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2. Juli 2008, 10:40 Uhr

Luxushersteller schlachten Ebay-Urteil aus

Die Millionenstrafe, die ein ein französisches Gericht Ebay auferlegt hat, versetzt die gesamte Branche in Aufregung. Das Urteil hat auch Auswirkungen auf viele kleinere Online-Händler. Den klagenden Konzernen geht es nicht nur um Plagiate, sie wollen den freien Handel mit Luxusgütern im Web kontrollieren.

Auch andere Internet-Händler sind vom Ebay-Urteil betroffen© DDP

Das harte Urteil gegen Ebay dürfte die Branche in Aufregung versetzen. Andere, kleinere Onlinehändler würden sich daran orientieren. Eies habe Signalwirkung, sagte Martin Ruppmann, Geschäftsführer des Kosmetikbranchenverbands VKE. "Für die Luxusgüterbranche ist dies ein sehr positives Urteil. Es führt dazu, dass auch Ebay-Konkurrenten sich der Problematik bewusster werden", sagte am Dienstag René Weber, Analyst für Luxusgüterhersteller bei der Bank Vontobel.

Am Montag hatte das Pariser Handelsgericht das Auktionshaus Ebay zu einer Strafe von 38 Millionen Euro verurteilt, weil es den Handel mit gefälschten Produkten ermöglicht habe. "Das ist ein Betrag, der wehtut", sagte Weber in Bezug auf eine abschreckende Wirkung. Zudem rügte das Gericht, dass Originalparfüms versteigert wurden, die der Konzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) ausschließlich über ein exklusives Händlernetz verkauft. Ebay hat Berufung eingelegt und wartet ab. "Wir analysieren derzeit, ob wir reagieren wollen oder müssen", sagte am Dienstag Arndt Berger, bei Ebay Koordinator für Rechtsstreitigkeiten in Europa.

Der Prozess hat Parallelen zu Debatten um Online-Videoplattformen wie Youtube oder Anbieter von Internetzugängen wie T-Online. Filmstudios und Musikunternehmen beklagen, dass über das Internet sowie über Videodienste massenhaft gegen Urheberrecht verstoßen wird. Gegen Youtube liegt gar eine Klage über eine Milliarde Dollar vor. Die kritisierten Konzerne argumentieren alle, dass sie nicht für die Inhalte auf ihren Plattformen verantwortlich seien - sondern nur dafür, beanstandete Ware möglichst schnell zu entfernen. Die heftigen Auseinandersetzungen zeigen zudem, welche wirtschaftliche Bedeutung das Internet mittlerweile für den Vertrieb von Diensten und Produkten gewonnen hat.

Schaden in Millionenhöhe

Nach VKE-Schätzungen entstand 2007 in Deutschland allein durch den Handel mit gefälschtem Parfüm über Ebay ein Schaden von rund acht Millionen Euro. Insgesamt machten die Firmen, die im VKE organisiert sind, einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro. Etwa ein Fünftel der über Ebay angebotenen Kosmetik ist nach VKE-Schätzung gefälschte Ware oder Hehlerware.

Ebay kritisiert das französische Urteil wegen der möglichen Einschränkungen für den Onlinehandel. "Es geht letztlich darum, zu verhindern, dass bestimmte Produkte online verkauft werden", so Ebay-Jurist Berger. "Es wird ein System geschützt, das mittelfristig darauf abzielt, die Preise hochzuhalten", sagte Berger weiter. Es könne nicht sein, dass europäische Verbraucher nicht von möglicherweise günstigeren Angeboten in anderen Ländern durch eine Onlinebestellung profitieren können.

Firmen wollen Einfluss nehmen

Um die Kontrolle nicht zu verlieren, haben sich Luxusfirmen mittlerweile dem Onlinevertrieb geöffnet. "Wenn Originalprodukte im Internet auf sauberer Vertragsbasis gehandelt werden, ist nichts einzuwenden", sagte Verbandsvertreter Ruppmann. Führende Marken wie Gucci oder Louis Vuitton betreiben eigene Onlineshops. Zudem gibt es etablierte Onlinehändler wie Yoox oder Net-a-porter für Mode oder Douglas für Kosmetik. Entscheidend sei für die Hersteller, dass sie Einfluss auf die Qualität der Händler, Preise und Vertriebswege hätten, sagte Analyst Weber.

