-Überwachung, Online-Razzia - wer auf Google & Co. sucht, hinterlässt Spuren. Im "Kampf gegen den Terrorismus" könnten Regierende auf die Informationen zugreifen. Doch welche Daten speichern Suchmaschinen und lassen sich daraus Rückschlüsse auf einzelne Personen ziehen? Von Rainer Mersmann

Von wegen Online-Durchsuchung: Innenminister Schäuble weiß auch so, wer ein böser Bube ist© Joerg Sarbach/AP Photo

Der Gesetzentwurf zur Neufassung des BKA-Gesetzes, der dem Chaos Computer Club (CCC) zugespielt und Ende Juli veröffentlicht wurde, macht es deutlich: Die Möglichkeiten, die dieses Gesetz eröffnet, sind nicht auf die Daten von Telefon-, Internet- und Mobilfunkanbietern oder das Ausspionieren von heimischen Festplatten beschränkt. So heißt es beispielsweise im Paragraph 20m unter Punkt 2 (auf Seite 19): "Unter den Voraussetzungen des Abs. 1 Satz 1 kann das Bundeskriminalamt von denjenigen, die geschäftsmäßig Teledienste erbringen und daran mitwirken, Auskunft über Nutzungsdaten (Paragraph 15 Abs. 1 des Telemediengesetzes) verlangen. Die Auskunft kann auch über zukünftige Nutzungsdaten angeordnet werden." Und in der entsprechenden Begründung dazu (auf Seite 59): "Zu den Unternehmen, die geschäftsmäßig Telemedien erbringen, zählen insbesondere Internetauktionshäuser oder -tauschbörsen, Anbieter von Videos auf Abruf oder Suchmaschinen im Internet. Angesichts der breiten Nutzung des Internets durch Täter des Internationalen Terrorismus können die Nutzungsdaten ... für die Arbeit des BKA von großem Nutzen sein."

Zwar ist Google im Jahr 2006 - ganz im Gegensatz zu Microsoft, Yahoo und AOL - der Aufforderung des US-Justizministeriums, eine zufällige Auswahl der Suchanfragen einer Woche auszulegen, nicht nachgekommen. Aber passiert das BKA-Gesetz in der vorliegenden Fassung den Bundestag, ist auch Google per Gesetz verpflichtet, auf Anordnung des BKA Suchanfragen und andere Nutzerdaten herauszugeben.

Was man bei Google gesucht hat, zeigt das persönliche Webprotokoll© Google

Gefährliche Suche nach "Al-Qaida"

Auf die Frage, welche Daten beispielsweise Google, MSN oder Yahoo erfassen und ob sich daraus Rückschlüsse auf die eigene Person ableiten ließen, wissen die wenigsten Internetnutzer eine Antwort. Dass die Suchmaschinen-Betreiber überhaupt Daten speichern, begründen sie vor allem mit der Verbesserung ihres Services und damit, dass sie dem Missbrauch ihrer Dienste vorbeugen wollen. Erfasst wird bei Google & Co. natürlich der eingegebene Suchbegriff im Google Webprotokoll, darüber hinaus die dem Rechner vom Internet-Provider zugewiesene IP-Adresse sowie Datum und Uhrzeit der Suchanfrage. Allein aus diesen vier Angaben - beispielsweise der Suchbegriff: Al-Qaida, IP: 213.39.179.209, Datum: 05.08.2007, Uhrzeit: 23:12:46 - kann das BKA den Provider (in diesem Fall Hansenet) ermitteln und von diesem die Herausgabe der genauen Anschrift des Suchenden verlangen.

Ich weiß, was Du letzten Sommer gesucht hast

Doch aus einem einzelnen Suchbegriff auf die Gesinnung des Internet-Users zu schließen, ist wenig sinnvoll. Erst eine Summierung von Suchbegriffen und anderen Daten ließe eventuell eine Tendenz erkennen. Über Toolbars der Suchmaschinen (die das Surfen und Suchen angenehmer gestalten sollen) und Cookies (kleine Textdateien mit einer eindeutigen Identifikations-Nummer), die von den Suchmaschinen auf den Rechnern der User abgelegt werden, lässt sich ein Rechner eindeutig wieder erkennen - auch wenn die Internet-Verbindung zwischenzeitlich getrennt wurde. Wer die Google Toolbar installiert oder Cookies von Google angenommen hat, kann sich im "Google Webprotokoll" seine Suchanfragen und -ergebnisse aus den letzten Jahre anschauen. Darüber hinaus speichert Google den Browsertyp, mit dem der Surfer unterwegs ist, und die Sprache, Microsoft Live Search erfasst außerdem die Art der Suche: Sucht der Surfer im Internet, sucht er nach Bildern, News oder nach Shopping-Tipps? Erhalten bleiben die Daten bei Google für 18 Monate, bei AOL einen Monat - danach werden sie anonymisiert. Wie lange Microsoft Live Search und Yahoo die Daten behalten, ist nicht bekannt. Die Pläne der kleinen Suchmaschine Ask.com, ihren Usern eine Option zu anonymen Suche anzubieten, werden durch das geplante BKA-Gesetz dann wohl zunichte gemacht - zumindest so lange ihre Server in Deutschland stehen.

AOL User 4417749

Aber auch ohne die Verbindungsdaten des Internet-Providers kann häufig schon - nur aufgrund der Suchanfragen - auf eine bestimmte Person geschlossen werden. Das bewiesen die Journalisten der New York Times, als AOL im Jahr 2006 der Internet-Gemeinde 20 Millionen Suchanfragen zur Verfügung stellte. Sie brauchten nur wenige Tage, bis sie den User 4417749 als Thelma Arnold, eine 62-jährige Witwe aus Lilburn, Georgia/USA, identifizieren konnten.

