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17. November 2007, 17:17 Uhr

Virtuell geklaut, echt festgenommen

In den Niederlanden ist ein 17-Jähriger verhaftet worden, weil er Möbel gestohlen haben soll. Virtuelle Möbel aus einer Online-Community. Der Schaden ist allerdings real, die Besitzer hatten für die Einrichtungsstücke insgesamt einige tausend Euro bezahlt.

Habbo Hotel gibt's auch auf Deutsch© habbo.de

Tatort "Habbo Hotel": In dieser Internet-Community mit 3D-Grafik soll ein 17-Jähriger Niederländer virtuelle Möbel gestohlen haben. Er wurde von der Polizei festgenommen, nachdem "Habbo"-Betreiber Sulake ihn wegen Diebstahls angezeigt hatte. Weitere fünf Jugendliche im Alter von 15-Jahren wurden befragt. Der entstandene Schaden wird mit 4000 Euro angegeben.

Wer ins "Habbo Hotel" eincheckt, sollte ein Faible für knuddelige Männchen in Comicgrafik und Spaß am Einrichten von Wohnungen haben. Im Jahr 2000 startete die finnische Firma Sulake das Angebot, in dem sie Community-Funktionen mit einer einfachen, im Internetbrowser lauffähigen 3D-Grafik verband und jedem Mitglied ein eigenes "Zimmer" zur Verfügung stellte, das jeder nach seinem Geschmack einrichten konnte. Inzwischen leben laut Unternehmensangaben mehr als sechs Millionen Menschen in 30 Ländern ihren Traum vom virtuellen schöner Wohnen.

Wie im richtigen Leben gibt es das Besondere nicht umsonst: Für wirklich coole Stücke muss der Hotelbewohner bei Habbo bezahlen - echtes Geld. So bekommen virtuelle Stühle und Tische einen monetären Gegenwert. Und wer die klaut, sei nicht nur ein virtueller Dieb, sondern auch ein echter. "Es ist Diebstahl, weil die Möbel mit echtem Geld bezahlt wurden", sagte ein Sulake-Sprecher gegenüber der BBC.

Nach Phishing-Manier

Die Vorwürfe der Ermittler gegen den holländischen Teenager ließen auf gewisse kriminelle Energie schließen, wenn sie sich bewahrheiteten: In der Manier von Phishing-Betrügern habe er die Website von "Habbo Hotel" gefälscht, naive Kunden angelockt und dazu gebracht, sich mit ihren Daten einzuloggen. Mit den so gewonnen Informationen habe der 17-Jährige die fremden Benutzerkonten einsehen und virtuelle Güter in seine eigenen Räume bringen können.

Es ist das erste Mal, dass es in einem solchen Fall zu einer Festnahme gekommen ist. Die Firma scheint ein Exempel statuieren zu wollen. Denn das Problem existiert schon länger: "Wir haben uns eingemischt, weil wir eine steigende Anzahl an Websites wahrnehmen, die vorgeben, Habbo Hotel zu sein", so ein Firmensprecher.

Ralf Sander
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
salz63 (18.11.2007, 11:03 Uhr)
Spannend
Wenn ich in einer virtuellen Welt (z.B. Online Ballerspiel) einen Mörder beauftragen würde, einen realen Mord außerhalb der Virtualität zu begehen, würde das ja auch nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Solche Delikte werden noch spannende Prozesse generieren: Was ist, wenn sich zwei Menschen eine virtuelle Figur teilen, die irgendwann etwas illegales tut, aber nicht sagen, wer diese wann gesteuert hat? Was ist, wenn der Schaden einer Tat nicht in die reale Welt weiterwirkt? etc...
hevosenkuva (18.11.2007, 02:13 Uhr)
der Fall wirft wichtige Fragen auf!
zum Beispiel: wird der Fall vor einem virtuellen Gericht verhandelt, aber mit realem Gefängnis bestraft? oder vor einem realen Gericht, das eine virtuelle Gefängnisstrafe verhängt? gibt es überhaupt schon digitale Gefängnisse im "Web 2.0", die sowohl internationalen Sicherheitsanforderungen als auch den Menschenrechten gerecht werden? und wie wird der Zeitwert von virtuellen Möbeln angesetzt? gibt es digitale Abnutzung? kann man nicht-existente Möbel bei eXay verkaufen? oder seinen Avatar ins Gefängnis schicken, statt die Strafe selbst abzusitzen? leben wir in einer Welt, die immer absurder wird? wozu das alles? wieso zahlt jemand viel Geld für Möbel die nicht existieren, und stellt dann keinen vrituellen Wachmann daneben? existentielle Fragen, die dringend einer Antwort harren!
Als virtuell gilt die Eigenschaft einer Sache, die nicht in der Form existiert, in der sie zu wirken scheint, aber in ihrem Wesen und ihrer Wirkung einer real existierenden Sache gleichartig ist. Das Wort führt über den französischen Begriff virtuel (fähig zu wirken, möglich) zurück auf das lateinische Wort virtus (Tugend, Tüchtigkeit, Kraft, Männlichkeit).
Virtualität spezifiziert also eine gedachte oder über ihre Eigenschaften konkretisierte Entität, die zwar nicht physisch, aber doch in ihrer Funktionalität oder Wirkung vorhanden ist.
gelegenheitsposter (17.11.2007, 20:55 Uhr)
da werd ich mich doch gleich

Hi,
ich werde mich sofort als Firmensprecher bei Habbo Hotel bewerben damit ich mich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern kann.
Wo soll das hinführen wenn sogar schon virtuell echt gekaufte Sofas durchgessen geklaut werden ....
Ich bin ja sowas von erbost .... ich kann mich gar nicht beruhigen ...
Ein Generalstreik wäre ja wohl angemessen.
gelegenheitsposter (17.11.2007, 20:51 Uhr)
schaut doch mal

Die welt kann so schön sein ..
http://www.stern.de/lifestyle/mode/:Victoria%27s-Secret-Engel-Unterw%E4sche/602733.html
Aurum (17.11.2007, 17:45 Uhr)
Krank
Da fragt man sich wiklich, was das Web bei einigen Mitmenschen bewirkt. Wie kann man sich virtuell "einrichten" und für solch einen Schwachsinn noch bezahlen. O.K. die "Diebe" in die Hände der Justitz, die Käufer in die Irrenanstalt.
666Truthseeker (17.11.2007, 16:01 Uhr)
ein an der Marmel........
sorry abba da klappt sich bei mir die Kinlade runter... diese Welt ist schon scheisse genug .. da macht man sich das dann im WWW gemütlich? Die Abhängigkeit von diesem Medium sollte uns alle sehr bewust sein.. persönlich warte ich nur noch auf einen Anschlag auf einen WWW Knotenpunkt.. einfach zum Kotzen was der Mensch so ER.Schafft.
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