Auf europäischer Ebene unterstützt die EU-Kommission zwar das Anliegen Ebays, bestehende Barrieren für den grenzüberschreitenden Onlinehandel abzubauen. Bei Produktpiraterie machen die Beamten aber Druck. So fordert Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy von den Webhändlern mehr Engagement im Kampf gegen gefälschte Produkte. "Markeneigner und Onlineplattformen sollten sich zusammentun und gemeinsam Lösungen suchen", sagte McCreevy kürzlich. "Wenn es keine Lösung gibt, wird der Druck für Gesetze auf EU-Ebene zunehmen."

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
faustjucken_de (04.07.2008, 14:04 Uhr)
Urteil in Deutschland bedeutungslos
Warum?
Ganz einfach, weil Ausschließungsklauseln zwischen Produzenten und Händlern, die andere Händler außen vor halten, schon seit Jahr und Tag verboten sind.
Wer ein Produkt legal erwirbt, darf es auch verkaufen. So einfach ist das. Noch! haben wir keinen Kommunismus hier.
Da können sich die ganzen Protz-Produzenten noch so sehr drüber aufregen.
kralli19 (04.07.2008, 11:02 Uhr)
@ mister-mister
Es geht eben bei diesem Urteil NICHT nur um Fälschungen und Plagiate. Schauen sie sich die Urteilsbegründung doch einmal an. Die Hersteller wollen sich ihre exklusiven Vertriebswege absichern und das ist ein Eingriff in unsere Privatsphäre. Das Urteil ist ja momentan nur in Frankreich ergangen, wie´s in anderen Ländern aussieht, muss man schauen.
Da sie ja das Beispiel Auto anführten, stellen sie sich vor, sie kaufen sich ein Luxusauto, nach ein paar Jahren wollen sie lieber ein neues haben und verkaufen das alte Auto über EBay....und dann kommt der Hersteller und sagt "nene, wir haben da exklusive Vertriebswege und Händler, sie dürfen das gar nicht verkaufen..." - das wird unter deuzschen rechtlichen Gesichtspunkten noch eine spannende Frage, nur mit Neid hat das nix zu tun.
miho2008 (03.07.2008, 13:45 Uhr)
Arme Luxusindustrie..
mit dem geringsten Einsatz den höchstmöglichen Nutzen, bzw. höchsten Umsatz einfahren...
Es is schon irrsinnig, wie die Luxusgüterindustrie agiert und meistens von Gerichten und Politik unterstütz wird. Wucherpreise sind absolut in und für viele ist es wichtig, dass der Name des teuren Stückes, ob Gucci, Versace, Armani usw. immer gut sichtbar ist, damit meint man sich von dem armen Volk abgrenzen zu können und sich ein Stück Aufmerksamkeit und Neid zu kaufen.Das Gericht den Wucher unterstützen ist umso bedenklicher. Natürlich kann man gut verstehen, dass man keine Plagiate auf dem Markt zu dann reellen Preisen, sehen möchte. Doch glaubt die Luxusindustrie ernsthaft, jemand der sich ein Fake kauft, auch den Wucherpreis für das gleiche Stück ausgeben würde?? Wohl kaum.
Es geht dabei wie schon beschrieben eher darum die Hersteller mit Ihren absurden Preisen zu schützen, damit der Umsatz weiterhin steigt.
Natürlcih gibt es bei eBay sehr viele Fakes, teilweise nicht vom Original zu unterscheiden, doch warum ist das so? Hat sich die Politik und die Gerichte mal Gedanken gemacht, warum sie diesen Wucher so extrem schützt?
Es gibt unzählige Untersuchungen dafür, dass die meisten Lusxusgüter, speziell im Bekleidungs- und Kosmetikbereich im Verkaufspreis extrem überzogen sind. Ein T-Shirt, dass für über 100€ angeboten wird, kostet in der Herstellung unter 5€, nur durch das jeweilige Logo, gleubt man die wahnsinnigen Verkaufspreise rechtfertigen zu müssen.... Natürlich müssen die aber Millionen Werbungskosten auch wieder reingespielt werden und natürlcih soll der Hersteller auch verdienen. Doch ist es nicht an der Zeit, auch über diese immer größere Form von Wucher mal auf anderer Ebene nachzudenken und dem vielleicht auch Einhaltz zu gebieten? Klar, die jenigen die so etwas kaufen, sind ja selbst daran schuld, doch dass ist meiner Meinung nach zu wenig.
