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30. März 2004, 16:49 Uhr

Jetzt sind auch deutsche Dateitauscher dran

Dem Vorbild der US-Plattenindustrie folgen auch deutschen Phonoverbände. Erstmals wurde gegen Nutzer von Dateitauschbörsen Anzeige erstatten. Von der "ersten Welle" sind 68 Personen betroffen.

Die Industrie klagt über große Schäden durch Raubkopierer und Dateitauschbörsen© Picture Alliance/ZB

Wer in Deutschland illegal Musiktitel im Internet anbietet, muss ab sofort mit einem Strafverfahren rechnen. Wie die deutschen Phonoverbände in Berlin mitteilten, sind bereits 68 Strafanzeigen gegen Tauschbörsen im Netz erstattet worden. Die wirtschaftlichen Schäden durch die kostenlosen Musikbörsen seien immens, erklärte Verbandschef Gerd Gebhardt. Allein in Deutschland seien 2003 gut 600 Millionen Titel illegal heruntergeladen worden. Die Folge seien drastisch sinkende Umsätze.

Umsatzrückgänge von knapp 20 Prozent

Die Branche hatte den Angaben zufolge vergangenes Jahr einen Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent hinnehmen müssen - von 2,054 Milliarden Euro 2002 auf 1,648 Milliarden Euro 2003. Damit sinke der Umsatz der Mitgliedsunternehmen bereits das sechste Jahr in Folge, erklärte Verbandsgeschäftsführer Peter Zombik. Er machte dafür massenhaftes Musikkopieren und illegale Internet-Downloads verantwortlich. Das Brennen von Privat-CDs habe in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen. Etwa 325 Millionen CD-Rohlinge seien 2003 in Privathaushalten mit Musik bespielt worden. Hier sei der Zuwachs doppelt so hoch wie bei den verkauften CD-Alben. Die Phonoverbände hoffen, dass eine Novelle des Urheberrechts, die zur Zeit in Arbeit ist, die Möglichkeit der Privatkopie stark einschränkt.

Problem lange verniedlicht

Die Zahl der Internet-Downloader ist den Angaben zufolge 2003 von 6,4 Millionen auf 7,3 Millionen gestiegen. Mehr als 98 Prozent von ihnen hätten kostenlose Angebote genutzt, sagte Gebhardt. Das Problem der illegalen Tauschbörsen sei lange verniedlicht worden. Ob es zu einer Klagewelle gegen unrechtmäßige Musikanbieter im Netz komme, hänge von den Staatsanwaltschaften an.

Verfahren auch in anderen Ländern

Die Branche sei gezwungen, strafrechtlich gegen die Anbieter vorzugehen, weil sie nur so an die Daten der Täter komme. Zwar könne man nur gegen Anbieter in Deutschland vorgehen, es sei aber klar, dass auch andere Länder gegen die Tauschbörsen mobil machten. Strafverfahren würden zur Zeit auch in Italien, Dänemark und Kanada angestrengt. Die Deutschen Phonoverbände vertreten rund 1.000 Unternehmen, die eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von 91 Prozent repräsentieren.

DPA
 
 
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