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18. Dezember 2007, 14:00 Uhr

Süßer die Kassen nie klingeln

Ob Marktführer oder privater Powerseller - der Online-Handel boomt zum Weihnachtsfest. Händler freuen sich über Zuwachsraten von bis zu 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch, meinen Experten, sei das "Einkaufserlebnis in der Vorweihnachtszeit" nicht online zu ersetzen.

Gewinner: Powerseller Jörg Thatje hat in seinem Versandlager nur noch Restware in den Regalen© Christian Hager/dpa

Die Pakete türmen sich in der 2500 Quadratmeter großen Lagerhalle. Hier duftet es weder nach Lebkuchen noch nach Glühwein - Weihnachten scheint weit weg. Und dennoch ist Jörg Thatje aus Neumünster dieser Tage Christkind für Tausende Deutsche. 700 Pakete gehen hier jeden Tag auf die Reise quer durch die Republik - gekauft per Mausklick. Der 45-Jährige und seine Kollegen bei der Firma Limal sind sogenannte Powerseller, die in Internet-Portalen Kameras, Handys und Fotoapparate verkaufen. "Wir hatten Ware bis unters Dach und haben uns jetzt bis auf Kniehöhe heruntergearbeitet." Der Verband des bundesdeutschen Onlinehandels (vdbo) geht von 4,8 Milliarden Euro Umsatz im Online-Weihnachtsgeschäft aus, rund 500 Millionen Euro mehr als noch 2006.

Zuwachsraten von bis zu 100 Prozent

"Das Weihnachtsgeschäft macht gut die Hälfte des diesjährigen Jahresumsatzes von knapp zehn Milliarden Euro aus", sagte vdbo-Präsident Ole Damm. Der Deutsche Einzelhandelsverband bestätigt den Boom: "Der Online-Handel läuft wie verrückt und das auch an Weihnachten", sagt Hauptverbands-Sprecher Hubertus Pellengahr. Rund 50.000 Einzelhändler mischen im Online-Handel mit. Der Kauf von Weihnachtsgeschäften im Internet boomt dabei nicht nur bei Auktionsportalen, großen Buchhändlern und Versandhäusern - auch Privatleute und kleine Onlinehändler melden Zuwachsraten von 20 bis 100 Prozent im Vergleich zu 2006.

Das Internet-Auktionshaus Ebay hat seit 2004 den weltweiten Umsatz im Weihnachtsgeschäft fast verdoppelt. Bei dem amerikanischen Unternehmen schnellen im vierten Quartal seit Jahren die Umsätze in die Höhe. Von Oktober bis Dezember 2006 machte Ebay weltweit 1,7 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro) Umsatz. Neben Klassikern wie Harry-Potter-Büchern und Handys sind 2007 bei Ebay Deutschland auch Wellness-Wochenenden, Tanzkurse und Bierbrausets als Weihnachtsgeschenk heiß begehrt, sagt Sprecherin Daphne Rauch. Klagen wie im Einzelhandel über schleppende Geschäfte sind hier nicht zu hören. Die Vorteile liegen darin, dass mit Suchmaschinen und Auktionsportalen ganz schnell das passende Präsent gefunden ist, sagt Katrin Reinhardt vom vdbo. Preise können sofort verglichen und Geschenke direkt bestellt werden. "Wegstrecken und Zeitverluste gehören der Vergangenheit an", sagt Reinhardt.

Bücher bestellen bis zum 23. Dezember

Carrera-Bahn, Kaufmannsladen, Kindergitarre, Lego und Playmobil: Was früher von der Oma im Kaufhaus gekauft und mit schönen Schleifen und rotem Weihnachtspapier eingepackt wurde, wird heute direkt in die Wohnstuben versandt. "Keine Zeit", sagen die Menschen dieser Tage oft, wenn sie gefragt werden, ob sie schon Geschenke eingekauft haben. Bis zum 21. Dezember können diese Menschen im weltweiten Netz in der Regel bestellen - Lieferung bis Heiligabend garantiert. Auf den allerletzten Drücker kann bei einem Buchgroßhändler auch bis zum 23. Dezember geordert werden, die Bücher kommen per Nachtexpress.

"Trotz der rasanten Zunahme des Onlinehandels gibt es aber kein Aussterben des klassischen Weihnachtskauferlebnisses", sagt der Geschäftsführer der Hamburger BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt. "So wie das Internet nicht die Zeitung ersetzen wird, werden Online-Käufe nie das Einkaufserlebnis in der Vorweihnachtszeit ersetzen", sagt der 36-Jährige. "Den Weihnachtsmarkt gibt es auch noch in fünf Jahren."

Georg Ismar/DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Eisenbaer (18.12.2007, 18:13 Uhr)
Einkaufserlebnis in der vollen Fussgängerzone?
Das kann doch nur ironisch gemeint werden, dass das Einkaufen in vollen Geschäften, in "Hut und Mantel" in einem überheiztem Kaufhaus mit gestresstem und deutlich genervtem Personal sprechend, das weniger von einem Artikel weiß als ein gut informierter Käufer, ein besonders friedvolles Weihnachtseinkäufchen versprechen könnte?
***
Bei uns auf dem Weihnachtsmarkt stand eine "Freßbude" neben der anderen, es stank erbärmlich nach heißem Fett und angebrannten Reibekuchen, durchsetzt von den nebligen, süßen Schwaden diverser Glühweinstände. Den Höhepunkt bildete dann ein lockeres Ensemble von Currywurstbude und Fischbraterei mit einem Kräuterbonbonstand an der Mitte. Weihnachten riecht in meiner Erinnerung an frühere Zeiten irgendwie anders. Zu dem Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" habe ich seitdem auch ein etwas gespaltenes Verhältnis.
***
Nein, das tue ich mir garantiert so schnell nicht wieder an. Online und im warmen Zimmerchen, mit einer Tasse heißen Tee in einer Hand und der Maus in der anderen, lässt es sich wesentlich ruhiger und heimeliger "shoppen".
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