Ich schmunzele immer wieder wenn ich manchmal so ein angeblich edeles Teil in der Hand halte, werde diesen Irrsinn wohl nie verstehen, dass es viele Menschen gibt die sich so sehr über denn Tisch ziehen lassen. Unsere Welt wäre ein großes Stück reicher, wenn diese Kunden einmal im Jahr den gleichen Betrag spenden würden, den Sie für ein Wucherpreis T-Shirt ausgeben, aber leider sieht das ja keiner auf der Strasse...
Anregung für die Industrie: ein Spender T-Shirt für 100€ mit großem Aufdruck (und in guter Qualität) - ich habe mit dem Kauf dieses Shirts 70€ für (xy) gespendet....-
Arme Welt...
I
Alex64 (03.07.2008, 07:34 Uhr)
Ja klar.
"Entscheidend sei für die Hersteller, dass sie Einfluss auf die Qualität der Händler, Preise und Vertriebswege hätten, sagte Analyst Weber."
Entscheidened ist, das SIE die Gewinne einfahren. Und sonst gar nichts.
Und mister-mister... - Neid? Ja auf was denn? Auf die Dummerchen, die meinen, ihr Geld für irgendeinen Scheiss ausgeben zu müssen, weil der richtige Name darauf steht?
Wer sich auf diese Weise sein bisschen Selbstbewusstsein aufpolieren muss hat ganz sicher eines - mein Bedauern. Ist und blebt eben trotz seines (vorhandenen oder nicht vorhandenen Geldes) nur eines - ein Herdentier in den unteren Hierachierängen, dass sich über das Äussere nach oben schummeln will. Blender halt....
mister-mister (03.07.2008, 06:41 Uhr)
Neidisch...???
Die abgegebenen Kommentare spiegeln wieder mal das übliche wieder - wer sich was Teures kauft, über den kann man auch mal spöttisch grinsen - man selbst ist ja nicht betroffen, weil man es sich eh nicht leisten kann.
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Das übliche Neidgeblöke. Gibt's ebenso bei Autos etc. und ist daher nichts Neues.
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Aber darum geht's gar nicht. Sondern um Fälschungen im ALlgemeinen. Und ich finde da ist eBay bisher noch lange nicht genug wehgetan worden.
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Kleine Dinge wie z.B. USB-Sticks oder I-Pods sind wahrlich keine Luxusartikel. Aber im Original teuer, wenn man auf schnelle Datenspeicherraten Wert legt oder eben in die Vorzüge des Original-I-Pod kommen will.
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Hier werden bei eBay massenhaft Fälschungen vertickt und die Sch....-Plattform tut - bisher - NICHTS. Der Umsatz geht vor.
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Klar kann man das ausdehnen bis hin zu den erwähnten Schickimicki-Täschchen für 2.000€. Betroffen ist aber im Prinzip jeder Käufer, der getäuscht wird, und wenn's um 10€ geht - insofern hat das Urteil vielleicht eine Signalwirkung auch für eBay Deutschland.
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Zeit wäre es.
Justizius (03.07.2008, 00:29 Uhr)
Schall und Rauch
Hier dreht die Luxusgüter-Industrie mal wieder gewaltig die Geld, Werbe- und Profilierungstrommel. Schließlich gibt es ja nicht wenig dumme und oberflächliche Menschen mit viel Geld, die nicht wissen wo sie es ausgeben sollen. Denen ist der hohe Preis genauso wichtig, wie das Design, denn sie wollen was besseres sein. Natürlich ist es dann ärgerlich, wenn Jemand mit einer Fälschung ankommt, die nur ein Zehntel oder noch weniger kostet als das "Original" - ärgerlich, weil man sich, trotz des teuren Originals, relativ wertlos fühlt. Nur wenige begreifen in diesem Moment, dass geistige Leere nicht dauerhaft mit materiellen Gütern befriedigt werden kann. Im Grunde genommen tragen die Chinesen zu dieser Erkenntnis ihren Teil bei, indem sich nun Jeder, mittels Fälschungen, diese Luxusgüter leisten kann und es letztendlich nur auf den Menschen ankommt.
johnniedeamonic (02.07.2008, 21:49 Uhr)
!natürlich!
wer Handtaschen für 2000Euro verkauft kann natürlich nicht zulassen das die Menschen sich die Ware gebraucht untereinander für solche Spottpreise verkauffen,
wo kämen wir den hin wenn prestige Objekt aufeinmal nur noch soviel Wert wären wie die dafür verwendeten Materialien...
bigcpoint (02.07.2008, 20:01 Uhr)
Kommt doch auch nur aus China...
Na,
die Luxushersteller müssen die Piepen ja dringend nötig haben.
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