Wer über die reine Suche hinaus auch andere Dienste der Suchmaschinen nutzt, wie E-Mail, Blogs, Kalender oder Notizbuch, muss zwangsläufig weitere Informationen über sich preisgeben. Bei Microsoft und Yahoo können diese recht umfangreich sein: Name, Alter, Familienstand, Beruf, Anzahl der Kinder... Zwar verwalten alle Suchmaschinen diese Daten getrennt, aber dass eine Verbindung zwischen ihnen hergestellt wird, ist nicht völlig auszuschließen - z.B. durch den Gesetzgeber. Denn im Zusammenführen von Datenbanken ist die Bundesregierung recht großzügig, wie die "Anti-Terror-Datei" zeigt, in die beispielsweise auch die Datenbanken zur "Sammlung von Informationen zum G8-Gipfel in Heiligendamm" oder "Verdacht der Prostitution und Zuhälterei" aufgenommen wurden.

Besuch vom BKA - Nein danke!

Um nicht Gefahr zu laufen, dass nach der Recherche für eine Diplomarbeit zum Thema "Der Einfluss radikaler Islamisten im Mittleren Osten" die Herren vom BKA unsanft an die Tür klopfen, folgende Tipps: Auf die Installation der Toolbars von Suchmaschinen sollte der Surfer verzichten. Zwar vereinfachen sie das Surfen, übermitteln aber auch reichlich user- und rechnerspezifische Daten.

Cookies der Suchmaschinen ablehnen oder nur Sitzungs-Cookies erlauben - Sitzungs-Cookies werden beim Schließen des Webbrowsers gelöscht. Welche Einstellungen dazu vorgenommen werden müssen, ist von Browser zu Browser verschieden. Anleitungen hierzu können in der Hilfe des Browsers und im Internet gefunden werden. Diese Maßnahmen reduzieren zwar die Daten, die Google & Co. speichern können, schützen aber nicht davor, dass Suchbegriffe mit der IP-Adresse des Surfers in Verbindung gebracht werden können. Hier sind Anonymisierungs-Dienste im Ausland wie "youhide.com" hilfreich. Diese Server speichern keine Suchanfrage und aus den Provider-Daten ist nur ersichtlich, dass die Seite von "youhide.com" aufgerufen wurde. Aber vielleicht erscheint das dem BKA ja besonders suspekt. Natürlich können auch alle anderen Diplomanden und normale Surfer diese Tipps beherzigen.

Von Rainer Mersmann
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
atride (12.09.2007, 10:11 Uhr)
haha,
das ist echt ne tolle fotomontage, dass big schäuble den armen user aus dem rechner anglotzt... aber sehr ernst finde ich den ungeist, dass man es seitens der """"volksvertreter"""" (acht anführungszeichen scheinen hier angebracht) für völlig ok hält, jede technische neuerund quasi sofort zur überwachung der bürger einzusetzen.
gmathol (12.09.2007, 10:08 Uhr)
Technisch nur bedingt machbar.
Hier setzt man auf die Nutzer die Google Service benutzen waehren sie mit ihrer Kennung z. B. e-mail eingeloggt sind.
Andernfalls bekommt auch Google nur die Daten die der Browser des jeweiligen Benutzers veroeffentlicht mitgeteilt!
Auch hier kann man selbst diese Browserfunktionen abschalten, so dass die Suchmaschine nicht einmal mehr die IP-Adresse mitgeteilt bekommt. Da helfen z. B. Proxies, Proximizer, Anonymous Server und plugins die die Geschwaetzigkeit von Mozilla, Internet-Explorer unterbinden.
Wer natuerlich meint mit Internet Explorer und Outlook eingeloggt im Internet zu surfen den werden sicherlich auch bald Viren und Trojaner plagen. Mittlerweile kann auch der IE7 mit Plugins abgesichert werden.
bR4iNST0RM (11.09.2007, 17:43 Uhr)
Von zwölf bis Mittag gedacht!
Dass sich die bösen Buben auch über fremde PCs einloggen, und über diese „Fremd-IP“ dann Unfug bauen (was heute Fakt ist) wird also gar nicht beachtet? Oha!
Aetz (11.09.2007, 17:09 Uhr)
Suchmaschine wechslen
http://ixquick.com/
Suchmaschine mit Datenschutz
atride (11.09.2007, 16:04 Uhr)
dass wirklich
ausnahmlos jede technische neuerung quasi stante pede zur überwachung der bürger eingesetzt wird, erfüllt mich mit einer gewissen verzweiflung. wer will diesen ganzen scheiß eigentlich? quod erat demonstandum: demokratie ist die herrschaft der dummen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Online-Durchsuchung Innenminister einigen sich nicht

Bei einer Sondersitzung in Berlin konnten die Innenminister keine gemeinsame Einigung zum Thema Online-Durchsuchung finden. Es besteht immernoch Diskrepanzen zwischen der CDU, die möglichst schnell ein Gesetz dazu verabschiede will und der SPD, die noch abwarten möchte. mehr...

Vereitelter Terrorplan Erleichterung und Parteienstreit

Nach der Verhaftung der Bombenbastler von Oberschledorn herrscht unter den Politikern große Erleichterung. Gleichzeitig forderten Unionspolitiker erneut, die Möglichkeiten zur Online-Durchsuchung von Computern zu schaffen. Politiker von SPD, FDP und den Grünen widersprachen. mehr...

Online-Durchsuchung Neuer Wirbel um Bundestrojaner

Dokumente des Bundesinnenministeriums und Aussagen von BKA-Chef Jörg Ziercke offenbaren Einzelheiten zur geplanten Online-Durchsuchung. Innerhalb der SPD regt sich Widerstand - und Experten bezweifeln, ob das Ganze wie beschrieben funktionieren kann. mehr...

 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft